Basel
Kriminaltouristen räumen den Baslern die Taschen aus
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Wer in Basel unterwegs ist, muss derzeit ganz besonders auf sein Hab und Gut achten. Im ersten Halbjahr 2012 haben Taschendiebstähle in der Stadt um mehr als 25 Prozent zugenommen – verglichen mit der Vorjahresperiode. «Und wir rechnen damit, dass die Täter jetzt während der Sommerferien noch verstärkt aktiv sind», sagt René Gsell von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. «Die Deliktzahlen steigen jeweils an schönen Sommertagen.»
Gestohlen wird einfach alles
Die Langfinger sind in der Regel Kriminaltouristen und reisen unter anderem aus Roma-Camps ennet der Grenze sowie aus Osteuropa nach Basel. Laut Gsell handelt es sich bei ihnen um Vollprofis. «Sie werden im Vorfeld regelrecht für solche Diebstähle ausgebildet», sagt er. Die Professionalität beginne bereits bei der Auswahl der Opfer. Denn der Griff in die Taschen erfolge keineswegs wahllos. Zum Ziel wird, wer in einer Menschenmasse als besonders arglos und unaufmerksam auffällt. Dazu gehören beispielsweise Reisende, die ihr Gepäck aus den Augen lassen. «Es ist falsch zu glauben, dass etwa ein Koffer voller Kleider keine attraktive Beute sei», sagt Gsell. Denn gestohlen werde einfach alles. Bei anderen locke ein gut sichtbar getragenes Portemonnaie in der Handtasche die Diebe an.
Bei ihren Beutezügen gehen die Kriminellen unterschiedlich vor. Entweder gelingt es ihnen, unbemerkt in eine Tasche zu greifen oder ein Gepäckstück zu entwenden. «Andernfalls wird das Opfer abgelenkt», sagt Gsell. Dabei gebe es verschiedene Tricks. «Junge Frauen werden beispielsweise bedrängt, während die Täter aus den Handtaschen und Kleidern Portemonnaies und Mobiltelefone stehlen.»
Hotspot Bahnhof SBB
Besonders gern schlagen die einzeln oder in kleinen Gruppen agierenden Täter an Orten mit hohem Passantenaufkommen und an grösseren Veranstaltungen zu. Auch das Feuerwerk heute Abend oder die Konzerte auf dem Floss könnten einige Langfinger anziehen. «Wo sich viele Leute befinden und ausgelassen gefeiert wird, ist naturgemäss die Aufmerksamkeit kleiner. Das nützen die Täter aus», weiss Gsell. Hotspots seien in Basel beispielsweise auch das Rheinufer, öffentliche Verkehrsmittel und Restaurants. Besonders im Visier der Taschendiebe ist gerade jetzt in den Sommerferien der Bahnhof SBB. «Wir bemerken hier ebenfalls eine Häufung der Fälle», sagt Gsell. Mehrmals wöchentlich melde sich jemand, weil er im Umfeld des Bahnhofs bestohlen worden sei. «Gerade während der Ferien ist hier das Gedränge halt gross.» Die SBB wollen die Passagiere sensibilisieren: «Achtung Taschendiebe. Bitte achten Sie auf Ihr Gepäck und lassen Sie nichts unbeaufsichtigt stehen.» Solche Durchsagen schallen derzeit aus den Lautsprechern in der Schalterhalle. Einen weiteren Warnhinweis haben die SBB zusätzlich auf der grossen Anzeigetafel mit den Abfahrtszeiten geschaltet. «Wir platzieren solche Warnungen zu Zeiten, in denen Taschendiebe besonders aktiv sind», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli.
Minderjährige auf Beutezug
Einige der meist aus Osteuropa stammenden Kriminaltouristen reisen für ihre Beutezüge mit öffentlichen Verkehrsmitteln an, sind einige Stunden in Basel aktiv und machen sich dann wieder aus dem Staub. Andere wiederum kommen im Privatauto über die Grenze. Sie fahren nach einem ersten Diebeszug in Basel meist innerhalb der Schweiz weiter und suchen noch weitere Kantone heim. Die Beute wird entweder mitgenommen oder gebunkert und dann von einer Drittperson ausser Landes transportiert.
Anders verhält es sich bei den Tätern aus Roma-Camps in Frankreich. Sie sind in den meisten Fällen minderjährig und werden von Dritten in einem Fahrzeug nach Basel gebracht. Hier machen sie ihre Beutezüge und werden danach an einem verabredeten Treffpunkt wieder aufgeladen. Die Jugendlichen agieren laut Gsell in der Regel im Familienverband. Greift die Polizei solche minderjährige Täter auf, werden diese der Jugendanwaltschaft zugeführt.
Immer wieder gelingt es der Kantonspolizei, Taschendiebe in flagranti zu erwischen. «Die Fahnder sind schwerpunktmässig an besonders betroffenen Orten aktiv», sagt Gsell. Die Täter werden zuerst einige Zeit beobachtet, dann schlägt die Polizei zu. Bei angezeigten Delikten ist die Fahndung aber oft nicht ganz einfach. «Viele Opfer merken erst spät, dass sie bestohlen wurden, und wissen dann gar nicht mehr, wann und wo das Delikt passiert sein könnte.»
Im vergangenen Jahr konnten insgesamt 5,4 Prozent aller 1081 im Kanton Basel-Stadt angezeigten Taschendiebstähle von der Polizei aufgeklärt werden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 31.07.2012, 11:53 Uhr
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