Basel
Kulturhauptstadt: Enttäuschung und Hoffnung
Von Nina Jecker. Aktualisiert am 20.10.2012 5 Kommentare
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Basel verzichtet auf die Bewerbung als Kulturstadt Europas 2020. Hand bieten könnte Freiburg: Die deutsche Stadt will für 2025 mit Basel ins Rennen gehen. Eine gute Idee?
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Die Kulturhauptstädte Europas
Seit 2004 wird der Titel «Kulturhauptstadt Europas» jährlich an mindestens zwei Städte in EU-Staaten vergeben. Zusätzlich konnten bis 2010 Nicht-Mitgliedstaaten Kulturhauptstädte stellen. Unter welchen Bedingungen das künftig wieder möglich sein wird, ist derzeit noch nicht klar. Momentan sind nur Städte innerhalb der EU zugelassen. Aktuell tragen die portugiesische Stadt Guimaraes und die slowenische Stadt Maribor den Titel. Nächstes Jahr dürfen Marseille in Frankreich und Kosice in der Slowakei mit dem Label werben. Die Kulturhauptstädte sind eine Initiative der Europäischen Union.
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Kultur wird in Basel gross geschrieben. Die Stadt am Rheinknie vermarktet sich unter dem Label «Culture Unlimited». Doch Kulturhauptstadt Europas, das wird Basel vorerst nicht werden. Die Regierung hat diese Woche beschlossen, auf eine Bewerbung um den Titel für das Jahr 2020 zu verzichten.
Ein Entscheid, der vor allem bei hiesigen Hoteliers und Gastronomen für Enttäuschung sorgt. Sie hätten sich auf massive Mehreinnahmen freuen können, hätte Basel den Titel geholt. Linz war Kulturhauptstadt 2009. In diesem Jahr stiegen die Zahlen der Logiernächte um zehn Prozent – obwohl die Geschäftsübernachtungen zurückgingen. Noch beeindruckendere Zahlen liefert Essen. Die Stadt im Ruhrgebiet verzeichnete 2010 als Kulturhauptstadt eine Zunahme der Gästeankünfte von mehr als 30 Prozent.
Hoteliers sind enttäuscht
Das sind Zahlen, die auch die Basler Branche zum Träumen bringt. «Besonders für mein Hotel, das ich ja als Kulturhaus positioniert habe, wäre ein solcher Titel natürlich eine grosse Chance», sagt Raphael Wyniger, Besitzer des Hotels Teufelhof in Basel. Auch Thomas Buser, Direktor des Hotels Victoria beim Bahnhof SBB, bedauert den Verzicht auf eine Bewerbung. «Ich kann zwar nachvollziehen, dass man bei den hohen Kosten das Risiko scheut. Als Hotelier finde ich den Entscheid aber natürlich schade.»
Eine Haltung, die auch Werner Schmid, Präsident des Basler Hotelier-Vereins, teilt. «Grundsätzlich ist der Entscheid, auf eine Bewerbung zu verzichten, zu bedauern. Schliesslich lautet unser Label, unter dem die Stadt vermarktet wird, Culture Unlimited.» Er könne aber verstehen, dass genau abgewogen werde, ob sich die Investition lohne. Zwei bis drei Millionen müsste die Stadt für eine Bewerbung hinblättern. «Eine Summe, die investiert werden muss», fordert Tuncay Zeybeck, stellvertretender Geschäftsführer des Hotels Alexander bei der Messe. «Wir hätten uns sehr gewünscht, dass Basel bei dem Wettbewerb mitmacht. Das wäre eine grosse Chance für die Stadt und die Hoteliers gewesen. So etwas muss man einfach probieren.»
Der Regierung sind die Kosten aber zu hoch. Vor allem, da nicht gesichert sei, dass Basel als Stadt ausserhalb der EU überhaupt teilnehmen könnte. Bis 2010 war das noch möglich. Nun muss die EU aber erst wieder den Modus für Bewerbungen von Nicht-Mitgliedstaaten festlegen.
Freiburg strebt Partnerschaft an
Hand zu einer Lösung bietet jetzt allenfalls die Stadt Freiburg. Der deutsche Nachbar plant, für das Jahr 2025 ins Rennen um den Kultur-Titel zu gehen – und zwar Seite an Seite mit den Baslern. «Wir planten das bereits für 2020 und haben bei uns eigens eine Stelle dafür geschaffen», sagt Eva Amann, Pressesprecherin der Stadt Freiburg. Als aber klar wurde, dass frühestens 2025 wieder eine deutsche Stadt Kulturhauptstadt werden könne, habe man das Projekt auf Eis gelegt. «Für die Kandidatur fünf Jahre später werden wir aber wohl wieder auf die Stadt Basel zukommen, um über eine Kooperation zu sprechen», kündigt Amann an.
Daniel Egloff von Basel Tourismus sieht hier eine grosse Chance für beide Städte. «Durch die Partnerschaft mit Freiburg hätten wir als Stadt ausserhalb der EU quasi ein Eintrittsbillett. Die Freiburger ihrerseits könnten von unserem grossen Kulturangebot profitieren. In diesem Bereich sind wir hier in Basel wahnsinnig stark und hätten durchaus gute Chancen auf den Zuschlag.» Und selbst falls es nicht klappen sollte, sieht Egloff bereits in der Kandidatur Vorteile: «Alleine die Bewerbung hätte einen Image-Effekt», ist der Tourismusdirektor überzeugt.
«Wir haben viel zu bieten»
Sabine Horvath vom Basler Standortmarketing, die das Dossier Kulturhauptstadt unter sich hat, dämpft die Euphorie: «Auch was bi- oder gar trinationale Kandidaturen angeht, steht noch nicht fest ob, und in welchem Rahmen diese möglich wären.» Wenn alle Bedingungen geklärt sind und sich daraus Möglichkeiten ergeben, würde sich aus Standortmarketing-Sicht eine erneute Prüfung lohnen. «Wir haben sicher genauso viel zu bieten wie andere Städte, die den Titel schon geholt haben. Wenn nicht noch mehr», sagt Horvath.
(Basler Zeitung)
Erstellt: 20.10.2012, 08:35 Uhr
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5 Kommentare
Kultur ist in Basel in grossen Häusern vorhanden.
Lauf ich durch die Stadt, so seh ich bei den Menschen leider nicht viel davon vorhanden.
Ungepflegte Häuser, Strassen und auch Leute deuten nicht gerade auf eine Hochkultur.
Und dass man das Label Kulturhauptstadt will um vor allem Hotelzimmer zu füllen - das sagt eigentlich schon alles aus.
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Basel kann und wird nie Kulturstadt werden da müsste echt ein Wunder geschehen.
Mit Museen alleine ist das nicht gemacht da braucht es noch einiges mehr vor allem auch das Gefühl von Sicherheit welches in der Stadt Basel ganz offensichtlich nicht opportun zu sein scheint !
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