Basel

Längere Piste walzt Pferdeheim platt – Widerstand

Von Roger F. Delle. Aktualisiert am 11.03.2009 35 Kommentare

Um den Fluglärm im Süden zu verringern, soll die Ostwest-Piste am EuroAirport verlängert werden. Dies wäre das Ende der Pferdepension in Blotzheim. Das Vorhaben scheint in Frankreich aber ohnehin keine Chance zu haben.

1/11 Pferdepension1.JPG.jpg
Die Ostwest-Piste «zielt» direkt auf die Pferdepension.
Bild: Roger F. Delle

   

Links

Artikel zum Thema

Info-Box

Im Baselbieter Landrat sind von der FDP am 19. Februar ein Postulat für eine Verlängerung der Ostwest-Piste des EuroAirports sowie eine Motion für eine entsprechende Standesinitiative eingereicht worden. Autor ist jeweils der Allschwiler Landrat Hanspeter Frey. Initiiert und unterzeichnet wurden die Vorstösse von den Binninger und Allschwiler FDP-Landräten (Frey, Siro Imber, Bea Fünfschilling und Judith van der Merwe).

Beantragt werden:

1. eine Verlängerung der Ostwest-Piste um rund 600 Meter im Westen

2. Anreizsysteme zur Benutzung der Ostwest-Piste für Abflüge in den Westen und Anflüge aus dem Westen

3. die Festlegung genauer An- und Abflugswinkel sowie genauer An- und Abflugsrouten

4. eine paritätische Vertretung der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt im Verwaltungsrat des Flughafens

Noch im März will auch die FDP Basel-Stadt im Grossen Rat einen ähnlichen Vorstoss einreichen. Auf die Forderung nach einer paritätischen Vertretung beider Basel wird allerdings verzichtet, wie Fraktionspräsident Christophe Haller gegenüber baz.online erklärte.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Genau in der Verlängerung der Ostwest-Piste des Flughafens Basel-Mulhouse liegt die Pferdepension Eby auf einem kleinen Hügel. Geht es nach den Vorstellungen der FDP-Fraktionen in den beiden Basel soll diese Erhebung zwischen Hésingue und Blotzheim plattgewalzt werden, um die Piste nach Westen um 600 Meter zu verlängern. Dann würde die Gesamtlänge 2400 Meter betragen, was nötig wäre, damit auch grössere Flugzeuge starten und landen könnten. Dadurch soll die Piste deutlich mehr Verkehr abnehmen als heute und dafür sorgen, dass die umstrittenen Südanflüge über die Schweiz wieder reduziert werden.

Der landwirtschaftliche Betrieb mit der Pferdepension steht dem Vorhaben im Weg. Wird der Hügel abgetragen, müssen die Familie Eby und ihre vierbeinigen Gäste verschwinden. Für Jean-Louis und Anita Eby-Voggensperger wäre dies eine persönliche Katastrophe: «Die Existenzgrundlage wird uns genommen», sagen sie zu baz.online. Die Ebys sind verunsichert und sehen ihr Lebenswerk gefährdet. «Es kommt einem der Gedanke, wir haben alles nur gemacht, damit sie es mit Bulldozern niederwalzen», sagt Anita Eby.

Von Generation zu Generation

Schon die Urgrosseltern von Jean-Louis Eby haben den Hof (die «Ferme») Liesbach bewirtschaftet. Der Betrieb wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Und bereits warten die Kinder, eine 16-jährige Tochter und ein 14-jähriger Sohn. Wird die Pistenverlängerung Tatsache, werden Sie den Hof ihrer Eltern nicht mehr übernehmen können.

Dieser ist vor allem bekannt durch seine Pferdepension. Wer keinen Stall hat für seinen Vierbeiner, kann ihn bei den Ebys unterbringen. Sie füttern und pflegen die Pferde, die mindestens zwölf Stunden pro Tag draussen verbringen können – und der Hafer wird sogar selbst angebaut. Die meisten Kunden sind Schweizer – laut Jean-Louis Eby rund 70 Prozent.

«An uns denkt dabei niemand»

Dass die Schweizer allen Fluglärm nach Frankreich abwälzen wollen, stösst den Ebys sauer auf. Anita Eby ist selber Schweizerin, ihr Mann Franzose. Der Standort beim Liesbach ist für sie ideal – ein einzelner Hof in der Nähe der Stadt mit grosszügigen Ausreitmöglichkeiten. Dass sie dafür einen gleichwertigen Ersatz finden, glauben sie nicht, und ebensowenig, dass sie eine angemessene Entschädigung erhalten würden. Und Jean-Louis Eby fügt hinzu: «Wenn man das liest, hat man das Gefühl, dass es nur um einen Hügel zum Abtragen geht. An uns denkt dabei niemand.»

Dass dem nicht so ist, beteuert Hanspeter Frey, der Autor der FDP-Vorstösse im Baselbieter Landrat für eine Pistenverlängerung: «Vergessen haben wir sie nicht.» Für ihn steht ausser Frage, dass das Schicksal der Ebys in eine allfällige Planung und Realisierung miteinbezogen werden müsste. In Gesprächen würde dann versucht, eine Lösung zu finden. Frey denkt dabei daran, der Familie einen Realersatz zu bieten, eine Verlegung zu prüfen. Doch im jetzigen Moment, in dem es erst um einen Grundsatzentscheid geht, sei es noch zu früh, sich konkret damit zu befassen. Und Frey sagt zu baz.online: «An einem Einzelschicksal sollte solch ein Vorhaben nicht scheitern.»

«Alle dagegen»

Die Forderung nach einer verlängerten Ostwest-Piste dürfte in Frankeich jedoch auf wenig Gegenliebe stossen. Der Maire (Bürgermeister) von Blotzheim, Jean-Paul Meyer, etwa hält gar nichts von der Idee und sieht sich dabei alles andere als alleine: «Von französischer Seite wären alle dagegen.» Den Hügel abzutragen, ist für ihn nicht machbar. Er erwähnt den Hof der Ebys und das Quartier der Strasse «rue des Chalets» – dieses werde bei einer Verlängerung gerade noch 400 Meter neben der Piste liegen. Und auch eine Grundwasserpumpe befinde sich in der Nähe.

Meyer arbeitet in Reinach und kann nicht verstehen, dass die Südlandungen (8,9 Prozent im vergangenen Jahr) in der Schweiz auf starken Widerstand stossen. Mit der Belastung im Elsass sei das nicht zu vergleichen. «Wir sind so schon gestraft mit dem Fluglärm», sagt er zu baz.online und betont: «Ich könnte so etwas auch gar nicht zulassen.»

Gegen Profiteur-Eindruck

Die französische Seite soll laut Hanspeter Frey überzeugt werden, indem man aufzeige, dass es sich um eine technisch machbare Lösung handle. Er könnte sich auch vorstellen, dass die Schweiz einen stärkeren Anteil an den Kosten übernimmt als üblich. Und es gelte den Eindruck zu vermeiden, die Schweiz wolle nur vom Flughafen profitieren. Frey ist sich bewusst, dass es nicht einfach wird, französische Unterstützung für die Pistenverlängerung zu erhalten: «Es wird schon Überzeugungsarbeit brauchen.»

Hanspeter Frey setzt jedoch auch darauf, dass die Elsässer Gemeinden südlich des EuroAirports ebenfalls vom Fluglärm entlastet würden, wenn eine verlängerte Ostwest-Piste zur Verfügung stünde. Im Gegensatz zum Süden befinden sich im Westen des Flughafens wenige bewohnte Gebiete. Der nächste Ort direkt in der westlichen Verlängerung der Ostwest-Piste ist Knoeringue, das etwa zehn Kilometer vom Flughafen entfernt liegt. Frey betont, dass nur An- und Abflüge aus respektive nach Westen vorgesehen sind. Das bevölkerungsreiche Gebiet im Osten des EuroAirports mit St-Louis, Huningue und Weil am Rhein soll nicht tangiert werden. Bis jetzt wird die Ostwest-Piste beim Abflug bei 6,5 Prozent und beim Anflug bei 1,7 Prozent der Flugbewegungen benutzt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2009, 17:40 Uhr

35

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

35 Kommentare

Patrick Meier

11.03.2009, 20:12 Uhr
Melden

also das ist ja wohl die laecherlichste Diskussion. Man schaue sich einmal das Satellitenbild vom EAP an - nichts als gruene Flaeche rund um das Gut der Eby Familie. Man kann die Ebys also ohne weiteres mit einer brandneuen Pferdepension im Umkreis von 500 metern begluecken - alles was es braucht ist Geld und der Wille, einem Bauern ein bisschen Land abzukaufen. Antworten


ralf marer

11.03.2009, 13:12 Uhr
Melden

Es geht nicht um Nationalitäten. Es geht um Lärmentlasstung für den grössten Teil der regionalen Bevölkerung. Darum ist eine Lösung zu suchen, bei der die wenigsten Menschen durch Lärmemissionen belästigt werden. Dafür sollten die entlasteten Regionen, aber auch der EAP Gelder zum Lärmschutz für die betroffenen Regionen bereitstellen Aber der EAP leistet diesbezüglich KEINEN Beitrag!!! Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!