Basel

Lieber höhere Strafe als Alkohol-Präventionskurs

Von David Weber. Aktualisiert am 07.09.2010 1 Kommentar

Drogenkonsum wird als problematischer angesehen als Alkoholmissbrauch. Für die Jugendanwaltschaft ist es deshalb schwierig, minderjährige Delinquenten für einen Präventionskurs zu motivieren.

Seit Mai 2010 erhalten Jugendliche bei Straftaten in Verbindung mit Alkohol von der Jugendanwaltschaft eine Chance auf Strafmilderung.

Seit Mai 2010 erhalten Jugendliche bei Straftaten in Verbindung mit Alkohol von der Jugendanwaltschaft eine Chance auf Strafmilderung.
Bild: Keystone

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Wenn ein Jugendlicher unter Alkoholeinfluss eine Straftat begeht, bietet ihm die Jugendanwaltschaft Strafmilderung an, wenn er einen Präventionskurs besucht. Ist das sinnvoll?

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Das Angebot ist neu und tönt verlockend. Minderjährige, die mit Alkohol im Blut ein Delikt begehen, erhalten von der Jugendanwaltschaft die Chance auf Strafmilderung. Die Bedingung: Sie müssen einen Alkohol-Präventionskurs besuchen. «Wer zum x-ten Mal betrunken dreinschlägt, ist kein Kandidat für diesen Kurs», sagt der Leitende Jugendanwalt Beat Burkhardt zur BaZ. Das Angebot richte sich an Jugendliche, die erstmals eine Straftat unter Alkoholeinfluss verübten.

Durchgeführt werden die freiwilligen Gruppenkurse vom Blauen Kreuz, finanziert werden sie vom Gesundheitsdepartement (GD), das den Anstoss für den neuen Kurs gab. Bei Cannabisvergehen wird diese Methode seit 2003 angewendet. Jährlich vier Kurse mit sechs bis zehn Teilnehmern führt die Stelle Drop-In von der Suchthilfe Region Basel durch. Bei Straftaten in Verbindung mit Alkohol gibt es dieses Angebot seit Mai 2010.

Legale Substanz

Was bei Cannabisvergehen klappt, gestaltet sich bei Alkoholdelikten schwierig. Im August hätte ein erster Gruppenkurs durchgeführt werden sollen. Hätte. Denn «leider konnten wird den Kurs nicht füllen», sagt Burkhardt. Der Grund: «Die Jugendlichen sind schwerer zur Teilnahme zu motivieren als bei Cannabiskursen», erklärt Burkhardt. Bei der legalen Substanz Alkohol sei das Problembewusstsein kleiner als bei der verbotenen Droge Cannabis.

Das ist Thomas Steffen nur zu gut bekannt. Der Leiter der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention im GD sagt: «Tatsächlich stellen wir fest, dass Cannabis von Erwachsenen wie auch zum Teil von Jugendlichen als problematischer angesehen wird.» Sei das bezüglich gesundheitlicher oder strafrechtlicher Folgen. So ist bei Alkoholvergehen auch der Druck der Eltern auf die Kinder geringer, einen Präventionskurs zu abslovieren, sagt Burkhardt. Jürgen Ullmann vom Blauen Kreuz Basel-Stadt erklärt: «Alkoholmissbrauch wird bagatellisiert, da Alkohol auch im Alltag der Erwachsenen oft ein selbstverständlicher Bestandteil ist.»

Stärkung des Selbstwertgefühl

Seit Mai 2010 hatte die Jugendanwaltschaft sechs straffällig gewordenen Minderjährigen die Chance auf Strafmilderung gegeben. Die Hälfte hat abgelehnt. Für einen Gruppenkurs braucht es mindestens vier Personen. Stattfinden würde der Kurs an drei Abenden à zwei Stunden. Entweder wird den Jugendlichen diese Zeit an die gemeinnützige Arbeit angerechnet, zu der sie verurteilt wurden, oder die Geldstrafe wird reduziert.

«Im Kurs analysieren wir die Alltagssituation der Jugendlichen und gehen der Frage nach, welche Rolle der Alkohol spielt», sagt Ullmann. Mit den drei teilnahmewilligen Jugendlichen, die von der Jugendanwaltschaft gemeldet wurden, führt das Blaue Kreuz nun Einzelkurse durch – und gibt der Jugendanwaltschaft Rückmeldung über Erscheinen und Mitarbeit, nicht aber über Gesprächsinhalte, wie Ullmann erklärt. In Gruppen hätte man aber viel mehr Möglichkeiten, zum Beispiel Rollenspiele, sagt Ullmann. Gerade dieser Austausch mit anderen Jugendlichen sei wertvoll, berichtet Drop-In-Leiter Oliver Bolliger, dessen Stelle die Cannabiskurse durchführt.

Jugendanwalt Burkhardt hofft nun, dass es für den nächsten Kurs im November genügend Jugendliche gibt, die vom Strafmilderungsangebot Gebrauch machen wollen. Für sie sei das Mittel der Präventionskurse wichtig, sagt Burkhardt, dort gehe es auch um die Stärkung des Selbstwertgefühls der Jugendlichen. Denn «oft machen die Schwächsten die dümmsten Sachen». (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.09.2010, 07:40 Uhr

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1 Kommentar

Rolf Moll

08.09.2010, 17:45 Uhr
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Grundsätzlich braucht jeder auf Abwege gelangte Jugendliche einen Grundkurs über Drogen und deren Auswirkungen. Wie gestalte ich meine Leben ohne Alkohol oder Drogen. Strafmildernd sollte jedoch nicht nur den Besuch eines Kurses sondern zu bewerten ist auch die herangehensweise und schlussendlich deren Umsetzung. im Leben. Zwingen zur Enthaltsamkeit funktioniert nicht aber genügend Wissen zu vermitteln sodass er/sie selbst neu entscheidet. „Will ich mich in der Gosse suhlen oder strebe ich ein Leben mit Erfolg und Glücklichsein an. Entscheide für dich selbst, W to H von L. Ron Hubbard. Antworten



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