Lorenz Nägelin attackiert Guy Morin

Der SVP-Kandidat will den Regierungspräsidenten aus dem Amt drängen. Im Fall einer Wahl würde Nägelin das Präsidialdepartement umgestalten.

Der Staatsangestellte Lorenz Nägelin fordert einen schlankeren Staat.

Der Staatsangestellte Lorenz Nägelin fordert einen schlankeren Staat. Bild: Henry Muchenberger

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Lorenz Nägelin hielt sich nicht lange mit Banalitäten auf, als er gestern zusammen mit dem Wahlkampfleiter Joël Thüring (Parteisekretär der SVP) seinen Wahlkampf präsentierte, sondern ging direkt zur Sache. Der heutige Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) habe keine Führungserfahrung und führe sein Departement nicht, das Präsidialdepartement sei eine Baustelle und müsse umstrukturiert werden. Das wolle er ändern, sofern er gewählt werde, versprach Nägelin.

«Ich will Basel gestalten und nicht verwalten!», lautet sein Kernsatz. Er will einen modernen und leistungsfähigen Kanton, «der als attraktiver und leistungsstarker Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsstandort im interkantonalen Vergleich herausragt». Er gehöre keinem Filz an, habe weder einen Verband noch eine Gewerkschaft im Rücken, die ihm sagen, was er im Amt zu tun hätte.

Lorenz Nägelin (45) ist Rettungssanitäter und Betriebsökonom mit eidgenössischem Diplom. Bei der Sanität Basel ist er Mitglied der Abteilungsleitung, zum Einsatz gelangt er als Schichtleiter und Teamleiter. Bei der Sanität arbeiten rund 70 Personen, bei Grossanlässen können es gegen 120 Leute sein. Seine Führungserfahrung habe er sich im Beruf sowie im Militär erworben, er ist Oberstleutnant. Er kenne die Bedürfnissse der Bevölkerung sehr wohl, einen Drittel seiner beruflichen Zeit verbringe er bei den Patienten. In die Waagschale wirft er auch, dass er seit elf Jahren im Grossen Rat politisiert und seit sechs Jahren als Fraktionspräsident der SVP wirkt.

Präsidialdepartement umbauen

Das Know-how der Staatsangestellten werde viel zu wenig genutzt. Beim Staat gebe es zu viele Gärtchen von Chefs; den Bezug zur Bevölkerung hätten meist die gewöhnlichen Staatsangestellten. Diese würden jedoch zu wenig einbezogen. «Dienststellen-Könige» wie heute würde es unter ihm nicht geben, als Beispiele nannte er die ehemalige Chefin des Integrationsamtes, Elisa Streuli, und den heutigen Stadtentwickler Thomas Kessler.

Im Fall einer Wahl würde er das Präsidialdepartement umgestalten. Überkapazitäten seien abzubauen, Doppelspurigkeiten aufzuheben. Heute gebe es zu viele Leitungspositionen und Hierarchiestufen, er möchte die Verantwortung «weiter nach unten» delegieren. Der Staat müsse schlank sein oder werden, heute sei er zu ineffizient. «Jetzt werden keine Linien vorgegeben, Regierungspräsident Morin führt nicht, es ist eher so, dass er geführt wird», meinte Nägelin. Morin habe jedenfalls keine Meilensteine gesetzt.

Sich selbst bezeichnet Nägelin als Teamplayer. Von allen Kandidaten für das Regierungspräsidium weise er am meisten Führungserfahrung auf; diese gehe Guy Morin und auch dem freisinnigen Mitbewerber Baschi Dürr ab. Als Beispiel für seine Erfahrung nannte er etwa, dass er für das WEF in Davos ein Rettungskonzept auf die Beine habe stellen müssen. Er bezeichnet sich auch als den bürgerlichsten aller Anwärter auf das Regierungspräsidium. Dass ­Baschi Dürr weniger bürgerlich sei, sehe man etwa daran, dass dieser für das Ausländerstimmrecht eingestanden sei und den Militärdienst verweigert habe.

Die Kandidatur Nägelin zielt auf das Präsidialdepartement, aber auch auf das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD), das nach dem Rücktritt von Regierungsrat Hanspeter Gass frei wird. Er sei selbstverständlich für jedes Departement offen, kenne aber von seinem Beruf her das JSD klar am besten.

Mehr Mittel für die Polizei

Als Regierungsrat will er sich für Sicherheit und Sauberkeit einsetzen. Ausbrüche aus dem Gefängnis und die Zunahme der Einbrüche bereiten ihm Sorgen. Das Polizeikorps befinde sich trotz erfolgter Aufstockung an der Kapazitätsgrenze. Der Polizei müssten mehr Mittel gegeben werden, beispielsweise Videoüberwachung, die aber leider abgelehnt worden sei. Gegen Kriminelle müsste man seiner Meinung nach res­triktiv vorgehen; im Polizeikorps herrsche Frust wegen der Kuscheljustiz. Zu unterbinden sei Kriminaltourismus, beispielsweise von Roma.

Der Kanton Basel-Stadt müsste attraktiver sein, findet Nägelin. Unternehmen müssten steuerlich entlastet werden, aber ebenso die natürlichen Personen. Basel-Stadt sei gegenüber Baselland und dem Aargau diesbezüglich benachteiligt, auch bei den Mieten. Ferner tritt Nägelin für wohnliche Quartiere ein; er empfiehlt, dichter zu bauen und Grünflächen zu erhalten. Ein grosses Anliegen sei ihm das Thema Partnerschaft: «Allein können wir unsere Aufgaben nicht lösen. Wir brauchen die Fusion mit Baselland, besser noch einen Kanton Nordwestschweiz.»

Das Wahlkampfbudget beläuft sich auf rund 20'000 bis 25'000 Franken, wovon das überparteiliche Unterstützungskomitee und der Kandidat je etwa die Hälfte übernehmen. Ob er auch einen zweiten Wahlgang bestreiten würde, liess Nägelin gestern noch offen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.08.2012, 09:10 Uhr

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