Basel

Luxushotel könnte Wessels verdrängen

Von David Weber. Aktualisiert am 28.12.2011 21 Kommentare

Das Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt sucht einen neuen Standort. Nun wollen Architekten in den Verwaltungsgebäuden am Münsterplatz ein Hotel der gehobenen Preisklasse realisieren.

1/2 Die Gebäude Münsterplatz 10 (vorn) und 11 (Glasdach) sowie der Domhof (Türmchen) könnten dereinst ein Luxushotel (rechts der Lichthof) beherbergen.
Bild: Henry Muchenberger/Buol & Zünd Architekten BSA, Ba

   

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Hinter dem mächtigen Eingangsportal aus Holz wartet nichts, was an ein Verwaltungsgebäude erinnern würde – von einem Brett mit Mitteilungen einmal abgesehen. Das Gebäude Münsterplatz 11 gleicht eher einem italienischen Palazzo. In der Mitte entfaltet sich ein riesiger Raum, ein grosser Lichthof mit einer kunstvollen Kuppel aus Glasbausteinen. Arkadengänge führen in allen drei Stockwerken um den Lichthof herum. Hier haben ein Teil der Angestellten des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) und Vorsteher Hans-Peter Wessels ihre Büros. Im Lichthof führt das BVD Planauflagen zu Bauprojekten und andere Ausstellungen durch.

Der Komplex des BVD umfasst neben dem Falkensteinerhof (Münsterplatz 11) aus der Zeit um 1610, den Regisheimerhof (10) und die dreiflüglige Anlage des Domhofs (12), die seit dem 16. Jahrhundert in drei Etappen entstanden ist. Die drei miteinander verbundenen Gebäude sind alle im Denkmalverzeichnis von Basel-Stadt aufgeführt. Ausserdem gehört auch das ehemalige Schulhaus an der Rittergasse 4 zum BVD.

Trotz der schönen Lage sucht das BVD einen neuen Standort, wo es alle seine Verwaltungseinheiten zusammenfassen kann. Denn die Denkmalpflege, die Abteilung Finanzen und Controlling sowie Teile des Tiefbauamts sind extern untergebracht. Noch hat die kantonale Liegenschaftsverwaltung Immobilien Basel-Stadt (IBS) keinen neuen Standort gefunden. «Wir sind weiterhin auf der Suche», sagt IBS-Leiter Andreas Kressler. Aufgrund der Grösse des BVD gestalte sich diese nicht einfach.

Zu wenig hochpreisige Hotels

Trotzdem wird das BVD über kurz oder lang vom Münsterplatz wegziehen, und die Frage stellt sich: Wie wird das historische Gebäudeensemble an Basels schönstem Platz danach genutzt werden? Die Basler Architekten Buol & Zünd haben gestern in den «KMU News», der Zeitsschrift des Gewerbeverbands Basel-Stadt, die Idee eines «Qualitätshotels» mit 105 Zimmern in den drei Gebäuden Münsterplatz 10 bis 12 lanciert.

Im Erdgeschoss des Falkensteinerhofs und des Regisheimerhofs ist eine für die Öffentlichkeit zugängliche Dienstleistungsebene angedacht, mit Café, Touristen-Info, Ticketschalter für kulturelle Veranstaltungen, Museumsshop und kleinem Veranstaltungssaal. Der Lichthof würde als Hotellobby und Begegnungsraum für die Bevölkerung genutzt werden.

Der zentrale Münsterplatz sei dafür ein «idealer Standort», ist Architekt Marco Zünd überzeugt. Zudem gebe es in der Stadt zu wenig hochpreisige Hotels, sagt Zünd. Gemäss ihren Abklärungen wäre ein Hotel an dieser Lage rentabel. Und Zünd ist sich sicher, dass es kein «wirkliches Problem wäre, Investoren und Betreiber für das Projekt zu finden».

«Grosses Potenzial»

Natürlich müsste mit der bestehenden Bausubstanz der denkmalgeschützten Liegenschaften höchst behutsam umgegangen werden. Darin haben Buol & Zünd allerdings Erfahrung, so waren sie für die Umwandlung des historischen Lohnhofs – das ehemalige Gefängnis über dem Barfüsserplatz – zum Hotel-Restaurant Au Violon verantwortlich.

Laut «KMU News» wird die Hotelnutzung von den IBS als «grundsätzlich interessant» beurteilt und ihr sei «grosses Potenzial» attestiert worden. «Umso erstaunlicher ist es», heisst in der Gewerbezeitschrift, dass die IBS dem Regierungsrat das «Festhalten an der heutigen Nutzung durch das BVD empfehle». Ist die Projektidee also schon gestorben? «Nein», sagt IBS-Chef Kressler. Das sei kein Entscheid gegen die Hotelnutzung. «Aber man kann nicht die Nachnutzung konkret aufgleisen, solange für den jetzigen Mieter kein neuer Standort gefunden worden ist.» Deshalb könne er auch keinen Zeitplan nennen, wann über die zukünftige Nutzung des historischen Gebäudekomplexes entschieden werde.

Wohnungen wären schwieriger

Konkretere Gedanken über eine Nachnutzung haben sich die IBS im Frühjahr 2010 gemacht, zusammen mit drei Architekturbüros, zu denen auch Buol & Zünd gehörten. Damals ging man noch von einem baldigen Umzug des BVD an die Spiegelgasse aus. Die IBS klärten ab, welche der Varianten – «Wohnen», «Hotel», «Mischnutzung Wohnen/Gewerbe» – sich am besten eignen würde. Laut Kressler sei keine der drei Varianten unmöglich. Wegen der denkmalschützerischen Einschränkungen könnte sich die Umwandlung in Wohnungen aber schwierig gestalten. «Ein Entscheid für oder gegen eine Nachnutzung ist nicht gefällt worden», versichert Kressler.

Die Idee eines Luxushotels am Münsterplatz ist also durchaus noch im Rennen. Aber die konkrete Planung der Nachnutzung liegt derzeit auf Eis, nachdem sich die Umzugspläne des BVD an die Schifflände zerschlugen. Wessels und seine Mitarbeiter haben also noch eine Schonfrist, bis sie die Zügelkisten packen müssen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.12.2011, 07:24 Uhr

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21 Kommentare

Fabian Baumann

28.12.2011, 08:54 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Eigentlich ist es ja keine schlechte Idee, die schönen Verwaltungsgebäude im Zentrum zu Wohnhäusern und Hotels umzuwandeln. Das Problem dabei ist einfach, dass die neuen (gutbetuchten) Bewohner meist völlig lärm-intolerant sind. Die Verwaltungsgebäude waren abends leer; so aber droht die Innenstadt abends auszusterben. Gerade dem Münsterplatz würde etwas mehr Leben guttun. Antworten


Mario Crivelli

28.12.2011, 11:54 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Nachdem doch in Basel Hochhäuser Trumpf werden und doch so schön und toll sind, könnten die gesamten BS-Verwaltungen aus der Altstadt "verbannt" werden und in solch tolle Haustürme einquartiert werden. Somit würde schöner Wohnraum für gute Steuerzahler an tollen Altstadtlagen frei, was auch höchste Zeit wäre, notfalls ist sogar ein "gehobeneres" Hotel denkbar, alles besser als der Ist-Zustand. Antworten



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