Mann kann es nicht verstehen

Die Kaserne Basel war am Mittwoch Gastgeber des Feminismus-Podium «Mittendrin». Zu Besuch an einer Debatte voller Gleichgesinnten die sich selbst beweihräuchern.

Ja, könnt ihr – auch ohne Bashing und Polarisierung.

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«Ihr könnt nichts dafür, als Mann geboren zu sein», sagte Anne Wizorek, deutsche Schriftstellerin, am Feminismus-Podium «Mittendrin» in der Kaserne. «Doch der Sexismus verschafft euch Vorteile, ob ihr wollt oder nicht.» Gelächter und Applaus folgte aus den Reihen der Zuschauer. Nur ein paar Männer schauten verdutzt zu Boden. «Kommt mir nicht mit ‹Freier Disco-­Eintritt für Frauen ist Diskriminierung›. Das ist Blödsinn», rezitierte Wizorek aus ihrem Buch «Weil ein #Aufschrei nicht reicht». Wieder Gelächter und Applaus. Ich klatsche ein wenig verhalten.

Wie Mann es sich im Vornherein vielleicht vorgestellt hat, war es kein Anlass von gepiercten, Side-Cut tragenden Emanzen mit starken Oberarmen. Diskutiert wurde auch nicht auf Stammtischniveau, sondern auf ­intellektueller Basis. «Diskutiert» muss dann doch leider eingeklammert werden. «Männer möchten an Podiumsdiskussionen immer einen Geschlechter­ausgleich oder in der Überzahl sein.» Gelächter. Starke Worte von einem Podium, bestehend aus drei Frauen, notabene alles Feministinnen. Neben Wizorek waren SP-Nationalrätin Yvonne Feri und Feministin Natascha Wey als Moderatorin anwesend.

Durex lässt grüssen

Also wurde rezitiert und diskutiert und allen Anwesenden klargemacht, warum es den Feminismus immer noch braucht. «Selbstbestimmung hört bei der Verhütung auf. Und dies müssen sowieso immer die Frauen.» Durex, Ceylor und Crest lassen grüssen. «Wir leben in einer ‹Rape-Culture›: Hetzkampagnen in den Medien gegen sexuell geschädigte Frauen. Sie werden ständig hinterfragt.» Kachelmann, Nef, Baumgartner, Dall und Strauss-Kahn sind offenbar nur Präzedenzfälle.

Eifrig wird über die Männerquote in Führungsstellen diskutiert und der Saal stimmt einheitlich zu. Kein Wort über einheitliches Renten­alter, oder die Wehrpflicht für beide Geschlechter. Patriarchat und Unterdrückung. Schlagworte, welche stumm im ­Kontext der Diskussion den Männern vorgeworfen werden. Eine altbackene Theorie, noch vor der Zeit Wizoreks, wird propagiert und findet verblüffend viel Zustimmung. Nach der Lesung und der «Podiumsdebatte», wird das Mikrofon für eine Diskussionsrunde ins Publikum gereicht und der Zirkus der Selbstbeweihräucherung beginnt. Alle sind sich einig und alle Loben einander. Bizarr bis zum letzten Statement.

Keine Kritik gewünscht

Diese neue «Feministische Debatte» ist alles andere als pragmatisch. Sie wirkt aggressiv und keineswegs lösungsorientiert. Diskussionen über Humanismus und Chancengleichheiten wären da angebrachter. Befasst man sich jedoch im Internet eine Zeit lang mit Wizorek, erkennt man, dass diese Themen keinen Anklang bei ihr finden, weil sie Kommentare in diesem Bereich unterbindet. Auf Twitter hat Wizorek auf­gerufen, alle negativen Rezensionen zu ihrem Buch auf Amazon schlecht zu bewerten. Es sei eine Attacke von Maskulisten gewesen, antwortet Wizorek auf meine Anfrage, bei der mich viele böse Blicke taxieren.

Ich schaute mir die Rezensionen zu ihrem Buch einmal an und fand gute konstruktive Kommentare – auch von Frauen. Im Verlauf der Veranstaltung wird die Diskriminierung von Frauen noch mit der von Homo- und Transsexuellen gleich­gesetzt. Kritik führt zu Unverständnis und Wut bei den Anwesenden. Schnell werde ich bei anschliessenden Diskussionen als Frauenhasser abgestempelt und nach diesem Kommentar vermutlich auch. Sorry, die Damen. Mann kann es nicht verstehen.

(Erstellt: 13.02.2015, 09:46 Uhr)

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