Basel
Meyer als Polizeichef so gut wie gewählt
Von Philipp Loser, Valentin Kressler. Aktualisiert am 11.12.2008 5 Kommentare
Topfavorit. Der interimistische Polizeikommandant Rolf Meyer (46).
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Interview
Rolf Meyer im Interview: «Ich traue mir diese Aufgabe zu»
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Vor dem Stadion tobt der Zürcher Mob, angestachelt von Basler Gaffern. Die Polizei geht in Stellung, schwerbewaffnet, den Sichtschutz hinuntergeklappt. Mitten drin er. Massig steht Rolf Meyer vor dem St.-Jakob-Park, überschaut die Szene, streicht sich über den Schnurrbart. Er wirkt überlegt, selbstsicher, ruhig. Meyer vermittelt während dieses Einsatzes der Basler Polizei am Rand des Meisterschaftsspiels des FC Basel gegen den FC Zürich vor einem Monat genau das, was ein Kommandant vermitteln muss. Ruhe, Überlegtheit.
Ob er das bewusst macht? Ob er weiss, dass die Menschen jetzt, nach dem unrühmlichen Abgang von Polizeikommandant Roberto Zalunardo, genauer auf den interimistischen Leiter der Polizei und möglichen Nachfolger von Zalunardo schauen? Fakt ist: Meyer hat während des gesamten Einsatzes nicht nur die Situation im Blick, sondern auch noch Zeit, um Bekannten die Hand zu schütteln, ein Wort zu wechseln.
«Ich werde mir eine Bewerbung sehr gut überlegen», sagte er während des Einsatzes zwischen Polizei und tobenden Fans. «Ich mache es», sagt er heute. Gewusst hat er es wahrscheinlich schon damals. Nächste Woche will er seine Bewerbungsmappe einreichen, bis im Juni 2009 soll laut Sicherheitsdepartements-Sprecher Klaus Mannhart das Auswahlverfahren abgeschlossen sein. Meyer sagt, ein gründliches Verfahren sei wichtig: «Alles andere nützt mir oder Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass wenig» (siehe nebenstehendes Interview). Gass selber hat sich bereits öffentlich für Meyer ausgesprochen. «Ich kann mir eine Zusammenarbeit mit ihm sehr gut vorstellen.»
Guter Euro-Chef
Meyer steht an diesem Sonntag nicht zum ersten Mal vor dem Basler Fussballstadion. Während der Euro 2008 war er – noch unter Polizeikommandant Zalunardo – im Organisationsteam für die Sicherheit zuständig. Die Organisation des Sicherheitsdispositivs der Euro war die bis anhin bedeutendste Aufgabe, die der stellvertretende Kommandant in der Basler Polizei erledigen durfte.
Die Arbeit brachte ihm vor allem von parlamentarischer Seite viel Lob ein. Erstens ging die Euro ohne gröbere Zwischenfälle über die Bühne und zweitens hatte Meyer bereits im Vorfeld der Europameisterschaft Sympathiepunkte gesammelt. «Meyer hat in der Kommission immer sehr kompetent gewirkt», sagt etwa Ernst Jost (SP), Präsident der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission des Grossen Rats, der einige Male mit Meyer zu tun hatte. «Er scheint in den hiesigen Verhältnissen verwurzelt und von der Basis akzeptiert. Ich persönlich kann mir Rolf Meyer sehr gut als neuen Polizeikommandanten vorstellen.»
Verwurzelt ist ein gutes Stichwort: Das ist Rolf Meyer tatsächlich. Seit knapp zwanzig Jahren arbeitet er bei der Basler Polizei. Nach einer Elektrikerlehre liess er sich zum Elektroingenieur ausbilden, machte ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft und trat 1990 als technischer Offizier in die Polizei ein. Er wurde Abteilungsleiter Logistik, 1999 Stabschef und 2004 stellvertretender Polizeikommandant.
Seine Karriere in der Basler Polizei verlief stetig nach oben und soll jetzt mit dem Chefposten gekrönt werden. Möglicher Stolperstein: Bei früheren Suchaktionen nach Polizeikommandanten wurde jeweils grosser Wert auf juristisches Wissen gelegt. Meyers Vorgänger Zalunardo und Markus Mohler waren studierte Juristen, er ist es nicht.
Kennt den Betrieb
Gerüchteweise war in den vergangenen Wochen ausserdem zu vernehmen, dass Meyer in Polizeikreisen nicht der Wunschkandidat ist, da er als gewerkschaftsfeindlich gilt. «Das kann ich nicht bestätigen», sagt nun Heinz Salvisberg, Vizepräsident des Polizeibeamten-Verbands und seit 30 Jahren bei der Basler Polizei. «Ich habe jedenfalls noch kein Problem mit ihm gehabt. Wir haben ein relativ gutes Einvernehmen.» Für Meyer spreche dessen langjährige Erfahrung bei der Basler Polizei. «Er kennt den Betrieb und muss sich nicht lange einarbeiten.»
Ähnlich tönt es bei Beat Wenger, dem früheren langjährigen Präsidenten des Polizeibeamten-Verbands. «Ich persönlich habe keine negativen Erfahrungen mit ihm gemacht», sagt er. Wenger, heute Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Basler Staatspersonalverbände, war hartnäckiger Kritiker von Zalunardo-Vorgänger Markus Mohler. Für ihn ist schon seit Längerem «sonnenklar», dass Meyer das Amt anstrebt. In seinen Verlautbarungen schlage er einen «angenehmen Tonfall» an. «Man kann nur hoffen, dass er so weitermacht, wenn er Kommandant ist.»
Nicht ganz so positiv tönt es, wenn man direkt mit der Basis redet. «Meyer war schon während der Zeit von Zalunardo der starke Mann. Viele Entscheidungen kamen direkt von ihm», sagt ein langjähriges Korps-Mitglied, das ungenannt bleiben möchte. An der Basis stehe man einer Berufung von Meyer zum Kommandanten skeptisch gegenüber – auch weil er in der Vergangenheit häufig sehr emotional aufgetreten sei: «Er neigt zum Choleriker und lässt andere Meinungen nicht gelten», sagt der Polizist. Gleichzeitig formuliert er auch eine Hoffnung: Stehe Meyer zum ersten Mal offiziell an der Spitze der Polizei und damit in der Verantwortung, werde er seine Entscheidungen vielleicht auch mehr abwägen.
Polizist und Politiker
Meyer ist nicht nur Polizist, sondern auch Politiker. Seit 2006 sitzt er für die Liberalen im Riehener Einwohnerrat. Und er wird auch hier geschätzt: «Er ist sehr engagiert und nimmt die Aufgabe wirklich ernst», sagt der Fraktionskollege und ehemalige Parteivizepräsident Felix Werner. Auch von der politischen Konkurrenz erhält er Lob: «Er ist gewissenhaft, hat gute Dossierkenntnisse und hinterfragt vieles», sagt Guido Vogel (SP), der die Sachkommission für Gesundheit und Finanzfragen präsidiert, der auch Meyer angehört.
Mit einem Thema wurde Meyer sogar über die Grenzen der Landgemeinde hinaus bekannt: 2007 brachte er mit einem Vorstoss ans Licht, dass die Leitung des Gemeindespitals ein Mandat an die Partnerin des Spitalverwalters vergeben hat. Vogel: «Ich könnte ihn mir jedenfalls gut als Polizeikommandanten vorstellen.»
So viel Lob von fast allen Seiten muss fast misstrauisch machen. «Noch ist nichts entschieden», sagt Meyer, «vorerst werde ich mich einfach mal bewerben.»
Rolf Meyer im Interview: «Ich traue mir diese Aufgabe zu» (Basler Zeitung)
Erstellt: 11.12.2008, 15:33 Uhr
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5 Kommentare
Die Kantonspolizei BS benötigt einen echten "Schugger" als Kommandanten. Keinen Ingenieur, oder Juristen. Bei Rolf Meyer sind alle Voraussetzungen vorhanden, sich zu einem Kommandanten vom Kaliber "Ramseyer" (wie vor ca. 50 Jahren unter RR Fritz Brechbühl) zu entwickeln. Wir brauchen einen echten "Schugger" als Kommandanten. Wenn man Zahnweh hat, geht man ja auch nicht zu einem Urologen. Antworten
Diese Entscheidung ist doch gar nicht so verkehrt. Es braucht keinen Juristen um ein Polizeikorps dieser Grösse zu führen, dafür gint es ja einen Rechtsdienst. Wesentlich wichtiger erscheint mir, dass mit Herr Meyer eine Person zur Verfügung steht, die sowohl die nicht ganz einfache Basler Polizei von innen kennt, als auch Menschen führen kann. Vielleicht sogar mal im Kader aufräumt! Viel Glück Antworten




Paul Neyer
na ja, bevor man R. Meyer so hoch lobt, sollte man sich vielleicht mal im Polizeicorps umhören......dort tönt es nicht so löblich!!!! Antworten