Minigolf, Drinks und Panoramablick

Auf dem Dach der Hinterhof Bar entsteht eine ungewöhnliche Minigolfanlage mit Barbetrieb und einmaliger Aussicht. Bis nächste Woche die Bälle rollen und Drinks fliessen, gibt es aber noch einiges zu tun.

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Thomas Keller vom Hinterhof-Team steht auf dem Flachdach des ehemaligen Betriebsgebäudes des Früchtehändlers safruits und überblickt eine Durcheinander aus Werkzeug, Holzbrettern, Erdhügeln und Sonnensegeln. «Mit der Bar sind wir fast fertig», sagt der 26-Jährige während er über die Baustelle auf dem Dach wirbelt und erklärt, was es noch zu tun gibt. Hier soll ab nächster Woche Minigolf gespielt werden – daran arbeitet man unter Hochdruck.

Sieben sogenannte Art-Courts wird es geben, gestaltet von den Künstlern Küng/Caputo, Glory Hazel, FAQ 42, Carol Pfenninger/Mirjam Graf, Beni Bischof, Baggenstos/Rudolf – und von Thomas Keller selber, der zusammen mit seinem Hinterhof-Partner Johannes Willi und Klaus Bernhard eine Bahn plant. Mit den vielen Holzelementen und dem Panoramablick kommt auf dem Dach zwischen Wolfgottesacker und Bahnlinie fast schon Citybeach-Feeling auf – auch wenn die Hinterhof-Macher die Terrasse nicht als Pendant zum Stadtstrand verstanden haben wollen.

Noch fehlen zentrale Elemente

Auf einem kleinen Kiesfeld sind die Künstlerinnen Carol Pfenninger und Mirjam Graf mit der Installation ihrer Minigolfbahn beschäftigt. Wenn die Beiden ihren Blick über das Geländer schweifen lassen, sehen sie direkt auf die 10er-Tramlinie und den M-Parc. Auf der gegenüberliegenden Seite des Daches werden ausgediente Holzpaletten bepflanzt.

«Eigentlich haben wir nur eine Lagerhalle für unseren Cocktail-Catering gesucht», erklärt Keller. Das war vor rund eineinhalb Jahren. Inzwischen gehören zum Hinterhof-Mikrokosmos an der Münchensteinerstrasse nicht nur Bar- und Konzertbetrieb, sondern seit Anfang Jahr auch der Kunstraum Offspace. Und in der kommenden Woche wird das Angebot nun also mit einer hauseigenen Minigolfanlage gekrönt. Panoramablick inklusiv.

Bis auf dem Hinterhof-Dach aber die ersten Bälle eingelocht werden, dauert es ein paar Tage. Noch fehlen zentrale Elemente der Anlage: etwa die Minigolfbahnen und der Treppenaufstieg. Wer derzeit nach oben will, muss via Fenster und Leiter aufs Dach klettern. «Die Baubewilligung liegt erst seit Freitag vor», erklärt Keller. «Und wenn alles klappt, können wir am kommenden Dienstag die Bauabnahme machen.» Ein ambitionierter Zeitplan, soll doch bereits am nächsten Mittwoch der Spass auf dem Flachdach mit einer Vernissage und dem «Hinterhof Minigolf Open» beginnen. «Falls wir noch nicht bereit sind, werden wir halt eine Baustellenfühung machen», meint Keller augenzwinkend. Die grosse Sause mit Drinks und DJs soll es dann am 18. Juni geben. Ganz Gwundrige und Ambitionierte können bereits ab heute Mittwoch erste Probe-Bälle schlagen – allerdings vorerst nur auf den zwei Indoor-Bahnen im Offspace (siehe Video).

Das Los der Zwischennutzung

Dass man mit dem Bau der Dachterrasse so knapp dran ist, könnte man auch als Preis der erfolgreichen Hinterhof-Expansion deuten: Seit rund sechs Monaten rocken wöchentlich Bands die neue Konzertbühne; und der Offspace wird jeden Monat mit einer neuen Ausstellung bespielt (schliesslich will das Hinterhof-Team die Ende Jahr vielleicht zu Ende gehende Zwischennutzungszeit voll auskosten), da blieb die Dachterrassen-Planung ein wenig auf der Strecke. «Das Gute ist, dass wir uns alle voll rein knien, wenn ein Entschluss einmal gefasst wurde», erklärt Thomas Keller, bevor er die Kreissäge anwirft, um einer der Künstlerinnen beim Zersägen einer Holzlatte zu helfen. Als Zwischennutzer habe man nicht ewig Zeit für die Planung. «Wir machen einfach.»

Da kommt es nicht ungelegen, dass Keller nebenbei als Bauzeichner in einem Ingenieur- und Architekturbüro arbeitet. Bar und Holzverkleidung für das Dach hat er entworfen – zusammen mit den Jungdesignern Küng & Kaputo und dem Hinterhof-Team. Sein Chef überprüfte die Gebäudestatik. So kam das Baugesuch innerhalb kürzester Zeit zu stande. Und nun wird das Dach für die Sommermonate hergerichtet. In Fronarbeit, notabene. Ermöglicht wird das Projekt zudem durch Gelder der Christoph Merian Stiftung, eines bekannten Jeansherstellers sowie weiteren Sponsoren, die zum Konzept passen. «Sonst könnten wir so etwas nie durchziehen – schliesslich ist das planerisch und finanziell ja ein ziemliches Risiko», sagt Keller angesichts dem möglichen Ende der Zwischennutzung.

Wie es 2012 weitergeht, kann er noch nicht sagen. «Natürlich hoffen wir, noch länger hier bleiben zu können – aber damit können wir nicht rechnen.» Wäre bei einem Ende an der Münchensteinerstrasse der Umzug auf das aufstrebende, wenige hundert Meter entfernte Dreispitz-Areal eine Option? «Ja. Vielleicht», meint Keller zögernd. Man stehe schon in Kontakt mit ein paar Leuten. «Aber auch da wären wir mit unserer Nutzung zu früh dran.» Das mag sein, schliesslich dauert es wohl noch ein Weilchen, bis die Massen an den südlichen Zipfel von Basel pilgern, wo unlängst das Haus für elektronische Künste und die Kunsträume Oslo 10 und Oslo 8 ihre Eröffnung feierten. Doch das Zu-Früh-Sein ist das Los der Zwischennutzer und Freiraumeroberer. Vielleicht würde sich genau dieser Pioniergeist später einmal auszahlen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.06.2011, 13:02 Uhr

Dachterrasse Opening

Vernissage und Hinterhof Minigolf Open:
Mittwoch 15.06.2011, 17:00 bis 21:00
Ab 22:00 Artparty von 1m3 (Lausanne)
Opening: Samstag 18. Juni ab 17:00
Ab 23:00 Uhr Party in der Hinterhof Bar mit Steve Savage (Nashville), DJ Le Febbre (Basel), Charles Per S. (Basel), DJ Hazelnut (Basel), Déni Shain (Lissabon).
www.hinterhof.ch

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