«Mir ist wichtig, dass diese Auseinandersetzung stattfindet»

Guy Morin steht voll und ganz hinter der Partnerschaft mit Syngenta an der Expo in Mailand. Er ärgert sich über die Kritiker.

Guy Morin (2. von rechts) an der Pressekonferenz zur Expo 2015 in Mailand.

Guy Morin (2. von rechts) an der Pressekonferenz zur Expo 2015 in Mailand. Bild: Keystone

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BaZ: Herr Morin, da stellen Sie eine vielfältige Expo-Ausstellung auf die Beine und dann wird fast nur über die umstrittene Partnerschaft mit Syngenta ge­­sprochen. Wie sehr ärgert Sie das?
Guy Morin: Es ärgert mich dann, wenn ich das Ge­fühl habe, dass sich die Kritiker der Syngenta nicht der Auseinandersetzung mit der Syngenta stellen wollen. Mir ist wichtig, dass diese Auseinandersetzung stattfindet. Die Syngenta und die Agrochemie insgesamt müssen und werden beim Thema Welternährung eine wichtige Rolle spielen. Die Lösung für das Problem der Welternährung ist nur in einem kritischen Dialog zwischen allen Beteiligten zu finden. Dieser Auseinandersetzung muss sich die Syngenta stellen; aber auch ihre Kritiker müssen sich dieser Auseinandersetzung stellen.

Also keinerlei Verstimmung, dass angesichts dieser Debatte die Leistungen Basels für die Expo 2015 in den Hintergrund zu geraten drohen?
Die Stadt Basel ist Sitz vieler multinationaler Unternehmen wie Novartis, Roche, Syngenta und anderer. Dass eine solche Auseinandersetzung aus diesem Grund eben gerade auch in Basel stattfindet, ist klar. Und darauf bin ich auch stolz.

Dennoch: Sind Sie überrascht, dass im Vorfeld der Weltausstellung nun vor allem Kritik an die Basler Regierung gerichtet wird?
Das Thema Ernährung ist emotional. Dass nun auch die Auseinandersetzung emotional geführt wird, erstaunt mich nicht. Wichtig ist, dass nun alle offen aufeinander zugehen müssen. Es wäre genauso wenig verstanden worden, wenn wir die Syngenta ausgeschlossen hätten. Wichtig ist mir, dass in einem anderen Teil der Ausstellung auch andere Stimmen zu hören sein werden. So sind auch das Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft, ProSpecieRara, Bio Suisse, aber auch unser Amt für Umwelt und Energie sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz beteiligt und werden sich dieser Auseinandersetzung ebenfalls stellen.

Zu den Kritikern zählt neben Umwelt­organisationen auch Ihre eigene Partei, die Grünen. Es sind langjährige Weggefährten, die nun teilweise sehr enttäuscht über Sie sind. Wie schwierig ist es für Sie, mit dieser Kritik aus den eigenen Reihen umzugehen?
Das gehört zum politischen Alltag, zur Funktion eines Regierungspräsidenten. Ich bin mir diese Auseinandersetzung gewohnt. Nach dem Brand von Schweizerhalle war ich ja auch ein Teil dieser Auseinandersetzung. Und es hat mich während meiner gesamten politischen Tätigkeit stark geprägt, dass sich die Pharmaunternehmen damals nach den Ereignissen von Schweizerhalle der nötigen Auseinandersetzung gestellt haben. Diese Dialogkultur müssen wir aufrechterhalten. Es ist ganz wichtig, dass auch jetzt wirklich eine Auseinandersetzung stattfindet. Wenn sich die Meinungen aber polarisieren und ich spüre, dass sich Hürden aufbauen, dann habe ich damit Mühe. Schliesslich möchte ich Brücken bauen.

Dann würden Sie sich heute nochmals für Syngenta als Hauptsponsor entscheiden?
Ja, auf jeden Fall. Wir hatten auch Novartis als Hauptsponsor bei der Weltausstellung in Shanghai und ha­­ben damit gute Erfahrungen gemacht. Geht es um Ernährung, bietet sich Syngenta geradezu an, immerhin ist es ihr Kerngeschäft. Deshalb würde ich die Partnerschaft wieder eingehen.

Zur Weltausstellung selber: Hand aufs Herz, was bringt der Stadt Basel ein solcher Auftritt wirklich?
Die Weltausstellung hat mit 20 Millionen Besucherinnen und Besuchern ein enormes Potenzial. Kommt hinzu, dass 2016 die Neat eröffnet wird, womit sich die Reisezeit zwischen Basel und Mailand um rund eine Stunde verkürzt. Da wäre es ein Fehler gewesen, wenn wir auf unsere Präsenz an der Expo verzichtet hätten. Basel muss sein Standortmarketing kontinuierlich weiter betreiben. Die Schweiz soll sich auch als urbaner Forschungs-, Innovations- und Wirtschaftsstandort darstellen, nicht nur als Heidiland. Da spielen Basel, Genf und Zürich eine wichtige Rolle.

Basel konnte bereits in einem ähnlichen Rahmen Erfahrungen sammeln. Was ist von der Weltausstellung in Shanghai Zählbares geblieben?
Man macht Untersuchungen zusammen mit Forschungseinrichtungen, bei denen der Bekanntheitsgrad einer Stadt untersucht wird. Wie präsent ist die Marke Basel in der Bevölkerung? Da gibt es durchaus Hinweise, dass Basel, Zürich und Genf an der Weltausstellung einen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten. Dieselben Untersuchungen planen wir für die Expo in Mailand. Wir haben vorher Ist-Analysen durchgeführt und werden im Nachgang nochmals Untersuchungen durchführen. Und wenn der Anteil an italienischen Touristen in Basel zunimmt, wird das sicher unser Gast- und Hotelgewerbe, aber auch unsere Museen und andere Institutionen freuen.

Kann man eine solche Entwicklung nach der Weltausstellung in Shanghai denn konkret feststellen?
Es ist natürlich schwierig, das genau zu quantifizieren. Aber wir haben eine Nachuntersuchung durchgeführt und sind dabei zu einem positiven Schluss gekommen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.02.2015, 09:50 Uhr

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