Basel
Mitglied ist, wer sich in der Aula einfindet
Von Markus Prazeller. Aktualisiert am 13.11.2009 19 Kommentare
Umfrage
Aulabesetzung – das richtige Mittel?
Seit Donnerstag halten unzufriedene Studenten die Aula der Universität besetzt. Sie wehren sich gegen den Universitätsrat und die Bologna-Reform. Haben Sie Verständnis für das Vorgehen der Studenten?
Ja
Nein
430 Stimmen
Artikel zum Thema
- «Die Studenten sind schlecht informiert»
- «Wir bleiben in der Aula»
- Studenten besetzen Aula der Universität Basel
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Von solch gut besetzten Hörsälen können manche Professoren nur träumen: Rund hundert Studenten sitzen in der Aula der Universität am Petersplatz. Freiwillig, neugierig. Mit Flyern, per Facebook und Twitter lud die Studentenbewegung «Unsere Uni» kurzfristig zur Plenarversammlung ins Kollegienhaus. Um für eine «demokratische Universität» zu kämpfen, «in der die Interessen der Studierenden, Dozierenden und aller Mitarbeitern der Universität berücksichtigt werden».
Seit Donnerstagmorgen besetzen die Studenten die Aula im Kollegiengebäude (BaZ von gestern). Wer hinter der Aktion steckt, wissen selbst die Teilnehmer nicht so genau. Die Bewegung «Unsere Uni» besteht aus Studenten aller Studienrichtungen. Mitglied ist, wer sich in der Aula einfindet. Mitreden können alle. «Unsere Uni funktioniert basisdemokratisch», sagt Pressesprecherin Tina B. (Name der Redaktion bekannt).
Nichts zu verstecken
Basisdemokratie – dass diese zuweilen nicht ganz einfach ist, zeigt auch die Plenarsitzung am Mittag. Zunächst entbrennt im Plenum eine Debatte darüber, ob die zahlreich anwesenden Medienvertreter der besetzten Aula verwiesen werden sollen. Das Plenum entscheidet nach längerem Hin und Her für einen Ausschluss der Journalisten. Die anschliessende, halbstündige Diskussion widmen die Studenten der Frage, ob der eben beschlossene Ausschluss sinnvoll gewesen sei. Man habe ja nichts zu verstecken, findet ein Votant – und erntet dafür Applaus. Sie wolle sich ihre Meinung ohne Beobachtung der Medien bilden, sagt eine andere Studentin. Wieder Applaus.
Die Besetzung der Aula der Basler Universität ist Teil einer internationalen Aktion. Auch in Österreich und Deutschland haben Studenten derzeit zahlreiche Universitätsräume in Beschlag genommen. In Zürich, Luzern, Fribourg und Genf werden ähnliche Aktionen erwartet. Gemeinsam ist ihnen das Motto «our education is not for sale» (Unsere Bildung steht nicht zum Verkauf) – und die Unzufriedenheit über aktuelle Strukturen der Universität. «Die Bildung darf nicht privatisiert werden», lautet eine Forderung.
Wenig Zeit für inhaltliche Debatte
Konkrete Forderungen werden zurzeit in sogenannten Arbeitsgruppen von den Aula-Besetzern erarbeitet. Basisdemokratisch einigen konnten sich die Studenten erst auf Gemeinplätze wie «Demokratisierung der Universität» oder «Stärkung der Selbstverwaltung». Auf Kritik stösst in der Plenarversammlung vor allem der Universitätsrat. Er ist das oberste Organ der Universität und ist grösstenteils mit Politikern und Wirtschaftsvertretern besetzt – Vertreter der Studentenschaft oder der Lehre fehlen. «Das ist eine Riesenschweinerei», sagt eine Studentin.
An der Plenarversammlung am Mittag bleibt aber wenig Zeit für eine inhaltliche Debatte über konkrete Forderungen. Vielmehr beschäftigt die Studenten ein Brief von Rektor Antonio Loprieno. Darin fordert er die Beendigung der Besetzung. Ausserdem erneuert er sein Gesprächsangebot – tags zuvor lehnten die Studenten ein solches ab. Gestern beschloss die Plenarversammlung nach einer weiteren halbstündigen Diskussion, das Angebot des Rektors anzunehmen. Noch einen weiteren, dritten Entschluss fassten die Studenten an diesem Mittag, überraschend schnell sogar: Die Besetzung der Aula soll aufrechterhalten werden. Auch in der Nacht. (Basler Zeitung)
Erstellt: 13.11.2009, 11:59 Uhr
Kommentar schreiben
19 Kommentare
@ Fabian Schultheiss: Ich bin sicher kein Musterstudent und ueber Belastbarkeit laesst sich streiten. Seien wir ehrlich: auch wenn man waehrend des Semesters zuwenig Zeit/Lust hat zu arbeiten, so kann man dies immer noch in den reichlichen Semesterferien tun (auch nach Pruefungen bleibt noch genuegend Zeit). Und Bologna ist ein Segen: so werden meine Leistungen endlich international anerkannt! Antworten
"Mitglied ist, wer sich in der Aula einfindet" es tut mir leid, dass Ihr auf meine Mitgliedschaft verzichten müsst, da ich zur Arbeit muss, um eure Ausbildung mit zu finanzieren. Arbeite in einem Reinigungsinstitut, der eure Spreiereien entfernen muss. ...«Das ist eine Riesenschweinerei», sagt eine Studentin..(oder habe ich da etwas falsch verstanden) ? Antworten
Basel
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



