Basel
Mord im Flughafen-Tower
Von Alexander Müller. Aktualisiert am 27.04.2011
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Ein Flughafenangestellter des EuroAirports machte bei Dienstantritt gestern kurz nach 8 Uhr einen grausigen Fund: Im elften Stock des Towers fand er die Leiche seines Kollegen. Der 34-jährige Franzose lag in einer Blutlache. Gemäss der Staatsanwaltschaft von Mulhouse wurde der Mann mit mehreren Messerstichen in Brust und Hals so schwer verwundet, dass die Verletzungen innert Minuten zum Tod führten. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos.
Beim Toten handelt es sich um einen Schichtleiter, der im Kontrollturm des binationalen EuroAirports arbeitete und seit seiner Ausbildung 1998 am Flughafen angestellt war. Warum der Mann Opfer dieses Gewaltverbrechens geworden ist, können die Ermittler noch nicht beantworten.
«Die Verletzungen wurden dem Fluglotsen mit der klaren Absicht zu töten zugefügt», sagt Hervé Robin, zuständiger Staatsanwalt von Mulhouse. Der Täter sei mit grosser Brutalität vorgegangen. Die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter sehr wahrscheinlich ein Angestellter der französischen Zivilluftfahrtbehörde (DGAC) ist. Denn er muss genau gewusst haben, was er tat und vor allem wo: Die Leiche lag nämlich in einem Vorraum zwischen dem Lift und der Treppe, die hinauf zum Kontrollraum führt – und in diesem Bereich gibt es keine Überwachungskameras.
Streng gesichert
Die Räumlichkeiten der DGAC sind streng gesichert. Zutritt haben dort nur jene rund 130 Mitarbeiter, die über eine persönliche elektronische Zutrittskarte verfügen. Aus diesem Grund schliessen die Behörden eine Tat mit terroristischem Hintergrund aus. Die französische Polizei wandte sich am Mittwochmorgen mit einem Fahndungsersuchen unter anderem auch an die Schweizer Grenzwache, die am EuroAirport eine Zweigstelle hat. Dies deutet darauf hin, dass die Ermittler einen Tatverdächtigen im Visier haben.
Die Arbeit der Ermittler bestehe jetzt unter anderem darin, den Personenkreis anhand der Personallisten zu überprüfen, sagte Robin. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Aufnahmen der übrigen Überwachungskameras sowohl im Gebäude als auch auf dem gesamten Flughafenareal. Auf die Frage, wer ein mögliches Motiv für eine solche Bluttat gehabt haben könnte, gab die Staatsanwaltschaft keine Antwort. Sie wollte dadurch Spekulationen, ob der im elsässischen Riedisheim wohnhafte Chef-Fluglotse Opfer eines Zwists mit einem Untergebenen oder allenfalls eines Beziehungsdramas geworden ist, keinen Vorschub leisten.
Für die Flugpassagiere am EuroAirport hatte das Tötungsdelikt keine Auswirkungen. Der Flugbetrieb verlief gemäss Betreiberin den ganzen Tag ohne Störungen.
Mitarbeit: Bärbel Nückles, Mischa Hauswirth (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.04.2011, 11:36 Uhr
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