Muslimas gehen im «Fraueli» auf Badmeister los

Eine Gruppe Türkinnen ging im Frauenbad Eglisee auf einen männlichen Mitarbeiter los. Es ist nicht das erste Mal, dass es im Bad Probleme gibt.

Nur für Frauen: Dennoch gibt es im Gartenbad auch männliche Angestellte, das sorgt für Probleme.

Nur für Frauen: Dennoch gibt es im Gartenbad auch männliche Angestellte, das sorgt für Probleme. Bild: Margrit Müller

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«Achtung, Mann im Raum.» So tönt es jeweils im Zürcher City Hallenbad, bevor ein Badmeister die Umziehkabinen oder Duschen der Frauen betritt. Je nach Schamgrenze duschen die Anwesenden unbeirrt weiter, andere schnappen sich ein Badetuch und bedecken ihre Blösse. Probleme oder gar Tumulte gibt das nicht.

Anders im Basler Frauenbad im Egli­see. Hier geht es zwar nicht um den Umkleidebereich, sondern nur um das Bad an sich. Doch als hier am Sonntag ein Badmeister den Frauenbereich betrat, gingen mehrere Badegäste auf ihn los. Eine ganze Gruppe Türkinnen hätte den Mann aufgefordert, sich zu entfernen, berichtet eine Augenzeugin gegenüber der Zeitung 20 Minuten. Der Badmeister habe darauf ruhig festgehalten, er mache hier nur seinen Job. Für die Gruppe Grund genug, an der Kasse den Eintrittspreis für das Gartenbad zurückzuverlangen. «Die Frauen waren unhöflich und beleidigten das Personal», teilte Eric Hardman vom Sportamt Basel-Stadt nach dem Eklat mit. Auch ein dazugekommener türkischer Mann habe den Badmeister mit unflätigen Ausdrücken beschimpft. So übel, dass er vom Sicherheitspersonal schliesslich aus der Anlage entfernt werden musste. Auch die fünf Türkinnen verliessen das Bad.

Immer wieder Zwischenfälle

Es ist nicht das erste Mal, dass es im «Fraueli» Probleme gibt. Immer wieder sind die männlichen Badmeister besonders muslimischen Frauen ein Dorn im Auge. Aber auch unter den Frauen selber flammten in der Vergangenheit regelmässig Konflikte auf. Streng religiöse Muslimas und eingesessene Baslerinnen gerieten aneinander. Erstere sassen verhüllt im Bad, letztere sonnten oben ohne. Mit einer Mediation bekam man den als «Kampf der Kulturen» betitelten Konflikt vorübergehend in den Griff. Doch gelöst ist das Problem nicht.

Zu Auseinandersetzungen kommt es meist an besonders schönen Wochen­enden. «Neuralgische Tage», nennt sie Sportamtsleiter Peter Howald. Dann, wenn auch Gäste von weiter her anreisen. Denn nicht Schweizer Muslimas machen Probleme, fast immer entstünden die Konflikte rund um Frauen aus dem Elsass. 2013 musste sogar die Po­lizei ins «Fraueli» ausrücken. Fünf Hausverbote wurden ausgesprochen. Im ­aktuellen Fall haben die Verantwortlichen bislang keines verhängt.

Frauen meiden das Bad bereits

Der betroffene Badmeister wollte sich gestern gegenüber der BaZ nicht äussern. «Wir möchten unser Personal schützen. Die Situation war schon schwierig genug», sagt dazu Howald. Sich den Forderungen der Muslimas anpassen will man dennoch nicht. «Wir könnten das gar nicht», so Howald. Es gebe nicht genügend weibliche Angestellte, um nur noch Frauen einzusetzen. Doch das ist nicht der einzige Grund: «Wir lassen uns doch nicht erpressen», sagt der Amtsleiter entschlossen. «Es darf nicht so weit kommen, dass wegen einzelnen Gruppen irgendwann das ‹Fraueli› geschlossen werden muss.»

Immer wieder kommt der Gedanke auf, das Bad in ein Familienbad für beide Geschlechter zu verwandeln, zumindest an den Wochenenden. «Dann würden die betreffenden Muslimas gar nicht mehr herkommen.» Das wolle er aber unbedingt verhindern. «Wir möchten all jenen Frauen, die tolerant sind und das «Fraueli» zu schätzen wissen, diesen Rückzugsort nicht nehmen.»

Schild soll vorwarnen

Etwas ändern muss sich aber, dessen ist sich Howald bewusst. Bereits gebe es Frauen, die an schönen Wochenenden nicht mehr ins Bad kämen, weil da jedes Mal «der Teufel los» sei. Auch um die ­Angestellten ist man beim Sportamt ­besorgt. «Wir versuchen, ihnen den Rücken zu stärken. Nicht, dass einmal einer zusammenbricht.» Für die Badmeister sei die Situation sehr belastend.

Sofortmassnahmen sollen eine erste Verbesserung bringen. Auf Schildern am Eingang steht auf Deutsch und Französisch, dass auch männliche Angestellte im «Fraueli» Arbeiten verrichten müssen. Nach dem Vorfall vom Sonntag wurden diese Hinweise gestern vergrössert und prominenter platziert. «Ausserdem ist das Kassenpersonal angewiesen, Muslimas auf die Regeln hinzu­weisen. Dann können sie entscheiden, ob sie nach unseren Spielregeln baden möchten oder nicht.»

Eine Haltung, die auch gemässigte Moslems unterstützen. Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, erklärt: «Strenggläubige Moslems fordern immer wieder eine Trennung der Geschlechter im öffentlichen Raum, weil ihr Verhältnis zum eigenen Körper und dem des anderen Geschlechts gestört ist.» Auf solches Rücksicht zu nehmen, wäre eine falsch verstandene Toleranz, so Keller-Messahli. Auch Strenggläubige hätten sich in einer Frauenbadi anständig zu benehmen und die sozialen Gewohnheiten einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft zu respektieren «oder auf das Baden in einer öffentlichen Anstalt zu verzichten». (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.06.2014, 10:07 Uhr

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