Basel
Basler Muslime in der Zwickmühle: Schon festen oder noch fasten?
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 09.09.2010 7 Kommentare
Zunehmender Mond: Die Neumondsichel signalisiert das Ende des Ramadans. (Bild: Keystone )
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Am Donnerstagmorgen begann für viele Basler Muslime das dreitägige Fest des Fastenbrechens, auch Eid al-Fitr genannt. Wahrscheinlich. Gegenüber baz.ch jedenfalls wollte sich am Mittwochnachmittag noch keiner der angefragten Muslime festlegen. «Das ist eine schwierige Geschichte», sagte Nabil Arab, Verwalter der Islamischen König Faysal Stiftung aus Basel. Selbst das grosse islamische Zentrum in Zürich wisse noch nicht, wann das Fest beginnen kann. «Wir gehen mit Mekka, dort sieht man fast das ganze Jahr über den Mond», so Arab.
Am Mittwochabend war dann klar: Die arabisch orientierten Muslime, darunter diejenigen der König Faysal Stiftung, fasten weiter und beginnen erst am Freitag mit den Festlichkeiten, die türkischen Muslime hingegen feiern bereits am Donnerstag. Doch woher kommt diese unterschiedliche Praxis?
Diskussionen und Rechnereien
Im Gegensatz zum westlichen Kalender, der sich am Sonnenjahr orientiert, richtet sich der muslimische Kalender nämlich nach dem Mondjahr. Und dieses ist im Vergleich um elf Tage kürzer. Somit verschiebt sich auch der Fastenmonat Ramadan von Jahr zu Jahr, was in der Islamischen Welt jedes Mal aufs Neue zu Diskussionen und Rechnereien führt.
Entscheidend für den Auftakt zum Fest des Fastenbrechens, das zu den wichtigsten Feiern im Islam gehört, ist die erste Sichtung der Mondsichel, die den Anbruch des neuen islamischen Monats signalisiert. Tönt einfach, ist es aber nicht. Denn je nach Orientierung und Herkunft einer islamischen Gemeinschaft, unterscheiden sich die Sichtungskriterien. «Die meisten richten sich nach Saudi Arabien oder nach ihren Heimatländern», erklärt der Muhammad Hanel, Vizepräsident der Gesellschaft Schweiz - Islamische Welt (GSIW). Die Vergangenheit habe gezeigt, dass arabisch orientierte Gemeinschaften oft andere Termine haben, als zum Beispiel ihre türkischen Glaubensgenossen.
Erste Sichtung in der Nacht des 8. September
Auch das Prinzip der «lokalen Sichtung» der Mondsichel über Basel ist theoretisch möglich. Allerdings ziehen es die meisten Basler Muslim-Gruppen vor, sich an den südlich gelegeneren Ländern zu orientieren. «Auf Grund geographischer Bedingungen kann die Sichel in der Schweiz meist erst einen Tag später entdeckt werden», sagt Hanel, der sich eingehend mit der Datierung des Ramadans befasst hat. Seines Erachtens sind viele Muslime – etwa diejenigen, die sich an den Saudis orientieren – etwas übereilig mit dem Start der Fastenbrech-Feierlichkeiten: «Die Saudi Arabische Führung publiziert faktische Sichtungen, welche nach wissenschaftlichen Kriterien eigentlich nicht möglich sind».
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre würden zeigen, dass dass die erste Neumondsichel (Hilal) gemäss dem Prinzip der «globalen Sichtung» bereits in der Nacht des 8. September vermeldet wird, da der Mond dann über dem Atlantik mit optischen Hilfsmitteln theoretisch möglich sei. Daher werde Saudi Arabien den Beginn des neuen Monats wohl auf den 8. September legen, obschon zu diesem Datum der Mond über dem arabischen Raum nicht gesichtet werden kann. Auch nicht mit Teleskopen.
Drei Tage festen
«Erst am Donnerstag, 9. September, kann der Hilal mit blossem Auge in Australien und Afrika gesehen werden», so Hanel, «bei optimalen Bedingungen auch in Arabien». Der neue Muslim-Monat beginne mit dieser Methode mit dem Sonnenuntergang am Donnerstag – im Islam beginnen die Tage mit der Dämmerung – und das Fest des Fastenbrechens könne ab Freitag begangen werden, wenn man auf einer faktischen Mondsichtung besteht.
Da sich jedoch die (türkische) Mehrheit des Basler Muslim-Gemeinschaften dieses Jahr nicht an den Weisungen aus Saudi Arabien orientieren – wo der Ramadan zur grossen Überraschung von Muhammad Hanel erst morgen endet –, wurde für die meisten Gläubigen die Fastenzeit ab Donnerstag zur Festzeit. Drei Tage lang. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.09.2010, 19:14 Uhr
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