Basel
Nachbarn wehren sich gegen Pistenverlängerung beim EuroAirport
Von Peter Schenk. Aktualisiert am 09.06.2009 31 Kommentare
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Die Nachbarn wollen keine längere Piste – verstehen Sie das?
Elsässer wie Südbadener wehren sich massiv gegen die Verlängerung der Ost-West-Piste auf dem EuroAirport. Haben Sie Verständnis für diese Haltung?
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Not macht erfinderisch. Seit der Einführung des automatischen Instrumentenlandesystems ILS-33 leiden insbesondere Binningen, Allschwil und mehrere Quartiere von Basel vermehrt unter Fluglärm. Würde man die Ost-West-Piste um 600 Meter auf 2400 Meter verlängern, könnten mehr Flugzeuge in Richtung bevölkerungsarmes Gebiet starten und es gäbe weniger Fluglärm in der Region Basel. Diese Idee hat auch den Baselbieter Landrat und den Basler Grossen Rat überzeugt. Beide Parlamente überwiesen entsprechende Anzüge im Mai zur Beantwortung an ihre Regierungen. Einen kapitalen Haken hat die neue Lösung. Um die Piste zu verlängern, müssten 10'000 bis 30'000 Kubikmeter Erde von einem 20 Meter hohen Hügel abgetragen werden – die Kosten schätzte die Baselbieter Regierung vor einigen Jahren auf 20 Millionen Franken; heute dürfte es teurer sein. Das Hauptproblem: Der Flughafen liegt in Frankreich, und die Elsässer wehren sich massiv gegen das Projekt.
«Fluglärm miteinander teilen»
«Das ist eine Utopie und chancenlos. Wir haben das Gefühl, die Schweizer wollen den Flugverkehr von der Schweiz ins Elsass verlagern. Dabei sind heute schon 90 Prozent des Fluglärms bei uns. Die Bevölkerung würde sich mit Nachdruck dagegen wehren», glaubt Jean Ueberschlag, Député-Maire von Saint-Louis.
Ähnlich tönt es bei Roland Igersheim, Präsident des Zweckverbands Communauté de Communes des Trois Frontières (Comcom): «Technisch ist die Verlängerung sowieso nicht einfach. Sollte sie dennoch kommen, würde ich mehr Starts über Basel fordern. Wir müssen den Fluglärm miteinander teilen. Es geht nicht, ihn ins Elsass abzuschieben.» Erst kürzlich haben sich die Vorstandsmitglieder der Comcom, die zehn Gemeinden und 50'000 Einwohner repräsentieren, in einem Brief an den Präfekten in Colmar gegen Forderungen aus der Schweiz gewandt, die ILS-Landungen von Süden zu reduzieren, und die Verlängerung der Ost-West-Piste kritisiert: «Eine derartige Lösung können wir auf gar keinen Fall befürworten.» Frédéric Striby, Generalrat im Parlament des Oberelsass, sieht das genauso und argumentiert: «Wir haben heute schon genügend Möglichkeiten für Starts und Landungen und brauchen keine neuen.» Igersheim, Ueberschlag und Striby zählen zu den einflussreichsten Politikern im Südelsass – zudem sind Striby und Ueberschlag Mitglieder im EuroAirport-Verwaltungsrat.Gegen sie ist die Verlängerung kaum durchzusetzen.
Obwohl Hégenheim durch das Projekt entlastet werden könnte, ist auch der Anwohnerverband Adra (Association de Défense des Riverains de l’EuroAirport) dagegen. Jacques Finck, stellvertretender Präsident, sagt: «Ich bin dagegen, den Hügel, die Bäume und die Natur zu zerstören.» Ausserdem bezweifelt er, dass die Piloten, die heute die Ost-West-Piste nicht benutzen, dies bei einer Verlängerung auf 2400 Meter machen würden. Neu würde zudem ein Bauernhof überflogen, und in 300 Meter Entfernung der neuen Flugschneise gebe es Orte.
Massive Auswirkungen befürchtet
Einhelligen Widerstand gibt es nicht nur im Elsass. Auch die deutschen Nachbarn wehren sich. Der Chef des Landkreises Lörrach, Landrat Walter Schneider, fürchtet massive Auswirkungen und mehr Flugverkehr im Landkreis. «Wir wollen die Verlängerung nicht und auch nicht, dass sie geprüft wird.» Die zuständige Kommission im Kreistag habe sich einhellig dieser Meinung angeschlossen. Auch Wolfgang Dietz, Oberbürgermeister von Weil am Rhein, hat gegen die Verlängerung Stellung bezogen.
In Basel ist das Wirtschafts-, Sozial- und Umweltdepartement intern mit der Beantwortung des Anzugs betraut. Generalsekretär Claus Wepler betont, dass eine Realisierung sicher schwierig sein werde und verweist auf deutlich negative Reaktionen aus Deutschland und Frankreich. «Eine allfällige neuerliche Verlängerung der Ost-West-Piste geht sicher nur in Partnerschaft und im Konsens mit den französischen Nachbarn.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.06.2009, 07:54 Uhr
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31 Kommentare
Hinzu kommt noch folgendes: Ich wohne beim Neuweilerplatz und somit direkt unter der Schneise. Stört mich der Fluglärm? Nein. Auch meine Nachbarn stören sich nicht daran. In einer Stadt gehört Lärm halt dazu. Schliesslich verlange ich auch kein Nachtfahrverbot für Autos oder Lärmschutzwände gegen Tramlärm. Wenn wir die Vorteile einer Stadt geniessen wollen, gehören halt auch die Nachteile dazu. Antworten
Als der EAP gebauen worden war, war das Gebied im Süden des EAP sehr schwach besiedelt. Dazumal gab es im gegensatz zu heute weniger Südanflüge. Zur gerechten verteilung des Fluglärms: Ich würde vorschlagen mit einer erweiterun der Ost West Piste das über jedem Gebiet 25% des Flugverkehrs abgefertigt werden soll. Was ist schon ein Bauernhof im Osten zu den Dörfern mit je 15000 Einwohner im Süden. Antworten
@Rolf: Verlegung der Nord-Süd-Piste bringt für die südlichen Gemeinden kaum etwas. Für rund 1000 Meter haben wir es mit Lärmfachleuten abgeklärt. Der unterschied ist kaum hörbar. Wieso soll die Ost-West-Piste nicht nur aus dem Westen und in den Westen benutzt werden können. ZRH hat auch solche Lösungen. Über St. Louis und D will niemand. D kann den Luftraum auch sofort schliessen, wenn sie wollen. Antworten
Die Verlängerung ist nur sinnvoll, wenn die Querpiste 26 auch ein ILS für Landungen erhält. Der Anflug erfolgt dann aber direkt über Lörrach, Haltingen / Weil am Rhein, Huningue und Saint-Louis, und dies wesentlich tiefer als (ILS33) über Binningen oder Oberwil. Es braucht wohl keine Fantasie, die Idee zu den Fantastereien zu legen? Denkbar wäre der Versatz von Piste 15/33 um 1-2 km nach Norden. Antworten
Eines vom wichtigsten wurde nicht erwähnt: Die Misere haben die Franzosen selbst zu verantworten und zwar dadurch, dass sie es jahrzehntelang versäumt haben, für die Umgebung des Flughafens ein tragfähiges Lärmkonzept zu erstellen. Das heisst, in weiser Voraussicht etliche Wohnbauten zu verhindern. Heute versuchen sie, ihre Umgebung als dem Grossraum Basel gleichartiges entgegenzustellen. Antworten
Die Franzosen schlucken bereits 90% aller Flugbewegungen, obwohl sie nur 20% des Passagieraufkommens verursachen. Findet ihr das fair? Euch gehts weder um Umwelt noch um Gerechtigkeit. Ihr wollt zwar den Flughafen, den Lärm sollen aber die anderen haben. So gehts nicht. Und zum technischen: Anflüge auf die 26 würden direkt durch den Luftraum von Kloten gehen. Technisch kaum machbar. Antworten
Was zum Teufel soll das ewige Gemotze über die grenzgänger, wenn vom EAP die Rede ist? Ich würde gerne die Kommentare zu diesem Thema lesen können, wenn der EAP auf CH Boden wäre, und die Situation umgekehrt wäre... Anscheinend sind es nur die Elsässer die die" Ach so gute Basler Luft verpesten" kein einziges CH Auto stösst CO2 Ab.... und die den Basler die Arbeitsplätze wegnehmen....... Antworten
Hört doch endlich auf mit diesem Gejammer! Um was geht es denn? Um einige Dutzend Anflüge von Süden während max 2,3 Tage/Woche. Geht doch mal nach Glatt, Regensdorf, Kloten oder Bassersdorf. Da hättet ihr Grund zum jammern! 90% der hiesigen Anflüge finden über F statt. Ach ja: ich wohne auf dem Binninger Westplateau + kann jede Schraube eines anfliegenden A319 zählen. Noch Fragen?! Antworten
@Nils Wuchter: Dann müsste es doch auch im Interesse der Elsässer sein, die Ost-West Piste auszubauen, um Starts und Landungen über primär unbewohntes Gebiet zu forcieren um die Bewohner der Regio(!!!) vom Fluglärm zu entlasten. Oder zumindest den Flugverkehr so zu koordinieren, dass durch Nutzzung aller Pisten der Lärm gleich verteilt wird. Aber das liegt ja nicht im Interesse unserer "NACHBARN". Antworten
Den Staatsvertrag abschaffen,liebe Frau Erlaub. Da sehe ich schwärzer als schwarz und die Chancen sind 0.Dies wäre möglich gewesen,wenn die begeisterte Befürwortermenge der PFZ nein gestimmt hätte und die Ventilklausel wieder eingeführt worden wäre.Dies sind die hübschen Nebenwirkungen,die ja vor lauter Begeisterung verdrängt oder ausgeblendet wurden! Antworten
Vom Airport profitieren alle in der Regio. Aber es ist ja immer so: Bei denen, die profitieren, wollen immer alle sein - bei denen, welche eine Last zu tragen hätten, will keiner sein. Egoismus ist der wohl natürlichste Trieb der Gattung "Mensch". Eine Verlängerung der Piste reduziert den Lärm - das ist erst einmal eine Feststellung, die ganz oben steht. Dass sie Lärm verlagert - das ist das Thema Antworten
Jetzt wartet mal ab Leute. Vielleicht erledigt sich das Problem durch die Wirtschaftskrise von selbst,indem die Bauherren merken,dass sich der Aufwand mit weniger Flugbewegungen sowohl im Fracht- als auch im Passagiergeschäft, nicht lohnt,da diese Piste dann mehr ungenutzt als genutzt bleibt! Antworten
Die Beiträge sind eher ziemlich unsachlich und man kann den meisten Leuten nur mal empfehlen in Hesingue, Hegenheim, Blotzheim oder Bartenheim einen Tag zu verbringen. Der Lärmpegel in z.b. Münchenstein oder Reinach hat sicherlich zugenommen, aber er ist mehr als vernachlässigbar im Vergleich der vorher genannten Gemeinden in Frankreich. = Gerechte Verteilung im Falle von noch mehr Verlagerung ??? Antworten
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: dieser nationale Kleinkrieg nützt nur dem EAP. Will der EAP aufrüsten wie geplant, muss die Piste weg von den Anwohnern, egal welcher Nationalität. Rheinabwärts hat es genug Platz. Ansonsten hat er ein Regionalflughafen zu bleiben und etwa auf Engländer, die nach Interlaken zum Skifahren wollen, zu verzichten. Antworten
Ich will auch nicht tausende Elsässer Pendler die jeden Tag die Luft verpesten weil sie zu faul sind mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit zu erscheinen. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit bedeutet primär dass die Schweizer Franken leichter im Elsass oder Badischen landen. Sonst rein nichts. Antworten
Ich finde es sehr stossend, dass der Euroairport "Basel - MULHOUSE - FREIBURG" heisst, aber unsere Nachbarn in Frankreich und Südbaden nichts zur gerechten Verteilung des Fluglärms beitragen wollen. Das Elsass ist nunmal einiges dünner besiedelt als die Agglo Basel, daran können auch noch so einflussreiche Politiker nichts ändern! Zudem wird der Flughafen flexibler. Antworten
Die Pistenverlängerung MUSS gebaut werden. Und zwar nicht aus Lärmschutzgründen, sondern wegen der Sicherheit!! Die gefährlichen Landungen und Starts über Reinach, Oberwil, Bottmingen, Binningen, Allschwil und Basel-West sind eine tickende Zeitbombe. Diese Pistenverlängerung soll aber KEIN Leistungsausbau sein, sondern geht zu Lasten der bestehenden Nord-/Südpiste = Start-/Landekontingent! Antworten
Endlich wird dieser schweizer Gutsherrenmentalität Einhalt geboten! Der Flughafen ist nun mal französisches Hoheitsgebiet! Was heisst hier eigentlich dauernd, dass Flugzeuge "über unbewohntes Gebiet" fliegen sollen? Etwa eifersüchtig, weil in der CH alles überbaut ist? Antworten
Wieso künden wir nicht einfach den Staatsvertrag. Ausser dem Elsass braucht niemand den Provinzflughafen, da wir über Zürich an die grosse weite Welt angebunden sind. Nur durch den EAP kann das Elsass an der grossen weiten Welt schnuppern - nur dank der Arbeitsplätze im Raum Basel ist es überlebensfähig. Schafft ihn ab und beschäftigt vermehrt Einheimische. So löst sich das Problem von selbst Antworten
Wie wäre es, wenn wir in der CH auf alle Pendler aus dem umliegenden Ausland eine Art "Umweltsteuer" erheben, um die durch sie verbundenen Lärmemissionen und die Luftverschmutzung abzugelten. Wir wollen diese auch nicht. Genauso wenig, wie die Elsässer den An-/Abflug über unbewohntes Gebiet mit EINEM Bauernhof ... Antworten
Natürlich wehren sich die D und F-Bürger gegen die Pläne. Es könnte ja sein, dass sie mit zusätzlichem Lärm eingedeckt werden. Man will die Vorteile des Airports (tausende Arbeitsplätze, ca. 90% durch EU-Bürger besetzt), aber keine Nachteile. Rosinenpickerei erster Güte - ein Vorwurf, den man sonst immer gegen die CH ins Feld führt. Ganz speziell der Herr Dietz aus Weil am Rhein... Antworten
Blanker Unsinn, Herr Brunner. Dieser Wahnsinn der stetigen Ausweitung der Flughäfen muss ein Ende haben - überall auf der Welt. Mehr Verkehr bringt mehr Lärm. Der Wind kümmert sich nicht um Pisten. Er weht wann und wo er will. Von der Zubetonierung der Landschaft gar nicht zu reden. Antworten
Blanker Unsinn, Herr Brunner. Dieser Wahnsinn der stetigen Ausweitung der Flughäfen muss ein Ende haben - überall auf der Welt. Mehr Verkehr bringt mehr Lärm. Der Wind kümmert sich nicht um Pisten. Er weht wann und wo er will. Von der Zubetonierung der Landschaft gar nicht zu reden. Antworten
@Marco Brunner: Ja - weil diese Politiker haben, die sich stärker für die Interessen der eigenen Bevölkerung einsetzen. Man muss ja nur die zahlreichen Bürgermeister der franz Dörfer anschauen, die hier in der CH arbeiten, den Lohn aber in F versteuern - klar, dass die keinen Fluglärm über ihren aus CH-Geldern finanzierten Prunkbauten möchten. Diesen schieben die Elsässer elegant auf die CH ab ... Antworten
Ich will die Grenzgänger auch nicht, die mit Ihren Autos die Luft verschmutzen, die Quartiere zuparkieren, Arbeitsplätze wegnehmen, sodass Basel für Arbeit nach ZH ausweichen müssen, die ihre Steuern nicht in dem Land zahlen, indem sie ihren Lohn verdienen. Der Flughafen steht auf franz. Gebiet!!! Also sollen auch diese den Lärm ertragen und ihn nicht auf die Nachbarn abwälzen .... Antworten
Versteht jemand, weshalb sich gewisse Gemeindeexponenten im Elsass gegen die Nutzung und Verlängerung der Ost-West-Piste wehren, wenn die Bevölkerung in ihren eigenen Gemeinden dadurch massiv entlastet würde? Hésinque, Hégenheim, St. Louis oder Buschwiller im Süden würden massiv vom Fluglärm entlastet, während im Westen des Flughafens viele Kilometer lang niemand überflogen wird. Antworten




Werner Fürst
Gute Idee, den Flugplatz, der ja auf französischem Gebiet liegt, ganz den Franzosen überlassen. Er gehört ja ihnen. Und halt, wenn es sein muss, als Basler, ab Zürich fliegen. Mit der Bahn sehr gut und schnell erreichbar. Dann haben die ILS-33 betroffenen Anwohner endlich Ruhe. Wir können dann nämlich den Anflug aus Süden verbieten. Könnten wir das? Antworten