Basel

Neues Leben auf alten Brücken

Zwei rund 100-jährige Stahlbrücken über die Wiese sollen für kulturelle Zwecke umgenutzt werden. Für die Deutsche Bahn hat das Projekt keine Priorität.

1/7 Die Brücken über die Wiese könnten nach einer Idee von Innenarchitekt Marc Bieri umgenutzt und zu einem kulturellen Freiraume werden.
Bild: Richard & Horst

   
Die Brücken (rot) führen aufs
heutige Erlenmatt-Areal. Grafik BaZ/ju

Die Brücken (rot) führen aufs heutige Erlenmatt-Areal. Grafik BaZ/ju

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Marc Bieri leistete vor Jahresfrist seinen Zivildienst bei der Basler Denkmalpflege. Als der Innenarchitekt auf Fotografien von zwei rund 100 Jahre alten Stahlbrücken über die Wiese stiess, kam ihm eine Idee: Weshalb nicht diese Brücken umnutzen und zu einem jener kulturellen Freiräume umfunktionieren, die in der Stadt so gesucht und so begehrt sind?

Die beiden Brücken sind seit Ende der Neunzigerjahre nicht mehr in Gebrauch. Damals verkaufte die Deutsche Bahn ihr grosses Güterareal der Firma Vivico, die zusammen mit dem Kanton darauf die Erlenmatt entwickelte. Hier liegt einer der Anknüpfungspunkte von Bieri und seinen Kollegen des Vereins Richard & Horst, den sie eigens für das Brückenprojekt gegründet haben: Basel brauche kulturelle Freiräume, die eine engagierte Bürger- und Subkultur ermöglichten. Mit der allmählichen Überbauung des ehemaligen Güterareals der Deutschen Bahn wird ein solcher Freiraum (nt/Areal) verschwinden.

Eingebauter Glaskubus mit Restaurant

Nun soll ausgerechnet auf den beiden Brücken, welche die Güterzüge auf die heutige Erlenmatt führten, ein solcher Freiraum entstehen. Bieri und seine Mitstreiter haben bereits ziemlich klare Vorstellungen davon, wie die rund 50 Meter langen und 5,5 Meter breiten metallenen Konstruktionen, die in ihrer Substanz erhalten werden sollen, genutzt werden können: Auf der einen Brücke soll hauptsächlich gegessen und getrunken werden. Ein eingebauter Glaskubus soll ein Restaurant oder Bars ermöglichen. Die zweite Brücke soll noch freier bespielbar bleiben und Ort sein für Veranstaltungen wie Shows, Theater oder auch Konzerte.

Die Mitglieder des Vereins Richard & Horst beanspruchen für sich eine gute Portion Fachwissen: So ist neben Bieri auch der Architekt Renato Mösch mit an Bord, ebenso ein Bauprojektmanager und ein Statiker. Letzterer hat berechnet, dass die für schwere Züge konzipierten Brücken die neue Nutzung auch «tragen» könnten. Die Projektkosten schätzt Bieri auf weniger als eine Million Franken pro Brücke.

Mögliches Fortsetzungsprojekt für benachbartes nt/Areal

Bei den Behörden hat der Verein bereits für sein Projekt geworben. Stefan Dössegger von der Abteilung Stadtentwicklung im Präsidialdepartement nennt es «spannend», gerade als mögliches Fortsetzungsprojekt für das benachbarte nt/Areal. Man habe das Dossier dem zuständigen Tiefbauamt beliebt und den Verein auf die aktuelle rechtliche Situation aufmerksam gemacht.

Und die ist nicht einfach: Die beiden Brücken gehören der Deutschen Bahn (DB). Laut deren Basler Sprecher Jürgen Lange muss die DB zunächst über die «Nutzungslosigkeit» der Brücken befinden und sie dann aus dem Staatsvertrag mit der Schweiz herauslösen. So, wie das beim heutigen Erlenmatt-Areal geschehen ist. Gleichzeitig würde auch über die neue Nutzung – oder allenfalls auch den Abriss – entschieden. Danach übernähme der Kanton Basel-Stadt das Zepter und müsste die planerischen Grundlagen für eine allfällige Neunutzung schaffen.

Ausschliessen möchte Lange nichts, noch sei «alles möglich» – vom Abriss der Brücken bis zur Neunutzung im Sinn der Idee von Richard & Horst oder einer Naturbrücke als Querung für Tiere über die Wiese. Gedulden müssen sich Bieri und seine Kollegen so oder so. Laut Lange hat das Projekt für die Deutsche Bahn keine Priorität. Ein Entscheid falle mittelfristig – «in den nächsten fünf Jahren». (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.03.2010, 13:57 Uhr

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14 Kommentare

Andrea Otto

06.04.2010, 08:34 Uhr
Melden

super sache! wünsche viel glück für das projekt! mehr kultur in basel kann nie schaden! ao Antworten


Hirotsugu Sugaya

01.04.2010, 14:21 Uhr
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Ist eine gute Sache für kulturelle Anlässe. Spannend und einzigartig. Also, "Just do it." Antworten


Gabriela Schmid (Baslerin)

01.04.2010, 12:43 Uhr
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Gestern am Tisch wieder einmal das Thema "wir über 45/50 -jährigen Basler brauchen ein paar gediegene Orte zur Begegnung - Ausgehen ohne Vernissage, Konzert und Kino ist schwierig in Basel". Ein guter Club über der Wiese mit schöner Bar und Restaurant, davon träume ich schon lange! Eine Bitte allerdings - nicht wieder und noch mehr handgestrickt und chabby. Antworten


Peter Kaupp

01.04.2010, 10:55 Uhr
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Geniale Idee !!! Pete Kaupp Antworten


Beat Raeber

31.03.2010, 22:02 Uhr
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Super Idee, super Konzept, einfach genial! - Endlich passiert mal was in (der Schlafstadt) Basel! Und dies hoffentlich nicht erst in 5 Jahren! Antworten


Marco Gioco

31.03.2010, 21:30 Uhr
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gefällt mir die Idee. Mit den Lärmpegelbedingungen in Basel ist es nicht einfach einen geeignteten Ort für Veranstaltungen zu finden. Dieser Ort finde ich für diese Vision durchaus passend. In den letzten Jahren wurden diverse kulturelle Projekte bei Güterbahnhof der DB umgesetzt. Es wäre sinnvoll, auch für das soziale Netztwerk in dieser Umgebung....viel Erfolg Antworten


Ruedi Keller-Schaub

31.03.2010, 19:49 Uhr
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Da werden sich die zuküntigen Bewohner des Erlenmatts aber freuen über schon viel Lärm bis in alle Nacht - in der nächsten Nähe. Die Brücke grenzen direkt ans Erlenmatt an. Die Idee finde ich total daneben. Antworten


Ali Meier

31.03.2010, 18:03 Uhr
Melden

Was wird denn in Basel nicht für kulturelle Zwecke umgenutzt? Und dann natürlich grosszügig unterstützt vom verschuldeten Staat? Antworten


Suzette Preiswerk

31.03.2010, 17:58 Uhr
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Dabei kommt mir das franz. Lied in den Sinn :"Sur le pont d'Avignion, on y danse, on y danse..." Anscheinend animieren Bruecken schon immer zum Tanzen und anderen kulturellen Aktivitaeten. Antworten


Erich Plüss

31.03.2010, 16:18 Uhr
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Und der Abfall geht in die Wiese. Antworten


Ernst Fischer

31.03.2010, 15:49 Uhr
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Schönes Projekt. Leider Utopie da man warten kann bis man schwarz wird bis die DB am jetzigen Status was ändern wird. Schade . Antworten


Pat Merz

31.03.2010, 14:02 Uhr
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Super idee, dann könnte man auf seinen Foto-Ausflügen ins Basler Niemandsland noch einen "schnappen" nach getaner Arbeit ... klingt gut! Antworten


Flavio Häner

31.03.2010, 10:41 Uhr
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Endlich kommen Gedanken auf, den wunderschönen Ikonen der Industrialisierung neues Leben einzuhauchen. Dann müssen wir endlich nicht mehr unsere Feste im kalten Wind und Regen feiern auf den Brücken feiern! Aber bitte nicht erst 5 Jahre warten und dann doch nichts unternehmen! Antworten


Renate Burkhalter

31.03.2010, 09:39 Uhr
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Warum nicht. Eine Brücke für die Nichtraucher als Restaurant, die andere als Quartier-Club für die Raucher. Das finde ich eine super Idee. Oder??? Antworten



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