Neues Leben auf alten Brücken

Von Patrick Marcolli. Aktualisiert am 31.03.2010 14 Kommentare

Zwei rund 100-jährige Stahlbrücken über die Wiese sollen für kulturelle Zwecke umgenutzt werden. Für die Deutsche Bahn hat das Projekt keine Priorität.

1/7 Die Brücken über die Wiese könnten nach einer Idee von Innenarchitekt Marc Bieri umgenutzt und zu einem kulturellen Freiraume werden.
Bild: Richard & Horst

Neues Leben auf alten Brücken

   
Die Brücken (rot) führen aufs
heutige Erlenmatt-Areal. Grafik BaZ/ju

Die Brücken (rot) führen aufs heutige Erlenmatt-Areal. Grafik BaZ/ju

Umfrage

Ein Verein möchte zwei stillgelegte alte Brücken der Deutschen Bahn über der Wiese neu als Kultur- und Eventort nutzen. Finden Sie das eine gute Idee?

Ja

 
76.4%

Nein

 
23.6%

433 Stimmen


Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Marc Bieri leistete vor Jahresfrist seinen Zivildienst bei der Basler Denkmalpflege. Als der Innenarchitekt auf Fotografien von zwei rund 100 Jahre alten Stahlbrücken über die Wiese stiess, kam ihm eine Idee: Weshalb nicht diese Brücken umnutzen und zu einem jener kulturellen Freiräume umfunktionieren, die in der Stadt so gesucht und so begehrt sind?

Die beiden Brücken sind seit Ende der Neunzigerjahre nicht mehr in Gebrauch. Damals verkaufte die Deutsche Bahn ihr grosses Güterareal der Firma Vivico, die zusammen mit dem Kanton darauf die Erlenmatt entwickelte. Hier liegt einer der Anknüpfungspunkte von Bieri und seinen Kollegen des Vereins Richard & Horst, den sie eigens für das Brückenprojekt gegründet haben: Basel brauche kulturelle Freiräume, die eine engagierte Bürger- und Subkultur ermöglichten. Mit der allmählichen Überbauung des ehemaligen Güterareals der Deutschen Bahn wird ein solcher Freiraum (nt/Areal) verschwinden.

Eingebauter Glaskubus mit Restaurant

Nun soll ausgerechnet auf den beiden Brücken, welche die Güterzüge auf die heutige Erlenmatt führten, ein solcher Freiraum entstehen. Bieri und seine Mitstreiter haben bereits ziemlich klare Vorstellungen davon, wie die rund 50 Meter langen und 5,5 Meter breiten metallenen Konstruktionen, die in ihrer Substanz erhalten werden sollen, genutzt werden können: Auf der einen Brücke soll hauptsächlich gegessen und getrunken werden. Ein eingebauter Glaskubus soll ein Restaurant oder Bars ermöglichen. Die zweite Brücke soll noch freier bespielbar bleiben und Ort sein für Veranstaltungen wie Shows, Theater oder auch Konzerte.

Die Mitglieder des Vereins Richard & Horst beanspruchen für sich eine gute Portion Fachwissen: So ist neben Bieri auch der Architekt Renato Mösch mit an Bord, ebenso ein Bauprojektmanager und ein Statiker. Letzterer hat berechnet, dass die für schwere Züge konzipierten Brücken die neue Nutzung auch «tragen» könnten. Die Projektkosten schätzt Bieri auf weniger als eine Million Franken pro Brücke.

Mögliches Fortsetzungsprojekt für benachbartes nt/Areal

Bei den Behörden hat der Verein bereits für sein Projekt geworben. Stefan Dössegger von der Abteilung Stadtentwicklung im Präsidialdepartement nennt es «spannend», gerade als mögliches Fortsetzungsprojekt für das benachbarte nt/Areal. Man habe das Dossier dem zuständigen Tiefbauamt beliebt und den Verein auf die aktuelle rechtliche Situation aufmerksam gemacht.

Und die ist nicht einfach: Die beiden Brücken gehören der Deutschen Bahn (DB). Laut deren Basler Sprecher Jürgen Lange muss die DB zunächst über die «Nutzungslosigkeit» der Brücken befinden und sie dann aus dem Staatsvertrag mit der Schweiz herauslösen. So, wie das beim heutigen Erlenmatt-Areal geschehen ist. Gleichzeitig würde auch über die neue Nutzung – oder allenfalls auch den Abriss – entschieden. Danach übernähme der Kanton Basel-Stadt das Zepter und müsste die planerischen Grundlagen für eine allfällige Neunutzung schaffen.

Ausschliessen möchte Lange nichts, noch sei «alles möglich» – vom Abriss der Brücken bis zur Neunutzung im Sinn der Idee von Richard & Horst oder einer Naturbrücke als Querung für Tiere über die Wiese. Gedulden müssen sich Bieri und seine Kollegen so oder so. Laut Lange hat das Projekt für die Deutsche Bahn keine Priorität. Ein Entscheid falle mittelfristig – «in den nächsten fünf Jahren». (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.03.2010, 13:57 Uhr

14

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

14 Kommentare

Flavio Häner

31.03.2010, 10:41 Uhr
Melden

Endlich kommen Gedanken auf, den wunderschönen Ikonen der Industrialisierung neues Leben einzuhauchen. Dann müssen wir endlich nicht mehr unsere Feste im kalten Wind und Regen feiern auf den Brücken feiern! Aber bitte nicht erst 5 Jahre warten und dann doch nichts unternehmen! Antworten


Renate Burkhalter

31.03.2010, 09:39 Uhr
Melden

Warum nicht. Eine Brücke für die Nichtraucher als Restaurant, die andere als Quartier-Club für die Raucher. Das finde ich eine super Idee. Oder??? Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Meistgelesen in der Rubrik Basel

Telefonbuch

Marktplatz

Ist der Kreisel bei der Prüfstation trotz Sanierung gefährlich?

Ja

 
52.2%

Nein

 
47.8%

1101 Stimmen

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

bluebanana.ch

BaZ.Reisen. 2012

Eine Aktion von bluebanana.ch, Baslerstab und Basler Zeitung

BaZ.Mobil.

Mimpfeli