Basel

Neues Referendum gegen Vegi-Mensa

Von Michael Bahnerth. Aktualisiert am 16.10.2012 20 Kommentare

Gegen den Kompromiss einer Uni-Mensa mit einem grösseren Anteil an vegetarischen Menus hat eine Gruppe von Studenten ein neues Referendum eingereicht. Damit wird der bereits gefasste Vorschlag auf Eis gelegt.

Das Vegi-Thema ist für die Studenten der uni Basel noch nicht gegessen.

Das Vegi-Thema ist für die Studenten der uni Basel noch nicht gegessen.
Bild: Tim Loosli

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Gegen das «Referendum gegen den Antrag zur vegetarisch-veganen Mensa» ist ein Referendum ergriffen worden. Damit erhält die Kontroverse um eine «fleisch- und fischlose» Mensa endgültig den Charakter und die Dynamik eines Ping-Pong-Spiels. Es ist inzwischen ein Hin und Her von Anträgen, Gegenanträgen, Behauptungen, Gegenbehauptungen und eine Auseinandersetzung, in wieweit veganische Ernährung die Welt retten und allenfalls sogar für Weltfrieden sorgen kann.

Status quo in der Ernährungsdebatte ist folgender: Nachdem eine Handvoll Veganer der Uni Basel vor einem Monat eine fleisch- und fischlose Mensa, eine Verbilligung des Salatbuffets sowie eine Allgegenwart veganischer Menüs in Mensen gefordert hatten, dies vom Studierendenrat (SR) mit 6 zu 2 Stimmen angenommen wurde, kam es zum Referendum «Metzler». Letzten Dienstag wurde dies von Metzler selbst zugunsten eines neu geschlossenen «Fleischkompromisses» zurückgezogen. Der Kompromiss war folgender: mindestens ein Veganermenü täglich, billigeres Salatbuffet, Verteuerung des Fleisches, zwei fleischlose Tage pro Woche, eine der drei Mensen probehalber für ein Semster vegetarisch führen. Mit 21 zu 0 Stimmen wurde dies vom SR angenommen. Das war letzten Dienstag. Am letzten Freitag nun reichte ein fünfköpfiges Komittee erneut ein Referendum ein, weil «der Kompromiss unhaltbar» sei. Sie monieren, dass ein «Verbot des Fleischkonsums an zwei Tagen einer Bevormundung der Studenten gleichkommt, die Preiserhöhung zu einer Quersubventionierung anderer Menüs führt und der Pilotversuch vegetarische Mensa völlig willkürlich ist».

Am Freitag wurden die nötigen 50 Unterschriften eingereicht, gestern wurden sie geprüft und heute dürfte das Referendum offiziell sein. Das heisst, dass der SR an seiner Sitzung am 30. Oktober neu darüber befinden und abstimmen muss. Falls er das Referendum ablehnt, besteht für das Referendumskomitee die Möglichkeit, binnen eines Monates eine Urabstimmung unter den Studierenden einzufordern. Die Präsenz eines neuerlichen Referendums führt auch dazu, dass der bereits gefasste «Kompromissvorschlag» auf Eis gelegt ist.

Fakten im Behauptungsdschungel

Nochmals aber gilt es festzuhalten: Was auch immer der SR beschliesst und durch seine zwei Vertreter in der Verpflegungskommission einbringt, die wiederum beratendend der Verwaltungsdirektion zuarbeitet – letztlich entscheidet das Rektorat, was in der Mensa auf den Tisch kommt.

Einen substanziellen Beitrag zur Debatte in Form einer Stellungnahme ist der Doktorandenvertretung des Bio- und Pharmazentrums zu verdanken. Dort, wie man weiss, sitzen keine Träumer, sondern Biologen. Auf vier Seiten rücken sie ins richtige Licht, was in der argumentativen Saat des Veganerlagers sehr wild zum Himmel wuchs. Widerlegen, dass Nutztierhaltung mehr Treib­hausgas-Emissionen verursache als der gesamte Verkehr. Räumen ein, dass eine vegetarische Lebensweise zwar gesund, der daraus gezogene Umkehrschluss, dass eine fleischhaltige Ernährung deswegen ungesund sei, unzulässig und nicht haltbar sei. Sie fragen sich, ob der Peanuts-Anteil der Veganer im Fresskuchen der Menschen das «Privileg eines eigenen Menüs geniessen sollte». Weil man ansonsten auch ein «schweinefreies Menü für muslimische und ein koscheres Menü für jüdische Studenten» einführen müsste.

Tierethische Bedenken «bezüglich der Tötung der Tiere zwecks Nahrungsgewinn» lehnen die Doktoranden ab, sofern alles unternommen wird, um die Tötung so kurz und schmerzlos wie möglich durchzuführen. Ist dem Sorge getragen, «halten wir dies für einen biologisch völlig normalen und somit nicht zu verurteilenden Prozess». Die Doktoranden halten fest, dass «ihre Befürwortung von Fleischkonsum keinerlei Ablehnung einer vegetarischen Lebensweise» bedeutet. Sowohl die Doktoranden als auch das Referendumskomitee wären bereit, für gutes, sauber geschlachtetes Schweizer Fleisch ein wenig mehr zu bezahlen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.10.2012, 10:09 Uhr

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20 Kommentare

Martina Huwyler

16.10.2012, 10:51 Uhr
Melden 53 Empfehlung 20

Dass Herr Bahnerth nach all den Artikeln, die er zu diesem Thema bereits so objektiv und journalisitisch wertvoll verfasst hat, noch immer nicht verstanden hat, dass "veganisch" kein Wort ist, erstaunt dann doch ein wenig. Antworten


Marianne Gautschi

16.10.2012, 12:28 Uhr
Melden 47 Empfehlung 18

So langsam könnte dieses Thema aus der BAZ und aus Bazonline verschwinden. Die Mehrheit der Leserinnen und Leser interessiert sich überhaupt nicht für die Essgewohnheiten an der Uni. Gebt doch allen ein paar Tage lang einige Kartoffeln und ein Stück Käse auf den Teller oder noch besser Brot und ein Glas Wasser - das bringt sie möglicherweise zur Vernunft. Antworten



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