Basel

Nicht nur Touristen rümpfen die Nase

Von Muriel Gnehm. Aktualisiert am 21.08.2010 38 Kommentare

Uringestank rund um die Barfüsserkirche ärgert Bar-Chef und Museumsleitung. Nach dem Littering stösst das Wildpinkeln sauer auf.

Es stinkt. Die Kirchenfassade (l.) zwischen Museumseingang und «Des Arts» (r.) ist bei den Wildpinklern beliebt.

Es stinkt. Die Kirchenfassade (l.) zwischen Museumseingang und «Des Arts» (r.) ist bei den Wildpinklern beliebt.
Bild: Margrit Müller

Umfrage

Braucht es auf dem Barfüsserplatz mehr WCs?


«Des Arts»-Chef Peter Oppliger und die Leitung des Historischen Museums wünschen, dass es auf dem Platz nicht länger nach Urin stinkt. Braucht es mehr öffentliche Toiletten auf dem Barfi?

Ja

 
79.7%

Nein

 
20.3%

516 Stimmen


Die Touristen würden den Kopf schütteln und nur noch staunen, sagt Peter Oppliger, Inhaber der Bar Des Arts am Barfüsserplatz. Grund für ihren Ekel ist der Uringestank, der an Sommerabenden von der Barfüsserkirche zu den Bistrotischchen auf der Terrasse hinüberweht. «Je später die Nacht wird, desto mehr Personen urinieren an die Kirchenfassade», so Oppliger. Das entrüstet den «Des Arts»-Chef, dessen Gäste statt des süsslichen Prosecco-Dufts Uringestank in der Nase haben.

Riesige Schweinerei

Damit nicht genug: «Seit der Strassenbelag vor der Kirche erneuert worden ist, bahnen sich Urinrinnsale ihren Weg bis auf die Terrasse», so Oppliger. Es sei vorgekommen, dass Gäste ihre Beine hochhalten mussten. Als «riesige Schweinerei» bezeichnet er die Zustände und als «unhaltbar» für einen Ort wie Basel, der als Kulturstadt wahrgenommen werden möchte. Der Bar-Chef wünscht, dass die Behörden etwas dagegen unternehmen. Er hat auch eine Idee: «Toi-Toi-WCs oder vermehrte Polizeipatrouillen könnten dem Wildurinieren Abhilfe schaffen.»

Oppliger ist nicht der Einzige, der sich ob des Gestankes stört und den Ärger der Touristen zu spüren bekommt: «Wir finden den Gestank grauenhaft», sagt Eliane Tschudin, Pressesprecherin des Historischen Museums in der Barfüsserkirche. Rund um die Kirche stinke es aus allen Ecken und je länger der Regen aussetze, desto penetranter werde der Mief. «Viele Touristen beschweren sich bei uns», sagt Tschudin. Auch sie wünsche sich eine Verbesserung der momentanen Situation.

Problem ist bekannt

Froh, dass ihre Tische zwischen Casino und Tramhaltestelle stehen, ist Stephan Knaus, Chef de Service bei Kohlmanns: «Beim Seiteneingang für die Lieferanten riecht es oft nach Urin.» Hier vorne sei zum Glück zu viel los, als dass sich jemand erleichtern könnte. Knaus beobachtet immer wieder, wie Leute an die Fassade des Casinos urinieren.

Die Behörden kennen das Problem. Etwas dagegen unternehmen möchten sie aber nicht: «Rund um den Barfüsserplatz gibt es viele Restaurants und Bars, also mehr als genug Toiletten», sagt Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements. Dazu kämen drei öffentliche Gratis-Toiletten bei der Tramhaltestelle. Deshalb sieht er keinen Handlungsbedarf – im Gegensatz zu anderen Stellen: «Am Rhein haben wir kürzlich drei Toiletten installiert, um gegen das Urinieren in Vorgärten vorzugehen», so Keller.

50 Franken Busse

Ähnlich sieht es die Basler Kantonspolizei: «Wir erhalten vor allem Reklamationen aus Kleinbasel», sagt Sprecher Klaus Mannhart. Auf dem Barfüsserplatz nähmen sie das Wildpinkeln nicht als grosses Problem wahr. Die Zahl der Patrouillen deswegen zu erhöhen, sei kein Thema. Mannhart erklärt: «Es hat genug Polizisten auf dem Barfüsserplatz.» Viele seien aber in zivil unterwegs und dürften keine Ordnungsbussen ausstellen. Dass so wenige Bussen verteilt werden, versteht sich von selbst. Mannhart: «Um vor einem uniformierten Polizisten zu urinieren, muss man sehr betrunken sein.» Einmal Wildpinkeln koste 50 Franken, pro Monat verteile die Polizei zehn bis zwanzig Bussen, so Mannhart.

Etwas wird aber trotzdem getan: In den Gassen um das Kirchenschiff riecht es nach Urin – und Zitrone. Die Stadtreinigung mischt dem Wasser Zitronengeschmack bei, um den Gestank zu neutralisieren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.08.2010, 09:01 Uhr

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38 Kommentare

Hans Kohler

21.08.2010, 22:12 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Das Problem liegt nicht bei der Polizei und nicht bei den (öffentlichen) Toiletten. Das Problem liegt bei den Pissern, die eine fehlende Kinderstube aufweisen. Die Lösung ist ganz einfach: Eine saftige Busse und der Zwang, einen Monat lang sämtliche Spuren seiner "Kollegen" in der ganzen Stadt beseitigen zu müssen. Und das soll mit einer Qualitätskontrolle verbunden sein. Nichterfüllung=Ehrenrunde Antworten


Harry Berger

21.08.2010, 22:53 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ganz einfach eine Stromleitung um die Kirche legen, welche beim drauf urinieren einen entsprechenden schmerzenden aber nicht tödlichen Stromschlag auslösst, oder Licht mit Bewegungsmelder. Das sind im übrigen nur die Folgen von dieser Wildsauferei. Antworten



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