Basel

Niemand reagierte auf den Todeskampf der Frau

Von Alexander Müller, Lukas Bertschmann. Aktualisiert am 09.01.2012

Ein Frau ist in der Nacht aus dem vierten Stock eines Basler Hauses zu Tode gestürzt. Gefunden wurde sie erst am Morgen. Ob es ein Unfall war oder ein Verbrechen verübt wurde, ist noch unklar.

Die junge Frau stürzte vom obersten Balkon (Bildmitte) vier Stockwerke in die Tiefe.

Die junge Frau stürzte vom obersten Balkon (Bildmitte) vier Stockwerke in die Tiefe.
Bild: Lukas Bertschmann

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

«Ich hörte über längere Zeit ein Geräusch aus dem Hinterhof. Es klang wie ein Tier», sagte Olga Romanski*, die an der Eulerstrasse wohnt. «Ich war jedoch sicher, dass es keine Katze war.» Was die Rentnerin hörte, war vermutlich die 24-jährige Frau, die in der Nacht aus dem vierten Stock des gegenüberliegenden Gebäudes im Hinterhof in die Tiefe gestürzt ist. Offenbar war die in Basel wohnhafte Lettin noch längere Zeit am Leben, niemand bemerkte jedoch ihren Todeskampf. Erst viele Stunden später, um 10 Uhr am Montagmorgen entdeckte Bruno S.* die inzwischen reglose Frau im Hinterhof seiner Liegenschaft an der Schützenmattstrasse. Ihm sei sofort klar gewesen, dass die Frau tot war, erklärte sein Schwiegersohn später gegenüber baz.ch. S. alarmierte umgehend die Polizei.

Warum bemerkte niemand die sterbende Frau im Hinterhof? Warum hat sie niemand vermisst? Wurde sie möglicherweise gar Opfer eines Verbrechens? Im Fokus der Ermittlungen der Basler Kriminalpolizei steht der Mieter eines Appartments der Liegenschaft an der Schützenmattstrasse 40, offenbar ein Norweger. Von dessen Balkon im vierten Stock soll die junge Frau in die Tiefe gestürzt sein. Die Umstände des Sturzes sind jedoch noch unklar. «Es könnte sich um einen Suizid handeln, möglich ist jedoch auch ein Unfall oder gar ein Verbrechen», erklärt Kriminalkommissär Markus Melzl. «Wir ermitteln in alle Richtungen». Im Treppenhaus sollen gemäss Zeugen unzählige leere Alkoholflaschen gefunden worden sein. Möglicherweise wurde in der Nacht eine wilde Party gefeiert.

Appartments mit Zimmerservice

Das Haus, in dem es letzte Nacht zum Unglück kam, ist das Appartmenthaus «Résidence du Soleil». Der Schwiegersohn der Vermieterfamilie, der seinen Namen nicht in den Medien lesen will, besitzt ein Büro im Parterre des Gebäudes. Er sagt, dass die Frau ein ständiger Gast des im vierten Stock eingemieteten Norwegers war. Die junge Frau wurde von den Nachbarn während der ganzen letzten Woche regelmässig beim Frühstück in der Kantine des Appartment-Hauses gesehen, zuletzt am Freitagmorgen.

In der Residenz können ab 665 Franken pro Woche voll möblierte Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen wochen- oder monatsweise gemietet werden. Inklusive Frühstück von Montag bis Freitag und täglicher Zimmerservice wie in einem Hotel. Der Norweger bewohnt seit rund einer Woche ein Appartment im vierten Stock. Ob die Frau ebenfalls einen Schlüssel für das Appartment besass, wird noch abgeklärt.

Am Nachmittag wurden der Vermieter und der Norweger von der Polizei verhört. Ob der Mieter des Appartments eines Verbrechens verdächtigt wird, ist unklar. Bei der Staatsanwaltschaft sind bisher keine weiteren Angaben zu erfahren.

*Namen geändert, der Redaktion bekannt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2012, 12:28 Uhr

Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.