Basel

Novartis stoppt ihre Freiwilligen im Elsass

Von Peter Schenk. Aktualisiert am 22.02.2012 11 Kommentare

Wegen eines Unfalls eröffnete eine französische Aufsichtsbehörde ein Verfahren gegen den Basler Pharmakonzern.

Die Freiwilligeneinsätze der Novartis-Mitarbeiter wie beispielsweise in der Petite Camargue Alsacienne lösten
Ermittlungen aus.

Die Freiwilligeneinsätze der Novartis-Mitarbeiter wie beispielsweise in der Petite Camargue Alsacienne lösten Ermittlungen aus.
Bild: Ghislaine Mougel

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Am Tag der Partnerschaft helfen Novartis-Mitarbeiter bei gemeinnützigen Projekten. In Frankreich hat Novartis dies nun nach einem Unfall gestoppt. Haben Sie Verständnis dafür?

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Einmal im Jahr engagieren sich Novartis-Mitarbeiter einen Tag lang ehrenamtlich in lokalen gemeinnützigen Einrichtungen oder Vorhaben. In der Region Basel waren im vergangenen Jahr 4200 Beschäftigte in 200 Projekten im Einsatz – ihren Lohn erhielten sie weiter. Das Unternehmen organisiert den sogenannten Tag der Partnerschaft zur Erinnerung an seine Gründung 1996. Er findet am 26. April 2012 zum sechzehnten Mal statt, diesmal allerdings nicht in Frankreich.

Da Novartis (NOVN 49.92 0.89%) etliche Grenzgänger aus dem Südelsass beschäftigt, profitierten dort bisher viele Projekte vom «Tag der Partnerschaft» – laut Medienstelle standen beim letzten derartigen Aktionstag am 14. April 2011 rund 550 Mitarbeiter in Frankreich im Einsatz. Anfang Jahr aber entschied das Unternehmen, den Tag für 2012 in Frankreich zu streichen. Hintergrund: Die elsässische Inspection du travail, eine Art Gewerbeaufsicht, die die Einhaltung der Arbeitsbestimmungen überwacht, hatte gegen Novartis und ein Altersheim im Sundgau ein Verfahren wegen Schwarzarbeit eröffnet.

Fall liegt bei Staatsanwaltschaft

Am 14. April 2011 hatten Novartis-Mitarbeiter beim Unterhalt des Parks des Altersheims Luppach in Bouxwiller bei Ferrette geholfen. Dabei verletzte ein Novartis-Mitarbeiter einen Angestellten des Heims leicht mit einer Motorsäge, wie die Zeitung «Dernières Nouvelles d’Alsace» kürzlich berichtete. Die Inspection du travail schaltete sich ein und eröffnete am 12. August 2011 ein Verfahren gegen Novartis und gegen den Betreiber des Altersheims Luppach, das trotz ihren Erklärungen weitergezogen wurde.

Die zuständige Behörde in Mulhouse wollte gegenüber der BaZ zu dem laufenden Verfahren keine Stellung nehmen. Stand der Dinge ist, dass nun die Staatsanwaltschaft entscheiden muss, ob sie Anklage erhebt. Im Elsass stösst das Verhalten der Inspection du travail auf harsche Kritik. Philippe Knibiely, Direktor des Naturschutzgebiets Petite Camargue Alsacienne vor den Toren Basels, nennt es einen «Skandal». Seit rund zehn Jahren würden einmal im Jahr 20 bis 30 Beschäftigte von Novartis Schweiz im Naturschutzgebiet helfen und Unterhaltsarbeiten machen, Stege mitbauen oder unerwünschte Pflanzen beseitigen. «Wir teilen sie in drei kleine Gruppen ein. Die Idee ist, mit der jeweiligen Arbeit an einem Tag fertig zu werden», berichtet Knibiely.

«Gesetzgebung zu rigide»

«Das Umweltministerium ruft uns dazu auf, derartige Projekte mit Firmen zu machen, und das Arbeitsministerium blockiert dieselben», ärgert sich Knibiely. Er hat in Paris interveniert, damit die Ministerien «Ordnung in ihre Angelegenheiten» bringen. «Der Tag er Partnerschaft läuft in 150 Ländern und nur in Frankreich gibt es Probleme», fährt er fort.

Ähnlich kritisch äussert sich der Anwalt Marc Muller, Präsident des Vereins «Association des amis des personnes âgées», der sich für die Freizeitgestaltung im betroffenen Altersheim engagiert: «Die französische Gesetzgebung ist zu rigide und die Entscheidung der Inspection du travail indiskutabel», bemängelt Muller. Er argumentiert: «Damit es sich um Schwarzarbeit handelt, müsste Lohn gezahlt werden, eine hierarchische Beziehung bestehen oder Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt werden, aber nichts von allem trifft zu. Es handelt sich um ehrenamtliche Arbeit, unterstützt von einem privaten Unternehmen.» Muller bemängelt, dass ehrenamtliche Arbeit durch die Behörde sabotiert werde, bezeichnet sich selber als «wütend» ob ihres Vorgehens und will sich dagegen engagieren.

Nur temporäre Massnahme

Jean-Luc Reitzer, Maire von Altkirch und als Député Abgeordneter in der Pariser Nationalversammlung, werde im Parlament eine Frage an die Regierung zu dem Thema stellen – bis es dazu komme, könne es allerdings einige Monate dauern. Bei Novartis Schweiz will man den Abschluss des Verfahrens abwarten und realisiert deshalb am Tag der Partnerschaft vom kommenden 26. April keine Projekte in Frankreich. Die Entscheidung muss allerdings nicht ewig gelten.

Isabel Guerra von der Medienstelle teilt mit: «Dies versteht sich als temporäre Massnahme und über etwaige Einsätze im Jahr 2013 wird nach Abschluss des Verfahrens entschieden.» Welche Konsequenzen das laufende Verfahren haben werde, könne «derzeit nicht beurteilt werden». (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.02.2012, 07:36 Uhr

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11 Kommentare

rudolf kunz

22.02.2012, 11:26 Uhr
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einmal mehr bestätigt sich die Arroganz der franz. Behörden und Gewerkschaften gegenüber der CH, von Paris bis an unsere Grenzen. Unser Land bietet ca. 100'000 franz.Grenzgängern Arbeit. (Franzosen in der CH wohnhaft nicht gerechnet). und wird laufend kritisiert (siehe ob.Artikel, Spital Genf, oder eben durch Sarkosy). Wem es nicht kpasst, soll doch seine Arbeit im eigenen Land suchen !! Antworten


Gerhard Berger

22.02.2012, 07:44 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Frankreich scheint auch einen eindeutig zu hoch dotierten Beamtenapparat zu besitzen. Griechenlandsyndrom. Abbau täte Not. Eine Reduktion würde sicherlich auch wieder zu einer höheren Bewertung der Rating-Agenturen führen. Antworten



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