Basel

Ohne Sorgen auf Vorrat

Von Patrick Künzle. Aktualisiert am 13.12.2010 1 Kommentar

Thomas Ulrich arbeitet seit dem 1. November als Geschäftsführer von Basel United. Für den St.-Jakob-Park hat Ulrich abmitiöse Zukunftspläne.

Mehr Konzerte: Thomas Ulrich (42), neuer Chef von Basel United, will Grosskonzerte ins «Joggeli» zurückholen.

Mehr Konzerte: Thomas Ulrich (42), neuer Chef von Basel United, will Grosskonzerte ins «Joggeli» zurückholen.
Bild: Henry Muchenberger

Châtel-St-Denis ist eine Gemeinde im Kanton Freiburg mit 5657 Einwohnern. Der dorfeigene Fussballclub dümpelt irgendwo in der 3. Liga herum, in der sechsthöchsten Schweizer Spielklasse. Doch der Verein sah einst bessere Zeiten: Zwischen 1991 und 1993 spielte der FC Châtel-St-Denis in der Nationalliga B und empfing den damals kriselnden FC Basel zweimal zum Heimspiel. Seither gilt der Verein unter den FCB-Fans als Chiffre. Wer auch immer seine aussergewöhnliche Verbundenheit mit Rotblau unterstreichen will, sagt: «Ich war sogar in Châtel-St-Denis.»

Thomas Ulrich war in Châtel-St-Denis. Er war auch in Manchester oder in Valenica während der ruhmreichen Champions-League-Saison 2002/03. Und vermutlich könnte er noch fünfzig weitere Destinationen aufzählen, wohin er den Stadtclub begleitet hat. «Ich bin von klein auf mit Herzblut FCB-Fan», sagt der 42-Jährige, der in Allschwil aufgewachsen ist.

Eine gute Ausgangslage

Die Verbundenheit mit Basels liebstem Sportverein war nicht der Grund, weshalb Ulrich vom Verwaltungsrat zum neuen Geschäftsführer der Basel United AG gewählt wurde. Aber sie bildet zweifellos eine gute Ausgangslage. Der FC Basel ist der wichtigste Geschäftspartner von Ulrichs Arbeitgeber: Basel United vermarktet und betreibt zwar auch das Basler Eisstadion St.-Jakob-Arena, das Reitsportareal Schänzli und das Oldtimerforum Pantheon. Wahrgenommen wird die Gesellschaft jedoch primär als Betreiberin des St.-Jakob-Parks, der Heimspielstätte des FC Basel. Zu diesem Zweck wurde sie im November 1999 auch gegründet.

In ihrer Funktion als Stadionbetreiberin steht Basel United immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit – obschon es sich mit 20 festangestellten Mitarbeitern «bloss» um einen KMU-Betrieb handelt. Ulrichs Vorgänger Christian Kern hat diese Erfahrung wiederholt gemacht. Immer wenn es einen Zwischenfall im Stadion gab, wurden reflexartig Vorwürfe laut, Basel United sei überfordert. Nur ein Beispiel: Nach Randalen von Zürcher Fans im November 2009 schrieb das Internet-Portal «Onlinereports»: «Die Hausherrin hat punkto Sicherheit komplett versagt.»

Thomas Ulrich weiss um dieses Spannungsfeld, in dem er seit dem 1. November arbeitet. Er weiss, dass sein Wirken genau beobachtet wird. Sorgen auf Vorrat will er sich jedoch nicht machen. «Das Einzige, was wir tun können, ist die bestmögliche Vorbereitung auf jedes Fussballspiel und jeden Event.» Es bringe nichts, sich Gedanken zu machen, wie er selber auf öffentliche Kritik an seiner Arbeit reagieren würde. «In letzter Zeit gab es ohnehin kaum Ausschreitungen rund um FCB-Spiele, was wir zum grossen Teil den Fans zu verdanken haben», sagt er unaufgeregt.

Zuhören und lernen

Diese Nüchternheit kann ihm an seinem neuen Arbeitsplatz nur helfen. Bei Basel United war es in den vergangenen Monaten unruhig. Im September drohten die Teilzeitmitarbeiter des Stadiondienstes mit einem Streik, weil eine ihrer Vorgesetzten die Kündigung erhielt. Die Unruhe war die Folge von Restrukturierungen innerhalb des Unternehmens, die noch immer nicht ganz abgeschlossen sind. «Es ist ganz normal, dass solche Änderungen die Leute verunsichern», sagt Ulrich. Er selber wünscht sich, dass im Betrieb allmählich der Alltag einkehrt und sein Team «wieder mit Motivation und Freude an der Arbeit vorwärtsschaut». Dazu will er seinen Betrag leisten. Ulrich beschreibt sich als Chef, der «erst einmal zuhört, lernt und zu verstehen versucht». Er sei keiner, der einen neuen Job antrete und sogleich alles umkremple. «Schliesslich hat bei Basel United in den vergangenen Jahren sehr vieles sehr gut funktioniert.»

Aus diesem Grund verzichtet Ulrich derzeit darauf, ambitiöse Zukunftspläne zu entwerfen. Nur einen Wunsch formuliert er offensiv: «Ich möchte, dass wieder Open-Air-Konzerte im Stadion stattfinden.» Früher sei Basel die erste Adresse in der Schweiz für musikalische Grossevents gewesen, heute nicht mehr. In der Tat: Seit vier Jahren machen die grossen Konzertveranstalter einen Bogen um den St.-Jakob-Park, weil sie die Sicherheitskosten des Kantons für übertrieben halten. Er habe sich über dieses Thema auch schon mit dem Basler Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass unterhalten, sagt Ulrich. «Ich habe dabei gespürt: Es ist das gemeinsame Ziel von Basel United und dem Kanton, dass nicht mehr alle Grosskonzerte in Zürich oder Bern stattfinden.»

Ulrichs Flair für Events erklärt sich mit seinem beruflichem Werdegang. Der promovierte Jurist, der nie als Jurist gearbeitet hat, übernahm vor zehn Jahren bei der Swisscom in Bern den neu geschaffenen Bereich Eventmarketing. Später leitete er den gesamten Bereich Marketing und Kommunikation. Er war in dieser Funktion involviert in die Engagements des Telekom-Anbieters für den Schweizerischen Skiverband, den Schweizer Fussballverband und zahlreiche Events in Musik und Kultur. «Mein Beziehungsnetz im Bereich Veranstaltungen und Sportverbände ist sehr gut», ist Ulrich überzeugt. Was ihm dagegen noch etwas fehle, sei ein breites Kontaktnetz in der Politik. «Das muss aber kein Nachteil sein – so kann ich unbelastet auf die Leute zugehen und umgekehrt.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.12.2010, 14:17 Uhr

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1 Kommentar

peter meier

13.12.2010, 16:40 Uhr
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* Was ihm dagegen noch etwas fehle, sei ein breites Kontaktnetz in der Politik. «Das muss aber kein Nachteil sein – so kann ich unbelastet auf die Leute zugehen und umgekehrt*» das ist doch in Basel kein Problem sofern man das rote oder grüne Parteibuch besitzt...also Herr Ulrich rot/grün denken/handeln und Sie sind in bester Gesellschaft...und das BaZ-Abo nicht vergessen... Antworten



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