Basel
Panne bei Internetfahndung
Von David Weber. Aktualisiert am 14.08.2010 27 Kommentare
Links
Dossiers
Artikel zum Thema
Gestern Punkt acht Uhr morgens machte die Basler Staatsanwaltschaft wahr, was sie seit längerer Zeit angedroht hatte. Sie veröffentlichte im Internet Videostandbilder von 17 mutmasslichen Zürcher Fussballrowdys. Diese seien gefilmt worden, wie sie letzten November bei Ausschreitungen im St.-Jakob-Park eine «schwere Straftat» begangen haben, wie Markus Melzl von der Staatsanwaltschaft erklärt. Nach erfolglosen Identifikationsversuchen startete nun die öffentliche Fahndung nach den mutmasslichen Tätern. Nicht auf einer staatlichen Website, sondern auf der Seite des Fotodienstes Flickr, einem Tochterunternehmen von Yahoo. Erste Erfolge liessen nicht lange auf sich warten. Vier Personen meldeten sich gestern bei der Zürcher Polizei. Ihre Fotos wurden gelöscht.
Keine Manipulation
Um 18 Uhr dann die grosse Überraschung. Plötzlich waren alle Fotos verschwunden. Kriminalkommissär Markus Melzl erfuhr von der BaZ von der leeren Fahndungsseite. Er bot den Pikettdienst des kantonalen Zentralen Informatikdienstes (ZID) auf, der im Auftrag der Stawa die Internetfahndung aufgegleist hat. Kurz vor 20 Uhr waren die 13 noch nicht identifizierten Personenbilder wieder online.
Die Frage war aber, für wie lange? Denn nachdem der ZID zuerst einen Hackerangriff vermutete, klärte sich wenig später der Grund für die «Panne». Die Betreiber von Flickr selbst haben die Videostandbilder gelöscht. Das Publizieren von Fahndungsbildern widerspreche ihrer Geschäftsvorstellung, wurde den Basler Behörden mitgeteilt. Und prompt löschte Flickr die Bilder um 22 Uhr erneut. Der Informatiker des Kantons hatten offenbar nicht abgeklärt, ob die Fahndungsbilder auf Flickr platziert werden dürfen. «Nun muss der ZID die Bilder möglichst rasch auf einer kantonalen Homepage aufschalten», sagte Melzl. (Basler Zeitung)
Erstellt: 14.08.2010, 07:55 Uhr
WRITE A COMMENT
27 Kommentare
Hr. Huber: Flickr ist eine Foto Webseite mit Familenfotos, Reisefotos...mehr oder weniger gut.. Facebook ist für Leute die gern schwatzen und mit der ganzen Welt korrespondieren-. Fotos von Kriminellen gehören 100% NICHT auf flickr wo sich auch kleine Kinder vergnügen. Antworten
@Hr. Belser: Ich denke, der Betreiber einer Website bestimmt,was darauf publiziert wird und was nicht. Er ist ja auch verantwortlich. Ich kann die Vorgehensweise der ZID nicht anders als stuemperhaft bezeichnen. Es gibt ja wohl genug kantonale Websites, wo die Publikation moeglich gewesen waere. Antworten
Wichtig ist doch einfach, dass diese Kriminellen gefasst, der Strafjustiz zugeführt, abgeurteilt und hart bestraft werden, wo die Bilder letztlich im Internet veröffentlich werden ist völlig unwesentlich, so lang sie gut zugänglich sind. Ein Datenschutz der zum Kriminellenschutz verkommt verliert seine Legitimation und muss kritisch hinterfragt und allenfalls in die Schranken gewiesen werden. Antworten
@Can Boz! Es hält sie ganz bestimmt niemand in der Schweiz zurück, wenn sie gehen möchten, dann gehen sie ruhig! Was sie hier produzieren, sich hinter einem Pseudonym (Can Boz) zu verstecken und andere zu beschimpfen ist wahrlich keine Meisterleistung, solche Leute brauchen wir in der Schweiz ganz bestimmt nicht! Antworten
@ Cebi Pletikosa, ..vielleicht solltes Du Dich etwas schlau machen, bevor Du solchen Stuss rauslässt. Die Stawa hat ja wohl nichts mit dem ZID (für Dich: Zentraler Informations-Dienste) zu tun. Die Stawa gibt den Auftrag an das ZID, wenn man dort nicht weiss wie zu Handhaben...dürfte wohl eher der Fehler beim ZID zu suchen sein. Also erst denken dann schreiben.... Antworten
Es ist ganz interessant, wie sich jetzt gewisse Leute zu Fackelträgern des Persönlichkeitsschutzes hochstilisieren. Ist es frech, zu vermuten, dass sich darunter die gleichen Atomphysiker befinden, welche jeden Samstag in einem Club die Hosen runterlassen, um es dann brandheiss auf Facebook zu laden. Nach dem Motto: Mein nackter H....... möchte auch neue freunde treffen....? Antworten
Unverständlicherweise ist es Flickr egal, wenn Fotografen Bilder dort veröffentlichen, wo die darauf abgebildeten Personen verspottet werden... Täterschutz ist in Ordnung (Fahndungsbilder löschen), aber das Leben nichtöffentlicher, harmloser Personen darf ruiniert werden. Flickr unterliegt eh den Gesetzen der V.S.A. und diese sind eher faschistoid und sozialdarwinistisch. Antworten
Einige besserwisserische Kommentare entlarven nur die Ignoranz des Schreibers. Z.B. Martin Meier (08:42): Das Urheberrecht wird nicht an Flickr abgetreten! Oder Can Boz (10:05): Es wurde gegen keine AGB verstossen. Aber diese Kommentare gehen sowieso an der Sache vorbei: Solche Fotos gehören, wenn schon, dann auf eine Seite der Basler Behörden, und nicht auf irgendeinen privaten Dienst. Antworten
Ich finde den Internetpranger OK. Wenn Rechte von anderen die Persönlichkeitsrechte überwiegen, finde ich das mehr als OK. @ ZID -->>> stellet einen Wordpress Blog auf und die Bilder dazu. Verlinkt die bs Seite zum Pranger Blog. RSS Feed ist auch dabei, so kann man sich gemütlich ein paar Gesichter vorführen lassen... Das schafft jeder! Antworten
Dienstleister aus der Privatwirtschaft, ohne Absprache für diesen Zweck zu missbrauchen ist nicht nur dilettantisch, sondern auch grob fahrlässig. Es wiederspiegelt ein massives Unverständnis dieser Medien und Spielregeln. Das dies vom kantonalen IT Dienstleister in Eigenregie (?) erfolgte zeugt von sehr wenig Fachkompetenz. Antworten
@MarcoLardi: NICHT Polizei (Uniform / operativ), sondern STAWA (Büro / Ermittlung/ Anklage). Bitte nicht zu sehr auf Fehler achten, auch wenn sie nicht passieren sollten. Wichtig ist, dass unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen diese Rechtsbrecher ermittelt und bestraft werden. Weiter so, Polizei und Stawa, aber besser vorbereitet. Antworten
Naja kann doch passieren ist vermutlich ein Missverständnis. Wichtig ist, dass die Delinquenten wieder ins Netz kommen und auch identifiziert werden. Sonst werden diese Delinquenten früher oder später wieder vermummt Menschen in Gefahr bringen und der Allgemeinheit unnötige Kosten verursachen. Eins ist nun definitiv sicher gerade stehen zu ihrem Vandalismus werden diese Bubis nie stehen! Antworten
Insiderinformationen zufolge, war diese Aktion ein persönlicher Rachefeldzug von Basler Fans aus den Reihen von Verwaltungsangestellten. Es war ein Grauzonenakt, weil die Fahndungserfolge ausblieben. Das ewige feindschaftliche Thema; "Basler gegen Zürcher" oder vice versa ... Antworten
Nun ja, das Ganze ist ja neu und somit noch nicht wirklich "ausgetestet" - die Stawa (Herr Melzl) hätte sich das allerdings schon etwas genauer überlegen können - das wäre ja wie wenn Fahndungsbilder (WANTED...) an Wände von Privathäusern geklebt worden wären... klar, dass die Eigentümer da nicht einverstanden sind! Antworten
Na toll, was da wieder mal für Dilletanten am Werke sind. Haben die damals bei der Veröffentlichung von Videobildern der Schlägerei im 30er Buss und den gemachten Fehlern nichts gelernt? In der Privatwirtschaft wäre ein solcher Dillentantismus wägen Schädigung des Firmenrufes ein Kündigungsgrund!!! Zuerst Hirn einschalten und dann handeln! Antworten



Daniel Landwehr
Erfreulich, dass Flickr reagiert hat. Die Polizei muss endlich begreifen, dass wir nicht in einem Polizeistaat zu leben wünschen, wo die Polizei alles darf. Ich und zahlreiche andere Flickr-Benützer haben bei Flickr gegen den Missbrauch von Accounts protestiert. Zu Recht und erfolgreich! Antworten