Basel

Pflegeheim für Muslime ist denkbar

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 04.07.2011 59 Kommentare

Die Zahl der Pflegefälle mit Migrationshintergrund nimmt in 20 Jahren deutlich zu. Deshalb machen sich die Behörden bereits jetzt Gedanken zur künftigen Betreuung dieser Pensionäre.

Herausforderung: Migranten brauchen im Alter ein eigenes Betreuungsangebot.

Herausforderung: Migranten brauchen im Alter ein eigenes Betreuungsangebot.
Bild: Caro

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Die Behörden bereiten sich auf eine neue Herausforderung vor: Migranten, die im Alter Pflege benötigen. Braucht es Alters- und Pflegeheime für Muslime?

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Während sich die öffentliche Einwanderungsdiskussion um Arbeitsplätze, Kriminalität und Wohnraum dreht, arbeiten die basel-städtischen Behörden an einer ganz anderen Folge der Migration. Das Gesundheitsdepartement macht sich Gedanken über einen Marshallplan zur Frage: Wie viele Pflegeplätze werden wir künftig brauchen? Und für wen müssen wir welche Betreuungsangebote schaffen? «Ich glaube nicht, dass multikultureller Austausch funktioniert, wenn er erst im Alters- und Pflegeheim beginnt», sagt Philippe Waibel, Leiter Bereich Gesundheitsdienste im Kanton Basel-Stadt.

Gerade Einwanderer aus fernen Kulturkreisen haben nicht nur andere Ansprüche, ihre Leben zu leben, sie haben auch andere Ansprüche an die Pflege im Alter. Das beginnt bei der Sprache, geht übers Essen und führt bis zu einem anderen Schamverständnis, als es Mitteleuropäer kennen. Waibel sagt: «Da wird einiges auf uns zukommen. Deshalb machen wir uns Gedanken darüber, welche Angebote nötig sein werden.»

Generation Selbstbestimmung

Ein Blick auf die Hochrechnungen, mit denen die Behörden operieren, verdeutlicht, was Waibel meint, wenn er sagt, die demografische Veränderung laufe zwar schleichend, aber stetig: In 15 Jahren wird die Veränderung erstmals richtig sichtbar. Dann dürften 53 Pflegeheimplätze für die Bevölkerungsgruppe «Türkei» gebraucht werden, 48 für die Gruppe «Balkan» und 373 für die Gruppe «Mediterran». Bis in 25 Jahren steigen die Zahlen nochmals deutlich an: Die Prognosen gehen von 196 Pflegeheimplätzen für «Türkei» aus, 237 für «Balkan» und 793 für «Mediterran». Zum Vergleich: Einwanderer aus dem Balkan oder der Türkei haben aktuell kaum Angehörige, die ins Pflegeheim müssen. Für Menschen aus Spanien, Italien oder Portugal genügt zurzeit eine Wohngruppe in einem Pflegeheim.

Wenn Fachleute sich über die Zukunft der Altenpflege Gedanken machen, so stehen zwei Schlagworte im Zentrum: Selbstbestimmung und Internet. Philippe Waibel: «Es beginnt damit, dass die Babyboomer-Generation möglichst lange in einer eigenen Wohnung bleiben möchte.» Hinzu komme, dass die Gesellschaft immer mobiler werde und es deshalb eine beachtliche Zahl von Alleinstehenden gebe, deren Kinder – sofern sie welche haben – nicht in unmittelbarer Nähe leben. Gefragt seien deshalb neue Pflegemodelle, und die Siedlungsentwicklung müsse auf diese Umstände ebenfalls Rücksicht nehmen, so Waibel. «Wenn Basel viele Studenten anlockt, werden die künftig genau die gleichen Wohnungen suchen wie Pensionierte, die alleine leben.»

Facebook und iPad – Schüler unterrichten Senioren

Im Pflegeheim und beim betreuten Wohnen werde sich bei den kommenden Alters- und Pflegeheimbewohnern ausserdem eine andere Haltung bemerkbar machen, dessen sind sich die Fachleute sicher. «Die künftigen Alten kommunizieren im Internet und nehmen fordernder am Leben und der Gesellschaft teil als die Kriegsgeneration», sagt Waibel. Die Pflegeeinrichtungen seien gefordert, neue Modelle zu finden, sagt Felix Bader, Leiter der Abteilung Langzeitpflege beim Gesundheitsdepartement. «Die Ideen gehen von Wohngruppen bis hin zu Wohnheimen zum Beispiel für muslimische Migranten», so Bader.

Die SP-Grossräte Gülsen Oeztürk und Mustafa Atici haben sich bereits Anfang Jahr für die Idee starkgemacht, dass Basel ein Altersheim für muslimische Betagte brauche. Sie möchten das Thema lieber heute als morgen auf der politischen Agenda sehen. «Wir haben bei der ersten Generation der Migranten zu wenig darüber nachgedacht, wie und vor allem wo wir sie pflegen können», sagt Oeztürk. Die Behörden wollen vorwärtsmachen und Pflegeinstitutionen sowie Politiker und die künftige 70-plus-Generation auf den Marshallplan einschwören. Als ersten Schritt gibt es für Rentner ein Angebot für Nachhilfeunterricht zu iPad, Internet und Facebook. Im zweiten Halbjahr 2011 werden Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, Senioren im Gebrauch des Internets unterrichten. «Information, Kommunikation, Betreuung und Pflege werden zunehmend online angeboten. Wer die Internettechnik nicht zu nutzen weiss, der läuft Gefahr, von der Information und Kommunikation ausgeschlossen zu werden», so Waibel. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.07.2011, 08:17 Uhr

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59 Kommentare

florian schmied

04.07.2011, 09:24 Uhr
Melden 90 Empfehlung 0

Tschuldigung, aber da wird uns erklärt, dass die Durchmischung von Migrannten und Einheimischen in Wohngebieten zu fördern ist, die Schule komplett ein "Gemisch" sein soll und anschliessend muss das Füdli im Altersheim nach irgendwelchen Kulturregeln geputzt werden und das womöglich komplett auf Staatskosten ? Nein, nein, da ist mehr Selbstverantwortung der "Kulturen" gefragt, Bsp. gibt es genug ! Antworten


Kurt Stadler

04.07.2011, 09:49 Uhr
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Mein Vorschlag: Das sind noch 20 Jahre Zeit um die deutsche Sprache und die westlichen Gebräuche kennenzulernen. Falls jemanden das unmöglich erscheint, kann er oder sie gerne auch zurück in sein Heimatland. Antworten



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