Basel

Prostituierte werden abgezockt

Von Nina Jecker. Aktualisiert am 16.10.2012 11 Kommentare

Die Situation in Basel ist so schlimm geworden, dass einige Frauen schon fast den ganzen Verdienst für die Miete abgeben müssen – und das, obwohl sie täglich Freier bedienen.

Bis zu vier Frauen werden in einem Zimmer untergebracht, jede zahlt um die 400 Franken pro Woche.

Bis zu vier Frauen werden in einem Zimmer untergebracht, jede zahlt um die 400 Franken pro Woche.
Bild: Keystone

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Das Angebot an käuflicher Liebe ist in Basel enorm gewachsen – bei gleichbleibender Nachfrage. Seit Einführung der vollständigen Personenfreizügigkeit für Leute aus EU- und Efta-Staaten 2011 strömen Frauen aus Osteuropa und Deutschland nach Basel, um den hiesigen Markt zu testen (die BaZ berichtete). Leidtragende des Überangebots sind die Prostituierten selbst, die unter einem massiven Konkurrenzdruck anschaffen müssen.

Viky Eberhard von Aliena, der Basler Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen, kennt die Situation und weiss, mit welchen Problemen die Prostituierten zu kämpfen haben. Eines davon seien steigende Mietkosten. Wegen der neu ankommenden Frauen würden im hiesigen Rotlichtbezirk langsam die Zimmer knapp, in denen die Frauen ihre Kunden bedienen, was die Preise für die Unterkünfte in die Höhe treibt. Zwar würden die Kontaktbars von den Mieter­innen nach wie vor je rund 400 Franken wöchentlich verlangen. «Teilweise sind aber mittlerweile bis zu vier Frauen im selben Raum untergebracht.»

Sex schon ab 40 Franken

Andernorts ist ein Zimmer noch teurer. «Es gibt Frauen, die sich in einer Wohnung selbstständig machen. Zimmer, die sie nicht brauchen, vermieten sie.» Üblich seien hier mittlerweile Preise von bis zu hundert Franken pro Tag. Ein Preis, den viele nur noch schwer berappen können. Durch das übergrosse Angebot sind nämlich gleichzeitig die Preise für sexuelle Dienstleistungen zusammengebrochen. «Geschlechtsverkehr ist heute bereits für 40 Franken zu haben», sagt Eberhard. Vor der Einführung der Personenfreizügigkeit hätten die Frauen dafür im Schnitt noch einen Hunderter verlangen können.

Die Situation in Basel ist so schlimm geworden, dass einige Frauen schon fast den ganzen Verdienst für die Miete abgeben müssen – und das, obwohl sie täglich Freier bedienen. «Wenn eine Sexarbeiterin zwei Wochen lang nichts verdient hat, raten wir ihr deshalb, nach Hause zu fahren oder in eine andere Stadt weiterzuziehen. Dort hat sie vielleicht bessere Chancen, denn die Freier wollen immer neue Frauen haben», sagt Eberhard. Wer zu lange in einer Stadt bleibt und nichts verdient, sitze dort ­irgendwann fest, ohne Geld für die Heimfahrt. Im schlimmsten Fall kämen noch Schulden hinzu. Eindämmen kann man den Strom neuer Ausländerinnen nicht. «Ein Kontingent wäre auch gar nicht sinnvoll, denn kommen würden die Frauen trotzdem, würden dann aber in die Illegalität abgedrängt», sagt Eberhard.

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit weist bereits regelmässig Frauen ab, die in Basel tätig werden möchten. «Sie können sich nicht einfach von sich aus melden und dann hierherkommen. Die Anmeldung muss vom Arbeitgeber, also einem Salonbesitzer, durchgeführt werden», sagt Amtsleiter Hansjürg Dolder. Wer als Selbstständige hierher kommen möchte, muss den Behörden bei der ersten Einreise unter anderem einen vollständigen Businessplan vorlegen. «Etwas, das äusserst selten geschieht», bemerkt Dolder dazu.

Einfach verweigern kann man den Frauen aus dem EU/Efta-Raum die Einreise nicht; die Abkommen über die Personenfreizügigkeit müssen eingehalten werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.10.2012, 11:38 Uhr

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11 Kommentare

Sibylle Weiss

16.10.2012, 15:09 Uhr
Melden 50 Empfehlung 3

Nur leider machen Geldnöte vor den Prostituierten nicht Halt. Schon mal was von Working Poors gehört, wo Leute den ganzen Tag 100% arbeiten und der Lohn dennoch nicht zum Leben reicht?Eben! Antworten


Franu Fallouver

16.10.2012, 15:45 Uhr
Melden 37 Empfehlung 2

Das leidige Thema Anschaffen um des Geldes Willen. Seit Bestehen der Menschheit aktuell. Weshalb wird bei den Hausbesitzern weggesehen, wenn bekannt ist, dass die Zimmer zu Wucherpreisen abgegeben werden? Scheinbar ein Problem das gefördert sein will, sonst könnte man mit Sicherheit eingreifen. Über solche Zustände nicht mehr berichten - nur unter dem Motto "man hat wieder darüber gesprochen! Antworten



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