Basel
Relikte aus der Zeit des Kalten Krieges
Von David Weber. Aktualisiert am 06.06.2011 19 Kommentare
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Die 15 Meter lange, sanft abfallende Rampe endet bei einer gelb gestrichenen Türe. Dahinter befinden sich mächtige Betontüren. «Schleusenspülzeit 4 Minuten» steht auf einer silbrigen Platte. Nach der Schleuse öffnet sich eine Anlage, die sich drei Stockwerke tief in den Boden gräbt, ein Labyrinth aus Gängen und niedrigen Räumen.
Die kühlen Betonwände verbreiten eine bedrückende Stimmung. Auf den ersten Blick wähnt man sich in einer normalen Zivilschutzanlage. Aber diese Räumlichkeiten haben eine spezielle Funktion. Darauf weist das kleine quadratische Schild «Eingang Notspital» hin.
Wir befinden uns direkt unter dem Claraspital im Hirzbrunnenquartier. Hier im Untergrund verbirgt sich ein zweites Spital. Der Kontrast zum hochmodernen Privatspital über dem Boden ist gross. Modern ist hier unten so gut wie nichts. Doppelstöckig ragen die Betten der Intensivpflegestation – cremefarbene Metallkonstruktionen – aus den Wänden. Insgesamt gibt es 480 Pflegebetten. Die Matratzen sind mit militärgrünem Plastik überzogen. In der Mitte des Operationsraums steht ein Metalltisch. Im Nebenraum ist die Zentral-sterilisation untergebracht. Zwei mit einer Halbkugel abgeschlossene Zylinder befinden sich dort. Sie sehen aus wie der kleine Roboter R2D2 aus den «Star Wars»-Filmen und dienen der Sterilisation von Operationsgeräten. Einen Raum weiter steht ein grauer WC-Stuhl neben einer alten Röntgenplatte.
Gespenstische Leere
Die Gänge sind gelb, grün oder beige gestrichen, vereinzelt hängen farbige Bilder an den Wänden. Ein Versuch, der Anlage ein wenig von der Tristesse zu nehmen. Es gelingt nicht. Die Leere mutet gespenstisch an. Verlassen liegt das Spital seit dem Bau im Jahr 1988 unter dem Boden, wartend, scheinbar vergessen. In Basel gibt es noch zwei solcher geschützter Spitäler, früher «geschützte Operationsstelle» (Gops) genannt. Das andere befindet sich im vierten und fünften Untergeschoss des Universitätsspitals. Die Gops im Unispital wurde 1981 in Betrieb genommen und umfasst 864 Betten, zwei Operationssäle und zusätzlich 3000 Betten für den Bevölkerungsschutz.
Die Notspitäler sind Relikte des Kalten Krieges und wurden im Auftrag des Bundes gebaut – finanziert vom Bund und den Kantonen, die Ausrüstung stammt vom Militär. Unter dem Boden, vor Bomben geschützt, soll so im Kriegsfall – oder wenn die Oberfläche atomar oder durch andere giftige Substanzen verseucht ist – die Gesundheitsversorgung sichergestellt werden können. So die ursprüngliche Idee.
Nicht auf dem neusten Stand
Unispital und Claraspital halten die Gops betriebsbereit. Grundlage dafür ist ein Leistungsauftrag des Kantons. Maximal 55'000 Franken erhält das Claraspital pro Jahr für den Unterhalt. Dazu gehören die regelmässige Reinigung, wie Alexandre Wilhelm vom technischen Dienst des Claraspitals erklärt, sowie die Wartung der Apparaturen. Viele Geräte und Materialien sind alt und entsprechen nicht dem Standard eines normalen Spitals, wie die Sterilisationsbehälter oder die Gipsbinden in den goldenen Blechdosen. Sie erfüllen aber ihren Zweck.
Auch die gebunkerten Lebensmittel werden regelmässig durch frische ersetzt. Denn wenn das Spital an der Oberfläche komplett geschlossen werden müsste, wird im Notspital gekocht. Der Speiseplan sähe folgendermassen aus: An einem Montag gäbe es zum Mittagessen «Schweinsgeschnetzeltes, Stock, Bohnen», am Abend «Suppe, Thonsalat, Brot»; am Dienstag «Bratwurst, Teigwaren, Randensalat» und zum Znacht «Suppe, Reis mit Schinkensauce». Am Sonntag stünden «Schweinsragout, Stock, Maissalat» und «Suppe, Milchreis, Zimt-Zucker» auf dem Menüplan.
«Nicht zeitgemäss»
Im Katastrophenfall muss das Claraspital innert zwei Stunden 200 Pflegeplätze in der Qualität eines Sanitätspostens bereistellen können, die gesamte Anlage, die so gross wie drei Fussballfelder ist, innert zwei Wochen. Claraspital-Direktor Peter Eichenberger betont, dass sein Team die Inbetriebnahme des geschützten Spitals in der erforderlichen Zeit sicherstellen könnte.
Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er die riesige unterirdische Anlage auf dem Grund des Claraspitals für nicht mehr für zeitgemäss hält und den Platz lieber anders nutzen würde. (Basler Zeitung)
Erstellt: 06.06.2011, 13:15 Uhr
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19 Kommentare
Wie bitte, was lese ich da eine Anlage die wohl nie gebraucht wird ? Klar ich will mir nicht anmassen ein Prophet zu sein und hoffe auch inbrünstig, dass ich Unrecht habe aber wartet's mal ab, ihr werdet sehen, dass diese Anlage in Bälde in Betrieb genommen werden "muss!"
PS. Bitte nicht aufregen einfach mal abwarten...gell!
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Die Notspitäler müssen unbedingt solange bereit gehalten werden als die AKWs Fessenheim, Benzau I/II und Leibstadt in Betrieb sind, aber die Kosten müssten die Betreiber dieser atomaren Russisch-Roulet-Maschinen tragen. Die Verwaltunsräte und Kaderleute der AKWs müssten ibei einem Atomunfall von einer Behandlung ausgeschlossen werden. Antworten
Basel
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