Basel
Riesencoup gegen Einbrecherfamilien
Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 22.05.2010 17 Kommentare
Auf Einbruchtour: Die Roma dringen am Tag und mit Schraubenzieher in Häuser ein. (Bild: Colourbox)
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Die Genugtuung stand Staatsanwalt Bernard Lebeau aus Colmar gestern Nachmittag ins Gesicht geschrieben. Immerhin ist den französischen Untersuchungsbehörden der grösste Schlag gegen die organisierte Kriminalität in den letzten Jahren gelungen. Lebeau: «Wir konnten achtzehn Personen festnehmen, die in Frankreich, Deutschland und der Schweiz auf Einbruchtour gegangen sind.»
Die Festgenommenen gehören zu drei Roma-Familien und sind zwischen fünfzehn und neunundvierzig Jahre alt. Sie lebten in einem Zigeunercamp bei Bischwiller, einem Ort nördlich von Strassburg. Von ihrem Camp aus organisierten die Zigeuner Einbruchtouren ins Badische, in die Elsässer Departemente Haut-Rhin und Bas-Rhin, bis nach Belfort sowie in die Grossregion Basel.
Aufwendige Ermittlungen
Die Polizei nahm am Donnerstag sechzehn Personen im Elsass fest, zwei Drahtzieher und Hintermänner schnappten die Ermittler in der Region von Paris. Unter den Verhafteten sind mehrere minderjährige Mädchen und junge Frauen.
Im Frühjahr 2009 kam es im Dreiländereck zu einer Einbruchserie; vor allem Einbrecherinnen sorgten für Schlagzeilen. Auch Deutschland und das Elsass waren betroffen. Die Einbrüche im Dreiländereck nahmen bis zu fünfzig Prozent zu. Schweizer Strafverfolgungsbehörden – vor allem Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn – sowie Deutschland haben die französische Polizei mehrfach darauf hingewiesen, dass die Diebe vom Elsass aus operieren.
International tätig
Anna Gindensperger von der französischen Gendarmerie: «Es war schwierig, die Einbrecher gleich nach dem Grenzübertritt dingfest zu machen, weil sie mit dem Bus oder dem Zug reisten und in der Menge untertauchten.» Lebeau wies darauf hin, dass die Ermittlungen sich als sehr aufwendig erwiesen, da drei Länder und drei verschiedene Rechtssysteme involviert waren. «Die Zusammenarbeit klappte dennoch sehr gut», sagt Markus Melzl, Mediensprecher von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Auch Edmund Reichenbach, Leiter der Landespolizeidirektion Freiburg, lobt den Austausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden.
Als Reaktion auf die Einbruchserie intensivierte die französische Polizei ihre Ermittlungen. Das Polizeikommissariat in Strassburg setzte die Sonderkommission «Balkan 68» ein. Die Identifizierung der Einbrecher stellte sich für die Ermittler als grösstes Problem heraus. Jean-Luc Laumont, Abteilung Fahndung der französischen Gendarmerie: «Wen wir erwischten, der hatte meist einen ungültigen Pass aus Ex-Jugoslawien dabei.» Die Personen, gegen die die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erheben wird, kommen aus Italien, Frankreich, Kroatien und Bosnien. Bernard Lebeau: «Der Coup gegen die Banden hat für uns symbolische Bedeutung. Wir erhoffen uns eine abschreckende Wirkung auf andere Diebesgruppen.»
Straff organisiert
Die drei Roma-Familien waren straff organisiert. Meistens gingen die Frauen auf Einbruchtour, während die Männer die Einbruchobjekte aussuchten, die Frauen zu den Häusern fuhren und halfen, die gestohlenen Gegenstände fortzuschaffen. Das Operationsgebiet der Bande erstreckte sich von England über Belgien, Frankreich, Deutschland, die Schweiz bis nach Spanien.
Ungefähr dreissig Personen standen im Visier der Ermittler. Laumont: «Die Überwachung der einzelnen Personen war sehr schwierig und erstreckte sich über mehrere Länder.» Die Polizei beschlagnahmte mehrere Luxusautos der Marken Mercedes und Audi sowie Luxusuhren. Das Diebesgut war für den Schwarzmarkt bestimmt. Ausserdem fanden die Fahnder Bargeld im Wert von rund 650'000 Franken. (Basler Zeitung)
Erstellt: 22.05.2010, 09:02 Uhr
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17 Kommentare
"Wir erhoffen uns eine abschreckende Wirkung...." Die Hoffnung stirbt zuletzt! Denn ich bezweifle diese Wirkung sehr! Warum auch? Erstens werden sich die Leute bald wieder auf freiem Fuss befinden! Es werden sich schon Gründe für ein mildes Urteil finden! Die Gefängnisse sind zudem meist voll! Und die Zustände in unseren Gefängnissen sind für diese Leute bezahlte Ferien! Also wo ist der Schrecken? Antworten
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