Basel

Roches vertikaler Campus wird dezenter

Von Patrick Marcolli. Aktualisiert am 15.12.2010 24 Kommentare

Nach einem architektonischen Finetuning präsentiert Roche zur Publikation des Baugesuchs die definitive Gestalt des neuen Hochhauses. Das Gebäude soll deutlich dezenter und symmetrischer werden.

1/9 Vorher und nachher: Helle Scheiben (rechts), wie sie jetzt vorgesehen sind, sollen das Hochhaus besser ins Stadtbild einbetten. Visualisierungen: Herzog & de Meuron

Roches vertikaler Campus wird dezenter

   

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Die Baugrube entlang der Grenzacherstrasse weist bereits heute auf das grösste Bauvorhaben des Basler Pharmakonzerns Roche (ROG 152.4 0.26%) hin: Dort, wo der Rückbau von zwei alten Produktionsgebäuden in vollem Gang ist, werden schon bald die Fundamente für den neuen «Bau 1» gelegt, das 180-Meter-Bürohochhaus von Herzog & de Meuron. Vom neuen Bau zu sehen bekommen wird man allerdings noch eine ganze Weile nichts. Es wird aller Voraussicht nach Ende 2012 werden, bis die Arbeiten im Bereich der künftigen Untergeschosse beendet sind und das Gebäude in die Höhe zu wachsen beginnt.

Mit dem heutigen Tag wird eine weitere Wegmarke erreicht: Roche publiziert das Baugesuch, welches nun auf dem Bauinspektorat einsehbar ist. Und mit dem heutigen Tag gibt der Pharmakonzern auch neue Visualisierungen frei. Sie zeigen einen eleganter wirkenden und deutlich dezenteren Roche-Turm, als es noch die letzten Darstellungen aus dem Hause Herzog & de Meuron taten.

Besser eingebettet

Es sind vor allem zwei Neuerungen, die ins Auge stechen: Entlang der Grenzacherstrasse fügt sich das Hochhaus nun in die Strassenflucht ein (siehe zweites Bild in der obigen Bildstrecke). Die horizontalen Bänder, welche die Stockwerke markieren, kragen nicht mehr aus oder sind unregelmässig aufeinandergesetzt. Sie verlaufen parallel zur Strasse und auf der Höhe der bestehenden Gebäude. «Bau 1» wirkt so, zumindest auf den Visualisierungen, wesentlich homogener und besser eingebettet in den doch engen Raum zwischen Bau 52, dem Hochhaus von Roland Rohn, und dem Produktionsgebäude vor der Solitude. Auffallend ist auch die grosse Terrasse im vierten Geschoss gegen den Rohn-Bau hin, die den Abschluss der mit Sondernutzungen wie Auditorium oder Personalrestaurant belegten unteren Einheiten bildet.

Diese von der Architektur vermittelte neue Ruhe setzt sich in den darüber liegenden Geschossen fort. Waren die einzelnen Stockwerke bisher unregelmässig abgetreppt, so werden nun auf der Westseite, in Blickrichtung Rohn-Hochhaus und Münster, jeweils zwei Stockwerke eine Stufe bilden, bevor die nächsten beiden Stockwerke – ebenso gleich weit zurückversetzt – die nächste Stufe markieren. Auf der Ostseite, die steiler abgetreppt ist und deshalb fast eine horizontale Linie darstellt, bilden jeweils drei Stockwerke eine Stufe.

60 Prozent der Aussenfläche besteht aus Glas

Dieses neue Gesamtbild wird vervollständigt durch den Einsatz von hellen Fenstergläsern. Auf den bisherigen Visualisierungen ging man von dunkleren Scheiben aus, was die horizontalen weissen Bänder und damit die einzelnen Stockwerke wesentlich stärker betont hätte. Ein Blick auf die meisten bestehenden Gebäude auf dem Roche-Areal und den Herzog & de Meuron-Neubau an der Wettsteinallee zeigt: Die Bautradition von Roche hätte eine starke Betonung der Horizontalen auch bei «Bau 1» durchaus gerechtfertigt. Offensichtlich wird durch diese Änderung nun das Bemühen von Architekten und Konzern, das neue Hochhaus so gut wie unsichtbar zu machen und so dezent wie möglich in die Stadtsilhouette einzufügen. 60 Prozent der Aussenfläche des neuen Turms besteht aus Glas. Die Frage bleibt offen, inwieweit das helle Glas tatsächlich so transparent wirken wird wie auf den Visualisierungen. Auf dem Roche-Areal in Kaiseraugst wird an einer Fassadenattrappe jedenfalls bald der «Ernstfall» geprobt werden.

Für Matthias Baltisberger, Standortleiter Roche Basel, ist die allgemeine Wahrnehmung des architektonischen und gestalterischen Finetunings die Folge davon, wie früh das Projekt schon der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Fast genau vor einem Jahr präsentierte der Konzern die zweite und nun gültige Version des Roche-Hochhauses den Medien. Ein Gebäude, welches keinen Bebauungsplan voraussetzt, so Baltisberger, wäre ungefähr zum jetzigen Zeitpunkt, also dem Datum des Baugesuchs, erstmals gezeigt worden. Das heisst: Üblicherweise hätte die Öffentlichkeit nicht mitverfolgen können, wie sich das Projekt entwickelt. Der Konzern wolle mit dieser Strategie der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit auch zum Ausdruck bringen, dass Roche sich der grossen Verantwortung, welche so ein Bauvorhaben mit sich bringt, bewusst sei. Im Vordergrund stehe in diesem Zusammenhang das Bestreben, das Hochhaus möglichst stadtbildverträglich zu gestalten. Baltisberger sagt, die diesbezügliche Sorgfalt und Transparenz der Planer habe sich auch darin niedergeschlagen, dass dem Projekt bisher kein nennenswerter Widerstand erwachsen ist. Weder in der Politik noch aus dem betroffenen Wettsteinquartier.

Eine kommunikative Herausforderung

Eine grosse Verantwortung tragen die Planer auch gegenüber der Konzernleitung, vor allem bei den Projektkosten. Baltisberger betont, man bewege sich im Budget von 550 Millionen Franken. Zur Belastung für den Konzern könnte die Tatsache werden, dass der «Bau 1» just in dem Moment geplant und gebaut wird, da Roche unter dem Begriff der «Operational Excellence» weltweit 4800 Stellen abbaut, 350 davon am Hauptsitz Basel. Baltisberger sieht darin zwar eine kommunikative Herausforderung, aber keinen inhaltlichen Widerspruch. «Das Projekt zu stoppen hiesse, dass Roche nicht an die Zukunft glaubt.» Das Hochhaus sei inhaltlich durchaus stimmig mit der laufenden Initiative. Die Zusammenführung von rund 1900, bislang über mehrere Standorte verteilten Arbeitsplätzen, trage zur Effizienzsteigerung des Unternehmens bei.

Zudem, und das wird beim Betrachten der immer konkreteren Visualisierungen aus dem Hochhausinnern deutlich, setzt die Roche auch auf neue Arbeitsformen: Der einzelne Arbeitsplatz beansprucht weniger Fläche, dafür werden die Zonen grösser, in denen die Angestellten miteinander kommunizieren sollen. Ein identisches Konzept verfolgt die Novartis auf ihrem Campus. Es liegt deshalb nahe, im künftigen Roche-Turm, der 2015 in Betrieb gehen soll, einen vertikalen Campus zu sehen. Während Novartis ihr Wunschareal vor allem in der Fläche ausbreitet, wächst Roche, die im dichten Wettsteinquartier dazu keine Möglichkeiten mehr hat, nun vor allem in die Höhe. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.12.2010, 13:54 Uhr

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24 Kommentare

Ruedi Amsler

15.12.2010, 18:57 Uhr
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Auch zukünftig müssen die Roche-Mitarbeiter offenbar die Grenzacherstrasse auf dem Fussgängerstreifen überqueren. Leider sieht die Wahrheit nicht so aus wie auf dem Bild: keine vielen Fussgänger sondern VIELE AUTOS. An eine elegante Überführung, Fussgängerbrücke, o.ä. haben die HdM offenbar nicht gedacht. Schade! Es wird also weiterhin gefährlich sein beim Überqueren in der Mittagspause... Antworten


Ronnie König

15.12.2010, 16:01 Uhr
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Von mir aus dezent. Ich sehe da auch nicht die Revolution. Die kommt mit den Novartis und anderen Towers. Das Mikroklima wird dann verändert! Erst dann kommen diese Türme zur Geltung, weil man sie nicht nur sieht sondern auch spürt. Aber das interessiert kein Architekt. Bei (Hoch)Nebel sitzen die dort oben voll in der Suppe. Kann man dann auch dezent nennen. Antworten



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