Basel
Rumänen-Bande klaut Baslern das Kupfer
Von Silvana Guanziroli und Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 25.09.2012 30 Kommentare
Kupfer ist das neue Gold
In den letzten Jahren ist die Kupfernachfrage weltweit enorm gestiegen. Wegen der guten Leitfähigkeit findet das Edelmetall in der boomenden Elektrobranche grosse Verwendung. Asien und insbesondere China sind die grössten Abnehmer. Die Förderung des Rohstoffs konnte jedoch im Gegenzug nur langsam gesteigert werden. Das Angebotsdefizit treibt die Preise in die Höhe, die Tonne Kupfer kostet aktuell 7757 Franken. Für die Metallhändler hat das Recycling von Altkupfer an Bedeutung gewonnen. Der Hauptteil der Kupfernachfrage in Europa wird heute bereits durch Recycling abgedeckt – eine Situation, die den Kupferdiebstahl fördert. Europaweit ist das Phänomen bekannt.
Die Diebe riskieren sogar ihr Leben. Sie klauen über den SBB-Geleisen die Erdungskabel, die neben der Fahrleitung, einer 15'000-Volt-Leitung, liegen. Die SBB haben ihre Patrouillen entlang der Geleise verstärkt. Die Deutsche Bahn bestreicht mittlerweile ihre Leitungen mit einer Substanz, die mit UV-Licht die Diebe verrät.
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Rumänische Kupferdiebe klauen das Basler Edelmetall im grossen Stil und verkaufen es in Frankreich. Muss die Polizei ihre Massnahmen gegen die Bande verstärken?
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Sie kommen nachts und fast immer zur gleichen Zeit. Eine gut organisierte Bande von Rumänen schleicht sich in der Nähe des Grenzübergangs St-Louis auf den Bahngleisen der TGV-Strecke Basel–Paris in die Schweiz. Die Bande hat dabei nur ein Ziel vor Augen: Sie will zur Recycling-Firma Schmoll, die rund 300 Meter hinter der Grenze liegt.
Die Firma hat sich auf die Verwertung und den Handel mit Altmetall spezialisiert. Auf dem Firmengelände lagert sie tonnenweise Material, darunter wertvolles Kupfer (siehe Text links). Und genau darauf hat es die Rumänen-Bande abgesehen. «Bei dieser Firma haben wir schon Dutzende von Diebstählen und Einbrüchen festgestellt. Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich mehrheitlich um Rumänen», bestätigt Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Allein seit Jahresbeginn hat die Bande rund 20-mal zugeschlagen. Im Schnitt also einmal alle zwei Wochen.
Kupferdiebe gehen dreist vor
Der Basler Zeitung liegen Informationen aus Ermittlerkreisen vor. So hat die rund 20-köpfige Gruppe erst kürzlich eine ganze Tonne Kupfer geklaut. «Dafür kamen sie in derselben Nacht gleich zweimal zur Firma», sagt der Informant. «Sie brauchten gut eine Stunde, um das bereitgestellte Fahrzeug zu beladen. Dann fuhren sie weg, entluden das Auto und kamen wieder», sagt der Informant. Laut dem Ermittler, der unerkannt bleiben möchte, sei es schwierig, der Bande das Handwerk zu legen. Es sei sowohl bei der Polizei und der Grenzwache zu wenig Personal vorhanden. Klaus Mannhart von der Kantonspolizei Basel-Stadt widerspricht: «Wir sind sehr aktiv in der Überwachung der Firma Schmoll. Dabei arbeiten wir sehr eng mit der Grenzwache und der Gendarmerie zusammen.»
Mehrere Kupferdiebe konnten in den letzten Wochen verhaftet werden. Peter Gill: «Vor gut zwei Monaten stellten wir rund 20 Personen fest. Sie bildeten eine Kette und jeder reichte dem anderen das Diebesgut weiter. Beim Zugriff fassten wir mehrere Personen. Einem Teil gelang die Flucht.»
Verfolgungsjagden mit der Polizei
Es ist ein wahres Katz-und-Maus-Spiel, das sich Polizei und Kupferdiebe liefern. Immer wieder kommt es zu Verfolgungsjagden. In einem Fall wurde ein Rumäne von einem Diensthund gebissen, in einem anderen sprangen zwei Diebe von der Eisenbahnbrücke auf die Schlachthofstrasse. Einer der Männer zog sich dabei einen doppelten Fersenbruch zu. «Der Verletzte kam für die Erstversorgung ins Spital», sagt Peter Gill. «Darauf bekam er einen Strafbefehl und wurde nach Frankreich ausgeschafft, damit er keine weiteren Spitalkosten verursachen konnte. Für diese kommt der Steuerzahler auf», erklärt Gill.
Bei Wiederholungstätern ist das Vorgehen härter. «Wir führen die mutmasslichen Täter dem Zwangsmassnahmengericht vor. Dieses entscheidet über Untersuchungshaft oder nicht. Wir haben ein grosses Interesse daran, dass die Verdächtigen in U-Haft kommen, weil es mehrere Tage dauert, bis wir allfällige DNA-Hits von anderen Kantonen erhalten», erklärt Gill.
Bei der Firma Schmoll hat man in den letzten Wochen massiv aufgerüstet. Ein meterhoher Gitterzaun mit Stacheldrahtelementen erinnert mehr an ein Gefängnis als an eine Altmetallverarbeitung. Zudem wird das ganze Areal videoüberwacht. Die Firmenleitung wollte sich zum Kupferdiebstahl nicht äussern. Mit der Arbeit der Polizei sei man jedoch zufrieden, hiess es.
Edel-Schrott landet in Osteuropa
Mit der geklautenWare verschwindet die Rumänen-Bande wieder nach Frankreich. Laut Staatsanwaltschaft wird das Kupfer dort verkauft. In der Schweiz erhält man für ein Kilogramm Alt-Kupfer von guter Qualität 7.10 Franken. Bei einer Tonne sind das satte 7100 Franken. Ein lukratives Geschäft für die Kupferdiebe. Der Absatz von Diebesgut ist hierzulande aber kaum möglich.
«Will mir eine Privatpersonen eine grosse Menge Kupfer verkaufen, finde ich das verdächtig. Das nehme ich ganz sicher nicht», sagt Altmetall-Händler Ilja Juric. Er meldet verdächtige Händler dem Verband Stahl-, Metall- und Papier-Recycling. Dieser leitet diese Warnungen an seine Mitglieder weiter. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist für Kupferdiebe deshalb gross. Vermutet wird, dass der Edel-Schrott zur weiteren Verarbeitung in Osteuropa landet.
(Basler Zeitung)
Erstellt: 25.09.2012, 07:44 Uhr
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30 Kommentare
Wären diese Rumänen Schweizer Einheimische würden sie mit einem Grossaufgebot mitsamt Superpuma dingfest gemacht. (siehe Harrassenlauf). Ich denke wir sind einfach die Betrogenen. Wir bezahlen und ertragen hier den ganzen Staatsapparat. Dieser macht sich lieber über uns lustig, zieht uns das Geld aus der Tasche und erfüllt seine Aufgaben nicht. Antworten
Soviel zur sogenannt guten Zusammenarbeit mit den Franz. Behörden, u.A. Polizei! Denen ist es doch absolut egal, wenn diese Kriminellen nach F flüchten. Siehe Casinoüberfall etc! Das nennt man Grenzüberschreitende Zusammen(nicht)arbeit! Denn wenn diese Banden so gut organisert sind, sollte es doch auch Möglich sein, auf der Französischen Seite etwas mehr dagagen zu tun! Antworten
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