SRG in Basel: Kulturkampf um den «Kulturplatz»
Von Christian Mensch. Aktualisiert am 01.03.2010 8 Kommentare
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Aus Angst, dass die Zusammenführung von Radio DRS und Schweizer Fernsehen den Radiostandort Basel schwächt, fordern DRS-Mitarbeiter einen «Mediencampus» in Basel. Braucht es das?
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In zwei bis drei Jahren soll das Radiostudio Bruderholz geräumt sein. Der Entschluss ist gefasst, eine weitere Renovation des asbestverdächtigen Studiobaus wird ausgeschlossen. Doch die Suche nach einem neuen Standort ist schwierig: Niemand weiss derzeit, welche Programme und Sendungen die SRG künftig in Basel produziert.
Die Unsicherheit rührt vom grossen SRG-Projekt Medienkonvergenz her, bei dem Radio DRS und das Schweizer Fernsehen (SF) in einer Struktur zusammengeführt werden. Dabei herrscht ein grosses Gerangel zwischen den Radio- und Fernsehmachern und zwischen den verschiedenen Standorten. Die SRG-Spitze hat sich aus politischen Überlegungen zwar frühzeitig dazu bekannt, dass Basel wie Zürich und Bern Sitz eines Hauptstudios bleiben soll. Doch der Ermessensspielraum, wie viel nötig ist, um diese Verpflichtung einzuhalten, ist gross.
Resignation und Euphorie
Unter den DRS-Mitarbeitern auf dem Bruderholz finden sich Resignierte, die befürchten, neben dem «Regionaljournal» werde in Basel lediglich ein kulturelles Rumpfprogramm verbleiben. Doch es gibt auch Euphorisierte, die glauben, nun sei die Gelegenheit gekommen, die gesamte DRS-Kulturabteilung inklusive Fernsehen und Online für Basel zu gewinnen.
Niggi Ullrich, Kulturbeauftragter Baselland und Präsident der regionalen SRG-Genossenschaft, hatte die Idee eines Basler «multimedialen Kompetenzzentrums für Kultur und Wissenschaft» bereits Ende 2008 vorgetragen. Sein bevorzugter Standort für ein neues Studio wäre das Dreispitz-Areal. Ulrichs Initiative verpuffte ohne wahrnehmbare Resonanz. Die DRS-Arbeitsgruppe für die Zusammenführung der Kulturabteilungen nahm seine Idee jedenfalls nicht auf und machte halbherzige Vorschläge: Die DRS-Kultur erhalte zwar eine gemeinsame Führung, doch in Basel bliebe DRS 2 und in Zürich «SF kultur». Der Standort Basel hätte nichts gewonnen, aber ausser der Radiodirektion auch wenig verloren.
Fraktion für multimedia-Standort Basel
Dem Steuerungsausschuss war die vorgelegte Minimalvariante zu wenig, und er verlangte im vergangenen Herbst eine weiter gehende Konvergenz. Nun sollen auch die Radio- und Fernseh-Fachredaktionen zusammengelegt werden – was die Standortfrage wieder ins Zentrum rückte. Da die knappe Finanzierung des Konvergenzprojekts keine aufwendigen neuen Studios in Basel zulässt, sahen sich die Resignierten in ihrem Pessimismus bestätigt: Basel werde auf Kosten von Zürich geschwächt. Sie sahen sich auch bestätigt, als bekannt wurde, dass auch die in Basel angesiedelte Wissenschaftsredaktion abwandern und in die Informationsabteilung integriert werden soll.
Die neuen Vorgaben stachelten jedoch auch die Euphorisierten an. Etwa Personen im Umkreis von Marco Meier, dem Studioleiter Basel, Programmleiter von DRS 2 sowie ehemaligem Fernsehmacher der «Sternstunden». Diese Fraktion macht sich nun intern für einen multimedialen DRS-Standort Basel stark. Die Losung heisst: wenn schon Medienkonvergenz im Kulturbereich, dann richtig. Grosse TV-Produktionen sollen zwar in Zürich bleiben, aber Sendungen wie «Sternstunde» oder auch «Kulturplatz» müssten nach Basel umziehen.
Schneller Standortentscheid gefordert
Auch die Wissensredaktion ist aktiv geworden. In einem Memorandum und mit einer Unterschriftensammlung wirbt sie für einen «Mediencampus Basel». Renommierte Wissenschaftler machen sich in einem Schreiben an die SRG-Generaldirektion für ihren Verbleib in Basel stark. In der logischen Konsequenz müsste damit neu auch die «Einstein»-Redaktion von SF nach Basel ziehen. Anders als Niggi Ulrich wollen die neuen Promotoren nicht auf den Dreispitz, sondern zentraler in die Stadt. Das Volkshaus würde ihnen als Ort behagen. Die Standortfrage und das Konvergenzthema sind für sie eng miteinander verknüpft. Sie drängen auf einen schnellen Standortentscheid.
Denn in der Konvergenzfrage könnten die Entscheide nur zugunsten von Basel beeinflusst werden, wenn eine Raumofferte vorliege. Doch der offizielle Ablauf sieht die umgekehrte Reihenfolge vor, wie aus einer aktuellen Mitarbeiterinformation hervorgeht. Demnach werden in den kommenden zwei Monaten die Weichen gestellt, welche Kulturabteilungen in Basel bleiben werden. Erst in der zweiten Jahreshälfte werde dann ein «adäquater Standort» in Basel gesucht. Die Resignierten sehen sich durch diesen Ablauf bestätigt, dass das Rennen zuungunsten von Basel bereits gelaufen sei. Die Euphorisierten denken sich, dass nur gewinnen kann, wer nichts zu verlieren hat. (Basler Zeitung)
Erstellt: 01.03.2010, 11:27 Uhr
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8 KOMMENTARE
Die Frage ist nicht, wo die bessere Kultur stattfindet, sondern ob wir uns einem Medieneintopf aus Zürich aussetzen wollen. In Zürich werden keine Werte geschaffen, sondern man lebt von den anderen, sei es vom Bund (ETH, Landesmuseum), von den Billag-Gebühren (SF) oder von Steuerflüchtlingen (Banken). Die etwa 70 Mio. Billag-Gebühren die in BL und BS zusammenkommen sollten hier ausgegeben werden.
Wen interesiert schon das radio DRS ?? Ich höre nur noch Radio Regenbogen da komt immer das beste !! nicht das Schlafftabletten Program von DRS !!
Vor vielen Jahren hiess es. Das Fernsehen sendet aus Zürich und Basel erhält das Radio. Eine zeitlang war es auch so. Danach ende 80er kam der schrittweise Abbau von Basel. DRS1, DRS3 und Viva gingen nach Zürich. Was blieb ist DRS2 mit der geringsten Hörerquote. Macht euch doch keine Illusionen. Basel hat den grossen Medienzug längst verpasst. Fernsehen UND Radio werden bald nur noch aus ZH senden
@Gugler: Sie müssen ein profunder Kenner der Kultur- und Kunstszene in der Schweiz sein, dass Sie sich so auf die Äste hinaus wagen. Wie erklären Sie sich dann, dass das Opernhaus des Jahres 2009 in Basel steht und nicht etwa in Zürich? Von mir aus darf sich das SR gerne auch noch nach Zürich verziehen. Dann müssen nur noch die Zürcher die Billag-Gebühr bezahlen für den Service Public für Zürich.
Zusammenführung tönt nach Zusammenschluss, was, wenn es dumm geht, mit Arbeitsplatzverlusten verbunden ist!
@Gugler - nanana, lebendige Kultur haben wir doch zum Beispiel die letzten zwei Fasnachtswochen in und um Basel erlebt - schon vergessen? Wohin die Zentralisierung der elektronischen Medien führt, sieht man doch bei SF "Idee Suisse". Berichterstattung auf Zürich konzentriert - das Umland, immerhin die restlichen 6.5 Mio EInwohner, findet praktisch nicht statt. Paradebeispiel: Schweiz aktuell.
Ich habe nicht das Geringste gegen Zürich. Aber wir sollten die Monopolisierung der Medien gut im Auge behalten. Schliesslich hängt davon eine differenzierte Meinungsbildung ab, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven von verschiedenen Standpunkten aus nährt. Darum halte ich es für wichtig, dass auch die Standorte BS und BE massgeblich am Radio DRS beteiligt sind.
Wird wohl schwierig werden für Basel. Lebendige Kultur kommt eben aus Zürich und nicht aus den den 30 Museen am Rheinknie. Die Kulturschaffenden ziehts an die Limmat und von da sollte konsequenterweise auch berichtet werden. In Zürich wird Kunst und Kultur gelebt, in Basel wird sie konserviert. Und das reicht eben nicht.
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