Basel

Schicksalstag für Basels Raucher

Von Michael Bahnerth. Aktualisiert am 14.10.2011 79 Kommentare

Am 27. November entscheidet der Souverän über Rauch oder Nichtrauch in den Basler Beizen – dann entscheidet sich, ob das restriktivere Basler Rauchverbot bestehen bleibt, oder nicht.

Nur für Mitglieder: Ohne kantonale Sonderregelung würde sich der Verein Fümoar bald in Luft auflösen.

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Es gibt Tage, die geschichtsträchtiger sind als andere. Der 27. November könnte so einer werden, ein Sonntag. Ein Entscheidungstag. 107'470 Baslerinnen und Basler sind aufgerufen, auch über die Volksinitiative «Ja zum Nichtraucherschutz ohne kantonale Sonderregelung» abzustimmen. Ganz einfach gesagt: Wird die Initiative angenommen, darf in einigen Basler Bars, Beizen und Restaurants ganz legal geraucht werden. Wird sie abgelehnt, gehen die Manöver des Vereins Fümoar und die teilweise dubiosen Repliken aus dem- Bau- und Verkehrsdepartement weiter.

Gestern lancierte das quer durch die Basler Parteienlandschaft bestückte Initiativkomitee für einen Nichtraucherschutz ohne kantonale Sonderregelung in der Gilgenstube der Safranzunft seine Abstimmungskampagne. Es gab Kaffee, Mineralwasser, keine Aschenbecher, Zuversicht, die Hoffnung, dass Basel sich als weltoffene, liberale Stadt beweisen wird, und zwei Hauptaussagen: Die Basler Gastronomie bleibt einmal und selbstverständlich grundsätzlich rauchfrei. Durch die Konzentration auf das bestehende Bundesrecht soll aber zweitens die Vielfalt der Basler Beizenkultur gesichert werden und das Geschwisterpaar Nikotin und Alkohol eine Möglichkeit erhalten, da und dort zusammen in den Ausgang zu gehen.

Platz für 150 Raucherlokale

Das Bundesrecht, also das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen, das seit drei Jahren bereits in 19 Kantonen erfolgreich angewandt wird, sieht unter Artikel 3 Folgendes vor: «Restaurationsbetriebe werden auf Gesuch hin als Raucherlokale bewilligt, wenn der Betrieb a. eine dem Publikum zugängliche Gesamtfläche von höchstens 80 Quadratmetern hat; b. gut gelüftet und nach aussen hin leicht erkennbar als Raucherlokal bezeichnet ist und c. nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt, die einer Tätigkeit im Raucherlokal im Arbeitsvertrag zugestimmt haben.» Hinzu kommt, als Faustregel, dass dort, wo gegessen wird, nicht geraucht werden kann.

In Basel trifft die 80-Quadratmeter-Regel, bei der etwa auch der Eingangsbereich, die Toiletten, der Buffetraum, ein Korridor dazu zählen, auf «nur gerade 253 von 892 Betrieben» zu, wie das Initiativkomitee, angeführt von Maurus Ebneter, dem Geschäftsführer des Wirteverbandes, rechnet. Flächenmässig kämen somit 28,3 Prozent aller Basler Lokale infrage. Von den 253 Betrieben wiederum zählen 55 zur Schnellverpflegung und 21 zu den Speiselokalen. Es verbleiben somit 177 Lokale, die als Raucherlokale infrage kommen und «getränkegeprägt» sind. Summa summarum geht das Initiativkomitee von möglichen 150 Raucherlokalen und 50 bedienten Fumoirs, also Raucherräume in Gaststätten, aus. Die Entscheidung Raucher- oder Nichtraucherlokal liegt beim Wirt. Das entbehrt nicht einer gewissen selbstverständlichen Logik.

Vielfalt der Beizenkultur

Aber diese Zahlenspielereien sind wie eine Zigarette, die nicht glüht. Wer hingeht in die Bars und Beizen und nicht nur zu Hause rumsitzt und den Hang des Menschen zu lässlichen Lastern gesetzlich regeln will; wer also in jenen Teil des Lebens geht, bei dem Aschenbecher auf den Tischen stehen und Rauch in der Luft hängt, sieht, auch durch den Schleier des blauen Dunstes, dass dort Raucher und Nichtraucher in einträchtiger Harmonie koexistieren. Dass des einen Freiheit die des andern nicht zwangsläufig korrumpiert. Kommt hinzu, dass Menschen rauchen seit Kolumbus den Tabak nach Europa gebracht hat. Der Anteil der Raucher in Europa wird auf 32 Prozent geschätzt. Nimmt man all jene Nichtraucher dazu, die nach ein paar Gläsern dann doch gerne eine rauchen, sind wir bei über 40 Prozent. So sieht das aus im nikotingeschwängerten Teil der Wirklichkeit da draussen.

Natürlich geht es auch um wirtschaftliche Faktoren und darum, dass Betreiber von Bars und kleineren Beizen Umsatzeinbrüche fürchten, wenn zum Bier nicht mehr geraucht werden darf. 670 Millionen Franken werden in Basel durch die Restauration umgesetzt, 8000 Menschen arbeiten Vollzeit und Teilzeit im Basler Gastgewerbe. Aber in erster Linie geht es um Wirtshauskultur, um die Vielfalt der Beizenkultur und darum, dass es dort, wo im Grunde Toleranz vorhanden ist und ein Bundesgesetz dazu, es nicht zwingend auch noch kantonale Gesetze bräuchte, wie alle anwesenden Initianten, die meisten Nichtraucher, gestern sinngemäss betonten; Maurus Ebneter, Peter Malama, der FDP-Nationalrat und Direktor des Gewerbeverbands, André Auderset, der LDP-Grossrat, SVP-Nationalrat Sebastian Frehner und Sarah Wyss, die Juso-Präsidentin – ausser Ebneter alle im Wahlkampf.

Das gesellschaftliche Anrecht auf ein bisschen Rauch und einen Raucherraum bei gleichzeitigem Schutz der Passivraucher vor dem möglichen Rauchertod soll mit den gängigen Meinungstransportmitteln unters Volk gebracht werden: Print-Inserate, Plakate, Broschüren und 63'000 Bierdeckel, die für ein «Ja» plädieren. Es handle sich, so Ebneter, um eine «Sensibilisierungskampagne». Gezeigt werden auch Inserate mit Wirten, die «Aussagen darüber machen, wie sie sich nach der Annahme der Initiative verhalten werden». Bambi Bigliel von der Rio Bar ist dabei (Rauch), auch Beatrix Berchtold vom Restaurant Aeschenplatz (kein Rauch). Es gibt diese alte Volksweisheit: Alkohol und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin. Aber ohne Schnaps und Rauch stirbt die andere Hälfte auch. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.10.2011, 08:46 Uhr

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79 Kommentare

John Peer

14.10.2011, 10:29 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Zum Glück haben wir vorsorgliche Stimmbürger und einen willigen Staat, die sich um meine Gesundheit sorgen, weil ichs nicht besser weiss, und genau wissen, was ein kleiner Beizer mit seiner guten Stube zu tun und zu lassen hat! Ich freue mich auch auf die Fettsteuer, das Kampfsportverbot, das Velohelmobligatorium, eine höhere Alkoholsteuer und das One-Night-Stand-Verbot! Viva el Sophismus! Antworten


Peter Kristofforson

14.10.2011, 10:19 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Jaja. ein kleiner Haufen Raucher terrorisiert Millionen Nichtraucher. Warum sind dann die Fumoirs immer voll und die NR-Beizen klagen über leere Kassen? Antworten



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