Basel
Schiff ahoi für die neue Klingentalfähre
Von Martin Regenass, Schmerikon. Aktualisiert am 04.07.2012 2 Kommentare
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Bundesrätin Doris Leuthard höchstpersönlich soll die neue Klingentalfähre am 25. August am Klingentalfähristeg auf den Namen Vogel Gryff taufen. Die alte «Vogel Gryff», ein klassischer Holzbau, wird dann durch die neue Fähre mit einem Rumpf aus glasfaserverstärktem Kunststoff ersetzt. Vor zwei Tagen wasserte die Bootsbaufirma Helbling in Schmerikon (SG) die Hightech-Fähre zum ersten Mal. «Ich verspürte dabei ein kribbliges Gefühl», sagt Erbauer Kurt Helbling, Inhaber der Bootswerft.
Gestern waren über ein Dutzend Ingenieure, Bootsbauer und Leute vom Fähriverein dabei, als die Fährleute der Klingentalfähre den neuen Kahn mit Rudern hinaus auf den oberen Zürichsee bewegten. Thomas Schwitter, Chef der Rheinpolizei, prüfte ihn dabei auch auf die Schwimmeigenschaft. Neben der Manövrierbarkeit musste auch ein sogenannter Krängungstest durchgeführt werden. Dabei wurde ein rund eine Tonne schwerer Wassertank von der einen Seite auf die andere verschoben und gemessen, wie stark sich der Rumpf zur Seite neigt. «Die Fähre hat die Tests grundsätzlich bestanden. Die gemessenen Werte muss man noch auf das Betriebs- und das Maximalgewicht aufrechnen. Dann sollte der Einlösung der Fähre nichts mehr im Wege stehen», sagte Schwitter.
Die neue Fähre wird in einem ähnlichen Look daherkommen wie die alte. Das war unter anderen eine Bedingung, welche die Bootsbaufirma Helbling in Schmerikon beim Bau hatte umsetzen müssen, damit die Fähre ins Stadtbild passe und nicht zum Fasnachtssujet werde, wie seinerzeit der Neubau der Dalbe-Fähri. «Das war keine leichte Aufgabe», sagt Bootsbauer Helbling. Da es sich bei einer Fähre um ein Gefährt für gewerbsmässigen Personentransport handelt, muss sie neben dem Aussehen auch Normen der Binnenschifffahrts- und der Rheinschifffahrtsverordnung sowie zahlreichen Europanormen entsprechen.
Anker vorne und hinten
Eine Fähre ist rechtlich gesehen weder ein Boot noch ein Schiff. Deshalb waren zur Umsetzung der Normen zahlreiche Sitzungen zwischen dem Fähriverein, den Ingenieuren, Bootsbauern sowie dem Bundesamt für Verkehr notwendig, bis klar war, was die Fähre alles brauche. «Es schien mir teilweise etwas willkürlich, was die Beamten verlangten», sagt Helbling.
So hat die neue Fähre, gegenüber der alten, beispielsweise einen Anker vorne und einen hinten, um bei einem Riss des Fährenkabels eine Notankerung einleiten zu können. Das Häuschen innen und aussen ist mit Holz verschalt, das bei rund 650 Grad entflammt. Weiter haben die Bootsbauer in das neue Modell grössere Fensterflächen einbauen müssen, um die Ausschau nach anderen Verkehrsteilnehmern auf dem Rhein besser zu gewährleisten. Oder zwei Meter hinter dem Bug befindet sich ein quer angelegtes Schott, das bei einer Frontalkollision den Wassereintritt verhindern soll.
Rund 40 Schwimmwesten müssen an Bord sein, ein Fünftel davon für Kinder. Für Komfort im Winter soll eine solarbetriebene Elektroheizung sorgen. Die Tische und Bänke im Innern werden so ausgelegt sein, dass sie die Fährleute für Fonduefahrten umstecken und so Platz schaffen können. Noch ist der Bau nicht ganz beendet. Unter anderem fehlen noch Holzböden, Bänke und Schränke – der «Vogel Gryff» und die Aussenbemalung in blau-weissen Streifen.
Im Unterhalt günstiger
Unter insgesamt zwölf Bewerbern hat die Fähristiftung die Helbling-Werft ausgewählt. «Das billigste Angebot hat sie nicht gemacht, aber sie hat uns mit ihrem Teamspirit überzeugt», sagt Markus Manz, Material- und Fahrchef der Stiftung Basler Fähren. Die Kosten für die neue Fähre von rund 400 000 Franken seien grösstenteils gesichert. Auf einen erneuten Holzbau – der alte war 30 Jahre im Dienst – habe die Stiftung verzichtet, da Kunststoff im Unterhalt sowie auch bei der Konstruktion billiger sei.
Einen guten Eindruck macht die neue Fähre mit Platz für 35 Personen auf den Pächter der Klingentalfähre, Urs Zimmerli: «Von der Form her wie auch vom Aussehen ist sie wie die alte, einfach etwas grösser und moderner. Wenn wir sie in Basel getestet haben, kann ich mehr sagen.» Der Fährimaa verspürt etwas Wehmut, wenn er daran denkt, dass die alte bald nicht mehr in Betrieb sein wird. Anfang August soll die neue Fähre mit einem Spezialtransport nach Basel gebracht und im Auhafen Birsfelden gewassert werden. Eingeweiht wird sie am Fährifest vom 24. bis 26. August. (Basler Zeitung)
Erstellt: 04.07.2012, 17:11 Uhr
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2 Kommentare
Zur Berichtigung:
Der Erbauer dieser neuen Fähre ist: Kurt Helbling, Bootbau in 8645 Jona-Rapperswil. (www.boote-helbling.ch)
Wir distanzieren uns hiermit deutlich von der Helbling Werft in Schmerikon, welche weder zu uns gehören noch mit uns verwandt sind.
Stefan Helbling Jun. (Kurt Helbling, Bootbau, 8645 Jona)
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