Basel

Schnecken bremsen Tramprojekt aus

Von Daniel Ballmer. Aktualisiert am 13.08.2012 42 Kommentare

Bikantonaler Margarethenstich verzögert sich – Baselbieter Behörden ärgern sich über die Basler Kollegen. Aber auch Wirbellose bereiten Probleme.

Beim Dorenbachviadukt behindern Weichtiere den Margarethenstich.

Beim Dorenbachviadukt behindern Weichtiere den Margarethenstich.
Bild: Daniel Desborough

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Es ist eine ernüchternde Bilanz, die der Baselbieter ÖV-Beauftragte bei seinem Abgang in der BaZ zog. «Selbst einfache Infrastrukturbauten brauchen bei uns unendlich Zeit», kritisiert Markus Meisinger. «Wir planen ohne Prioritäten an allen Ecken und Enden.» Die Region stelle sich nicht hinter ein Projekt, um es zügig zu realisieren. Als Beispiel nennt Meisinger den Margarethenstich, der die Tramlinien vom Leimental direkt mit dem Bahnhof Basel SBB verbinden soll. Die 300 Meter Geleise kommen aber auf der Kantonsgrenze zu liegen. «Und hier bestehen oft völlig unterschiedliche Interessen», klagt Meisinger. Tatsächlich: Der Bau verzögert sich. Doch das liegt nicht nur an Schwierigkeiten bei der Planungs­koordination.

Ein wichtiger Grund ist gerade einmal zwei Millimeter gross

Sie heissen kantige Laubschnecke, kleine Bernsteinschnecke, Zylinderwendelschnecke oder Moospüppchen. Und sie bedeuten viel Aufwand. «Das Geleis­projekt ist eigentlich keine 300 Meter lang, aber wir müssen hier verschiedenste Interessen berücksichtigen», gibt Projektleiterin Jane Hahn vom Basler Planungsamt zu bedenken. Neben der Statik, der Denkmalpflege und sogar der Archäologie ist dies eben auch der Naturschutz. Denn es ist nicht nur der seit Jahrzehnten unberührte und daher schützenswerte Boden am Dorenbachviadukt. Es sind auch insgesamt zwölf Schneckenarten, die hier leben und auf der Roten Liste des Bundes als teilweise hoch gefährdet aufgeführt sind.

Bund schreibt Ersatz vor

«Das Bundesgesetz schreibt den Erhalt und Ersatz solch geschützter Naturobjekte vor», betont Michael Zemp. Konsequenz: Der wertvolle Boden ist mitsamt der Schnecken an einen Ersatzstandort umzusiedeln, erklärt der Leiter der Basler Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz. «Der Boden wird schichtweise abgetragen, damit nicht alles durcheinander gerät.» Am belebtesten ist die oberste Bodenschicht. Und sie dürfte sehr belebt sein, sind doch die Schnecken Indikator für viele andere Bodenorganismen. Wie tief der Boden abgetragen werden muss, wird im Einzelfall zu prüfen sein. Dasselbe gilt für den neuen Standort. Die Schnecken sollen in die nähere Umgebung verpflanzt werden. Ins Auge gefasst haben die Behörden die Gegend von Pratteln. «Wenn wir alles richtig machen, kann sich die Natur am Ersatzstandort regenerieren. Das ist aber immer etwas eine Lotterie.»

Von solchen Erklärungen lassen sich die Baselbieter Behörden nicht befriedigen. Fakt bleibt: Der Margarethenstich kommt nur im Schneckentempo voran und verzögert sich. Eigentlich müssten die beiden Parlamente das 17-Millionen-Projekt noch dieses Jahr absegnen. Der Bau sollte spätestens 2014 starten, damit der Bund im Rahmen des ersten Agglomerationsprogramms 40 Prozent der Kosten übernimmt. «Nach Übergang der Federführung von Baselland an Basel-Stadt ist das Projekt aber kaum mehr vorangekommen», kritisiert der ehemalige ÖV-Beauftragte Meisinger. Eine Meinung, die andere in der Baselbieter Baudirektion teilen. «Basel scheint das Projekt lange nicht als prioritär angesehen zu haben. Baselland musste einen gewissen Druck ausüben», heisst es inoffiziell.

Tatsächlich würde von der Verbindungslinie vorab das Leimental profitieren. So ist es vor allem Binningen, das heute unter dem täglichen Durchgangsverkehr leidet. Mit der neuen Verbindung zwischen den Haltestellen Dorenbach und Margarethen soll daher die Fahrtzeit um rund fünf Minuten verkürzt werden, damit mehr Leute auf den ÖV gebracht werden können.

Glück im Unglück

«Wir sind intensiv an der Projektarbeit», versichert die Basler Projektleiterin Hahn. Aber auch ihr ist die Baselbieter Kritik am langsamen Vorankommen zu Ohren gekommen. Kommentieren möchte sie diese nicht: «Es handelt sich um ein partnerschaftliches Geschäft mit wechselnder Federführung. Die Gründe für die Verzögerungen liegen auf beiden Seiten», sagt sie einzig. Nun soll es aber vorwärtsgehen. Diese Woche würden Sondierbohrungen vorgenommen, um den Aufbau der Bodenschichten vertieft zu untersuchen. «Wir rechnen damit, dass wir das Projekt in Basel Anfang 2013 in die politische Beratung geben können», sagt Hahn. Ziel sei es, den Bau 2015 starten zu können.

«Wir müssen damit leben, dass der Bau nicht mehr 2014 gestartet werden kann», kommentiert Dieter Leutwyler. «Wenn zwei Parteien mitbestimmen, kann es sein, dass es der einen nicht schnell genug vorwärtsgeht», sagt der Sprecher der Baselbieter Baudirek­tion diplomatisch. Glück im Unglück: Bis Anfang Jahr forderte der Bund, dass der Margarethenstich spätestens 2014 im Bau sein muss. Ansonsten gäbe es kein Geld aus dem Agglomerationsprogramm. «Diese Forderung wurde aufgeweicht. Mit dem derzeitigen Terminplan sind die Bundeszuschüsse nicht in Gefahr», betont Hahn. Begeisterung löst diese Neuigkeit im Baselbiet deswegen nicht aus. Immerhin sei man froh, dass es nun vorwärtsgehe, sagt Leutwyler. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.08.2012, 10:46 Uhr

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42 Kommentare

Peter Berger

13.08.2012, 11:19 Uhr
Melden 49 Empfehlung 1

Am Besten die Tram fahren überhaupt nicht mehr. (Gell VCS) Sie morden täglich viele Tiere wie Mücken etc. Auch Fussgänger sollen unbedingt das Bett nie verlassen und sich nur sachte wenden wegen der Milben. Antworten


Phil Bösiger

13.08.2012, 11:24 Uhr
Melden 37 Empfehlung 0

@Berger / Müller: Also ich hab in dem Artikel nichts über den VCS gelesen, aber dafür viel über langsame Staatsstellen beider Kantone. Verdächtigen Sie den VCS präventiv oder wissen Sie mehr, als im Artikel steht? Antworten



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