Basel
Schulden, Konzerte, Revolver und Rosen
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 15.02.2012 6 Kommentare
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Genau ein Jahr nach dem defizitären Sonishphere-Festival soll wieder Stromgitarren-Sound durch die St. Jakobshalle donnern. Gleich zweimal sogar: Am 23. Juni rocken an den «Earshaker Days» Metal-Grössen wie Lamb Of God und Amon Amath; vier Tage später feiern die US-Rockstars von Guns N' Roses ihr Basel-Comeback. Ziemlich genau zwanzig Jahre nachdem die Band um Frontmann Axl Rose 1992 im alten Joggeli von 50'000 Fans frenetisch gefeiert wurde.
Fünfzigtausend! Von einem solchen Fanaufmarsch konnten Harry Sprenger und Stefan Matthey beim Sonisphere im Juni 2011 nur träumen. Trotz Headlinern wie Iron Maiden und Slipknot lockte der Metal-Grossanlass in der St. Jakobshalle und im angrenzenden Leichtathletikstadion lediglich 21'000 Zuschauer an – die Veranstalter hatten mit dem Doppelten gerechnet. Das finanzielle Fiasko des Festivals brach Free & Virgin, der Firma von Sprenger und Matthey, das Genick. Der zweitgrösste Schweizer Konzertveranstalter musste Konkurs anmelden. Zurück blieben 160'000 Franken Mietschulden beim Halleneigentümer – dem Kanton Basel-Stadt.
Good News ist grossen Konkurrenten los
Nun organisieren Sprenger und Matthey wieder Konzerte in der St. Jakobshalle, wie Telebasel in der Newssendung «7vor7» berichtete. Die Schulden bei dem Kanton bestehen allerdings noch immer. Wie geht das? Sprenger und Matthey arbeiten nach der Insolvenz ihrer Firma neu als Angestellte für den Eventveranstalter Starclick. Die Firma wurde einen Monat nach dem Aus von Free & Virgin im November 2011 gegründet. Und zwar vom Schweizer Mediengiganten Ringier und der Deutschen Entertainment AG (DEAG).
Zusammen besitzen die beiden Konzerne auch die grösste Schweizer Konzertagentur Good News. Mit dem Niedergang von Free & Virgin ist Good News nun nicht nur einen seiner grössten Konkurrenten los – mit Sprenger und Matthey hat man nun zudem zwei der erfahrensten Schweizer Konzertveranstalter in den Reihen der Tochterfirma Starclick. Während sich Good News auf ganz grosse Kisten wie Coldplay und Madonna konzentriert, kümmert sich Starclick vor allem um musikalische Randsparten. Heavy Metal zum Beispiel.
«Unsere Firma kann und will die Schulden nicht begleichen»
«Wir wollen Good News von unten stützen», erklärt Janine Furrer, Promotion-Managerin bei Starclick. Dass die Basler «Earshaker Days» und das Konzert von Guns N' Roses im Juni innerhalb von vier Tagen in der St. Jakobshalle statt finden, sei kein Zufall: «Da wollen wir auch Synergien nutzen – wenn alles klappt, können wir die Konzert-Infrastruktur gleich stehen lassen.» Über die Vorgeschichte ihrer Arbeitskollegen Sprenger und Matthey und deren Schulden beim Kanton Basel-Stadt will sich Furrer nicht gross äussern: «Free & Vigin hat nichts mit Starclick zu tun – unsere Firma kann und will die Schulden deshalb nicht begleichen.»
Dass nach der Sonisphere-Pleite wieder ein – zugegebenermassen etwas kleineres – Metal-Festival nach Basel kommt, liegt für Furrer auf der Hand: «Basel ist der ideale Standort, weil man von überall in der Schweiz ähnlich lange Anfahrtswege hat». Zudem wolle man auch Metal-Fans aus Deutschland und Frankreich ans Rheinknie locken. Über die viel gescholtene St. Jakobshalle kann die Starclick-Promoterin nur Gutes sagen: «Die Halle ist ideal für diese Konzerte», findet sie, «das Hallenstadion ist zu gross und dazwischen gibt es keine Alternativen».
Guns N' Roses-Comeback nach zwei Dekaden
Pikant ist, dass Good News und Starclick im Mai in Yverdon-les-Bains (VD) die dritte Schweizer «Sonisphere»-Ausgabe bestreiten – mit den Superstars von Metallica als Headliner. Nach der Schlammschlacht von Jonschwil (2010) und dem Finanz-Fiasko von Basel (2011) – beides unter der Leitung von Free & Virgin – geben sich die neuen Veranstalter des Metal-Festivals dieses Jahr vorsichtig: «Aus dem Sonisphere-Disaster haben wir viel gelernt», sagt Furrer.
Ob die «Earshaker Days» den Veranstaltern von Starclick am 23. Juni ein erfolgreiches Metal-Festival bescheren, wird sich zeigen. Spannend dürfte vor allem sein, wie sich die gealterten Guns N' Roses in der St. Jakobshalle präsentieren werden. Im «Blick» wurde das Konzert jedenfalls mit grosser Vorfreude angekündigt: «Erst 2008 veröffentlichte er (Bandleader Axl Rose, Anm, d. Red.) das umjubelte Comeback-Album. Und beweist seither auf Tourneen (…), dass Guns N’ Roses noch immer zu den besten Live-Bands gehören. Nun kehren sie für einen Auftritt in die Schweiz zurück», schreibt das Blatt, welches – wie Konzertveranstalter Starclick – zum Ringier-Verlag gehört. Guns-N'-Roses-Fans werden wohl beten, dass der «Blick» mit seiner Prognose richtig liegt. Es könnte nämlich durchaus auch anders kommen: «In den schlimmsten Momenten dieses Konzerts, also in fast allen, ist es, als habe sich ein bösartiger Komiker der Überreste von Guns N’ Roses angenommen.», berichtete baz.ch im September 2010 nach dem Hallenstadion-Konzert der Hardrockband. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.02.2012, 14:20 Uhr
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6 Kommentare
Gibt's auch wieder mal ein Stadionkonzert in Basel, welches nicht nur für "Randsparten" gedacht ist? Seit Jahren sahnen Bern + Zürich die spannenden Acts ab und die "Kultur-und Eventstadt" Basel muss sich mit 80er-Metal begnügen. Wie wärs mal mit Muse, Coldplay, Katie Melua, Mando Diao, The National, The Editors, Arctic Monkeys oder Radiohead? Basel kennt wohl nur Metal, House + em Bebbi sy Jazz. Antworten
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