Seilziehen um Ausbau der Osttangente

Wirtschafts- und Verkehrsverbände lehnen den «Wessel’schen Bypass» für die Osttangente ab und fordern den Basler Baudirektor zum Handeln auf. Die Erweiterung dürfe nicht weiter hinausgezögert werden.

Die Vertreter der Verkehrs- und Wirtschaftsverbände fordern einen raschen, funktionellen und stadtverträglichen Ausbau der Osttangente.

Die Vertreter der Verkehrs- und Wirtschaftsverbände fordern einen raschen, funktionellen und stadtverträglichen Ausbau der Osttangente. Bild: Margrit Müller

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Die fünf Herren waren sich einig: «Die Erweiterung der Osttangente darf von Baudirektor Hans-Peter Wessels nicht weiter hinausgezögert werden. Ansonsten verliert der Kanton Basel-Stadt eine Milliarde Franken an Bundesgeldern.» Unter dem Titel «Zeitbombe Osttan­gente   – Jetzt muss eine Lösung her!» hielten der Automobilclub, der Touringclub sowie die Handelskammer beider Basel, der Gewerbeverband Basel-Stadt und die Wirtschaftskammer Baselland eine gemeinsame Medienkonferenz im zwölften Stock des St.-Jakob-Turms ab. Die Anwesenden konnten dabei ihre Blicke über ein Teilstück der Osttangente mit ihren Autos und Lastwagen schweifen lassen.

«Auf diesem Abschnitt der A2 zwischen Augst und der Grenze zu Deutschland herrscht täglich der Stau-Wahnsinn. Das kostet alle Verkehrsteilnehmer, die dort nur langsam vorwärtskommen, Nerven und die Wirtschaft bares Geld», sagte Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. Laut Schätzungen kosten Staus auf Strassen und Autobahnen schweizweit jährlich meh­rere Milliarden Franken.

2008 hat das Bundesamt für Strassen (Astra) im Zuge seines Programms für Engpassbeseitigungen auf Nationalstrassen für den Ausbau der Osttangente eine Milliarde Franken reserviert. Vorgesehen war die Sanierung der Osttangente sowie ein Ausbau um je eine Spur in beide Fahrtrichtungen. Gegen diese oberirdische Variante reichte die Basler Bevölkerung im Mai 2011 eine Petition ein und forderte weniger Lärm und Luftverschmutzung entlang der Osttangente.

Basler Verlegenheitslösung

Der Basler Regierungsrat arbeitete eine Tunnelvariante aus. Laut Informationen der Verkehrs- und Wirtschaftsverbände sei bei dieser Variante vorgesehen, dass oberirdisch nur noch eine einzige Spur in Richtung Süd-Nord fliesst und der Rest des Verkehrs in dieser Richtung unterirdisch in einem Tunnel verläuft. In der Nord-Süd-Richtung würden dafür drei Spuren oberirdisch verlaufen.

Diese Lösung bezeichnete der Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt, Gabriel Barell, als halbfertige, unausgegorene Verlegenheitslösung oder kurz: den «Wessel’schen Bypass».

Diese Variante könne laut Martin Dätwyler, stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel, nicht funktionieren, weil auf der Osttangente rund 70 Prozent des Verkehrs regionaler Herkunft seien. Nur noch eine Spur von Süden nach Norden hätte eine komplette Verstopfung zur Folge. Weiter würde der unterirdische Tunnel viel höhere Kosten verursachen und es bräuchte einen weiteren Rettungsstollen. Auch wäre unklar, wo der Tunnel enden soll. Weiter würden die Gebiete um die Messe und Roche zu wenig angebunden.

Barell nannte als weitere Lösung einen unterirdischen Transittunnel. Zwei Spuren würden in jede Richtung führen, zwischen der Verzweigung Wiese und ­einem Anschlusspunkt an die A2 im ­Bereich der Verzweigung Hagnau oder des Tunnels Schweizerhalle. Dieser Tunnel diente vor allem dem Transit- und überregionalen Verkehr. Ins Auge fassen müsse man auch wieder die oberirdische Variante mit je einer Spurerweiterung. «Dazu braucht es eine komplette Überdachung der Strasse zwischen der Verzweigung Gellert und dem Schwarzwaldtunnel», sagte Barell. So sei gewährleistet, dass die Anwohner wirkungsvoll vor den negativen Folgen geschützt würden.

Transparenz gefordert

Die Vertreter der Verkehrs- und Wirtschaftsverbände fordern eine rasche, funktionelle und stadtverträgliche Umsetzung. Lukas Ott, Geschäftsführer des TCS, brachte die Forderungen auf den Punkt: «Wir wollen Transparenz zu Informationen des Bundes und vor allem des Kantons Basel-Stadt.» Man wisse zwar, dass Varianten seit Jahren geprüft würden, aber nicht, welche genau. «Es kann nicht sein, dass bei der Osttangente wieder zehn Jahre verstreichen und irgendwann nach 2030 der Baubeginn erfolgt.»

Denn die Zeit drängt. Noch in diesem Jahr wird sich das Bundesparlament mit dem Geschäft befassen. Liegt bis dahin kein Variantenentscheid vor, droht die Osttangente zurückgestuft zu werden. Und die Milliarde aus Bern könnte «flöten gehen». (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.05.2014, 06:54 Uhr

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