Basel

Solarien: Künstliche Sonne erheitert die Gemüter

Von Martina Rutschmann. Aktualisiert am 09.12.2008

Unter dem Solarium fühlt man sich ein wenig wie am Strand. Und in manchen Studios muss man nicht einmal unter die Röhren liegen, um Ferienstimmung aufkommen zu lassen.

 Ferienstimmung beim Claraplatz: Das «Palm Beach»-Sonnenstudio ist gestylt wie ein Ferienort im Süden – und nach dem «Sonnenbad» sehen die Kunden auch aus wie Urlauber. Foto Sandro Fiechter

Ferienstimmung beim Claraplatz: Das «Palm Beach»-Sonnenstudio ist gestylt wie ein Ferienort im Süden – und nach dem «Sonnenbad» sehen die Kunden auch aus wie Urlauber. Foto Sandro Fiechter

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Koi. Koi? Japanisch, Fisch. Wie ein Goldfisch, aber grösser. Und teurer. Einen Koi zu klauen lohnt sich. Es ist aber nicht ratsam, dies an der Clarastrasse im Sonnenstudio «Palm Beach» zu tun. Ist zwar ein SB-Studio, ein selbstbedientes. Aber Big Brother schaut mit. Kameras sorgen für Ordnung. Und beim Nottelefon hebt sofort der Boss persönlich ab. Peter Freymond, Solariumpionier und Besitzer der drei «Palm Beach»-Studios in Basel. Stolzer Besitzer.

Eine Million Franken hat Freymond ins Studio an der Clarastrasse investiert, Koi und Teich inklusive. Und vor Kurzem hat er an der Klybeckstrasse ein neues Studio eröffnet. Die Investitionen lohnten sich: «Ich bin zufrieden mit der Anzahl Kunden.» Zahlen nennt er keine, wegen der Konkurrenz. Die war allerdings schon grösser: Mindestens fünf selbstbediente Solarien der Region haben im vergangenen Jahr dicht gemacht. Sie hätten sich nicht solche Mühe gegeben wie er, sagt Freymond. Die Mühe wird belohnt: Gäste werden zu Stammgästen. Renzo Cavaliere (41) ist so einer. Wäre er jünger, könnte er problemlos am Finale der Mister-Schweiz-Wahl teilnehmen. Er ist gross, muskulös, gebräunt.

«Bräune ist für mich wie Make-up für Frauen», sagt Cavaliere. Er kommt ein- bis zweimal wöchentlich hierher. Legt sich mindestens zehn Minuten unter die Röhren. Und jeder, der das wissen will, sieht es von aussen: Ein Kasten zählt digital die Minuten, die jemand beim «Sonnenbaden» verbringt. Auch sonst ist alles modern. Die neuesten Geräte, pink, schwarz, blau. Und sogar ein Stehsolarium.

Im Gang steht ein Kasten, der sieht aus wie ein Kondomautomat. Hat aber keine Pariser drin, dafür Bräunungscremes und Schutzbrillen. Radio-Sound beschallt den warmen Raum: «Gib mir Sonne, gib mir Wärme, gib mir Licht. Schenk mir ein bisschen Glück!» Das Lied von Rosenstolz passt. Es ist eine heile Welt hier. Stoffpalmen wie am Strand und eine motivierte Mitarbeiterin. Isabelle Guldimann macht sauber, die Geräte, die Filter, die Toiletten. Sie liebt ihren Job. «Wenn man gerne putzt ...», sagt sie.

Liebespaare

Manchmal kommen Männer herein und fragen Isabelle Guldimann, ob hier auch massiert werde. «Ich erkläre, dass das ein Solarium ist – dann gehen sie wieder.» Alles halb so wild. Dennoch: Viele Frauen bevorzugen bediente Solarien. Aus Angst vor Übergriffen.

Markus Melzl von der Staatsanwaltschaft beruhigt: «Es gibt schon Spanner, die Löcher in die Wände bohren, aber das passiert selten.» Raubüberfälle gebe es keine. Das Schlimmste, was bisher passiert sei: Einmal wurde in einem Solarium eine Frau vergewaltigt. «Und es kommt manchmal vor, dass Liebespaare das Geld fürs Hotel sparen wollen.»

Das «Palm Beach» ist nur nachts und wenn Isabelle Guldimann frei hat ein richtiges SB-Studio. Zwar läuft hier alles über Automaten und es braucht keine menschliche Hilfe, dennoch ist der Kunde nicht immer allein. Gar nie allein sind die Sonnenanbeter im Studio «Sunline» an der Riehenstrasse. Wenn hier niemand mehr an der Theke steht, brennen in den Solariumräumchen auch keine Röhren mehr. Seit 13 Jahren empfängt Jacqueline Sofia – die Mutter des Inhabers – die Kunden. Sie kennt praktisch alle.

Die Rentnerin Catherine Carnal kommt jede Woche. Karl Lagerfeld hat sie auf die Idee gebracht. «Ich hab gelesen, dass er mit dem Power-Plate abgenommen hat.» Das ist ein Fitnessgerät, das sich Jacqueline Sofia und ihr Sohn angeschafft haben, als es nicht mehr so gut lief mit den Solarien. Das war vor einigen Jahren, als eine «Anti-Sonnen-Kampagne» durch die Presse ging, wie Sofia sagt.

Und wahrlich, Fachleute sind keine Freunde der künstlichen Bräune: «Wir raten vor Solariumbesuchen grundsätzlich ab. Wärme in der Sauna oder im Thermal kann das Wohlbefinden ebenso steigern, ohne die Gesundheit zu gefährden», sagt Géraldine Beldi von der Krebsliga Schweiz. Wissenschaftler seien sich einig, dass regelmässige Solariumbesuche das Hautkrebsrisiko erhöhten.

Catherine Carnal liegt nach dem Fitnessprogramm nur kurz unters Solarium und erst noch unter das schwächste. «Bei Leuten mit Hang zu Depressionen hilft es gegen den Winter-Blues.» Und die Bräune? Die sei ein netter Nebeneffekt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.12.2008, 08:17 Uhr

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