Spaltenschildkröten-Premiere im Zolli

Aktualisiert am 05.08.2010

Gepanzerter Nachwuchs hat Hochsaison in Basel: Nach den Panzernashörnern kann der Zolli erstmals einen Zuchterfolg bei den Spaltenschildkröten vermelden.

Selten und winzig: Der Panzer des ersten und bisher einzigen Jungen bei den Spaltenschildkröten ist härter, als der ihrer Eltern.

Selten und winzig: Der Panzer des ersten und bisher einzigen Jungen bei den Spaltenschildkröten ist härter, als der ihrer Eltern.
Bild: Zoo Basel

Die mit gegen 20 Zentimetern kleinen Spaltenschildkröten haben den Namen von ihrem Lebensraum: Als Langbeiner mit weichem und flachem Panzer klettern sie ausgezeichnet - selbst über Maschendrahtzäune - und lassen sich bei Gefahr in Steinspalten fallen. Da verkeilen sie sich mit den Beinen und mit Einatmen, bis der Panzer festsitzt.

Im Basler Zolli werden die eigenwilligen Tiere, die in der Natur einzelgängerisch leben, seit der Eröffnung des Etoscha-Hauses 2001 gehalten. Bei der Fortpflanzung sind sie indes nicht nur sehr ruppig - was den Stärksten zum Zuge kommen lässt -, sondern auch zickig, weshalb Nachwuchs bisher ausgeblieben war, wie der Zolli am Donnerstag mitteilte.

Die Schildkröten pflegen nur zur Paarung Umgang miteinander, dann aber heftig: Das Männchen verfolgt und beisst das Weibchen so lange, bis dieses einwilligt und sich auf den Rücken kippen lässt. Das Weibchen legt später ein einziges Ei in eine Spalte oder in den Boden. Dieses schlüpft nach 120 bis 220 Tagen, je nach Temperatur.

Wilderei für putzige Haustiere

Ein Pfleger fand nun eine zerbrochene Eischale im Terrarium. Er musste eine Weile suchen, bis er die nur vier Zentimeter grosse junge Schildkröte unter einem Stein sah. Deren kreisrunder Panzer ist übrigens härter als bei erwachsenen Tieren. Auch Zoobesuchende müssen sehr gut hinsehen, wollen sie die Tiere im Gehege erkennen.

In ihrer ostafrikanischen Heimat in Tansania und Kenia sind die Spaltenschildkröten heute gefährdet. Schuld ist vor allem Wilderei für Heimtierhalter in Europa und der USA. Wegen ihrer geringen Fortpflanzungsrate erholen sich Bestände nur sehr langsam, wenn Schutzmassnahmen greifen.

Weil die Spaltenschildkröten wegen dem weichen Panzer auf sichere Verstecke angewiesen sind, leben sie daheim in der Dornbuschsavanne recht standorttreu. Sie ernähren sich vegetarisch, vorwiegend von Sukkulenten. Ihr Lebensraum wird im Übrigen auch durch die Ausdehnung menschlicher Siedlungen bedroht. (jg/sda)

Erstellt: 05.08.2010, 10:51 Uhr

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