Basel
Spaziergang durch den Darm
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 17.01.2012 7 Kommentare
Über die beiden Darmkrankheiten
In der Schweiz leben gemäss SMCCV rund 16'000 Personen mit den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, deren Ursache und Entstehung noch weitgehend unbekannt sind. Bei beiden Krankheiten vermuten Mediziner eine genetisch bedingte, krankhaft gesteigerte Immunreaktion gegen die Darmflora. In westlichen Staaten erkranken gemäss Wikipedia jährlich pro 100'000 Einwohner durchschnittlich etwa 7-8 Personen mit Morbus Crohn; unter Colitis ulcerosa leiden etwa 200 von 100'000 Einwohnern. Symptomatisch für beide Erkrankungen sind Durchfall und Bauchschmerzen.
Morbus Crohn? Colitis ulcerosa?
Kostenloser Infoabend mit Darmspaziergang, 17. Januar, 18-21 Uhr an der Hebelstrasse 20 im «Kleinen Hörsaal ZLF» der Uni Basel.
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Bauchweh und blutiger Durchfall, jederzeit und überall. Mal endlos, mal in Schüben. Eine chronische Darmerkrankung kann Betroffenen das Leben zur Hölle machen und in die soziale Isolation führen. Aus Angst vor unangenehmen Geräuschen und plötzlichem Stuhlgang werden Kino- und Restaurantbesuche ebenso gemieden wie Gespräche über die Erkrankung. Wer redet schon gerne über die eigenen Ausscheidungen? So erging es auch Bruno Raffa, der seit über fünfzehn Jahren an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa leidet. «Das Thema ist noch immer mit einem Tabu behaftet, weil es um Toiletten und Durchfall geht», sagt der 47-Jährige.
Anfang Dreissig hat es Raffa erwischt, völlig unvermittelt. Zuerst verkroch er sich damals, verschämt und verunsichert. Dann gelangte er an die Schweizerische Morbus Crohn / Colitis ulcerosa-Vereinigung (SMCCV), deren Präsident der Innerschweizer inzwischen ist und mit welcher er heute Abend in Basel zu einem speziellen Anlass lädt: einer Darmbegehung. Acht Meter lang ist das Modell, durch welches man spazierend die Krankheitsbilder der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sichten und ertasten kann. Hätte man die Länge des Riesendarms originalgetreu nachgebaut, müsste der Arschtunnel sogar mehrere hundert Meter lang sein. Denn das Verdauungsorgan eines Erwachsenen misst auch ohne Vergrösserung satte acht Meter. Auf den Spaziergang durch den Plastikdarm folgen Vorträge und Fragerunden zu den beiden chronischen Darmkrankheiten.
«Ich nerve mich noch immer jeden Tag»
«Wir wollen die Leute aus der Isolation holen», erklärt Bruno Raffa, der heute seine Erkrankung in Basel zum ersten Mal von innen beschreitet. Um möglichst viele Betroffene zu erreichen, nutzt der 47-Jährige auch die Vorzüge sozialer Medien wie Facebook, Twitter und flickr. «Es gibt Leute, die hatten gestern die Diagnose und heute kennen sie zwanzig Betroffene, mit denen sie sich austauschen können.» Auch Handy-Programme (Apps), welche den Erkrankten den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette weisen, helfen bei der Bewältigung des alltäglichen Kampfes mit dem Darm.
In den Augen von Bruno Raffa werden viele Erkrankte zu spät oder falsch behandelt. Das liegt natürlich auch daran, dass man das Thema tendenziell eher unter dem Deckel hält, als ein chronisches Rückenleiden. Besonders wenn man zwischen zwanzig und dreissig Jahre jung ist und mitten im Leben steht. Doch genau in diesem Alter treten diese Darmerkrankungen oft zum ersten Mal auf. Je schneller diese erkannt werden, desto besser gelingt gemäss Raffa die Behandlung und desto kleiner sind die Spätschäden. «Eine Heilung gibt es meines Wissens noch nicht», sagt der 47-Jährige und erklärt, dass die Krankheiten individuell völlig unterschiedlich verlaufen können – während für die einen der Durchfall ständiger Begleiter ist, trifft es andere nur selten und schubweise. «Ich nerve mich noch immer jeden Tag über diese Krankheit», sagt Raffa, «ich versuche sie zu akzeptieren, aber das gelingt nicht immer.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.01.2012, 16:25 Uhr
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7 Kommentare
Auch ich bin fast verzweifelt, hatte das Leben satt. Nun habe ich endlich ein Medikament, das mir sehr gut hilft.
Statt immer wieder Cortisonbehandlungen nehme ich das auch cortisonhaltige "Budenofalk" 2 x täglich. Es ist nicht einfach, das passende Medikament zu finden - oft ein langen Weg.
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Basel
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