Basel

Spitex Basel lässt Patienten abblitzen

Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 07.02.2012 23 Kommentare

Die staatlich subventionierte Spitex Basel-Stadt verweigert Pflegeleistungen, wenn private Firmen die Betreuung übernehmen.

Spitex Basel ist daran interessiert, die gesamte Pflege als Paket anbieten.

Spitex Basel ist daran interessiert, die gesamte Pflege als Paket anbieten.
Bild: Elisabeth Real

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Die Spitex Basel-Stadt verweigert Pflegeleistungen, wenn die private Firma Home Instead die Betreuung übernimmt. Darf sie das?

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Patricia Rusch traute ihren Ohren nicht. Als sie ihren bald 90-jährigen Vater für die Zeit nach dessen Spitalaufenthalt bei der Spitex Basel anmelden wollte, erhielt sie eine Absage. Der Grund: Rusch gab bekannt, dass sie den Hochbetagten durch Home Instead betreuen wolle. «Sobald der Name Home Instead fiel, sagte die Frau am Telefon, dass Spitex Basel mit Home Instead nicht zusammenarbeite.» Sie habe daraufhin die Spitex-Mitarbeiterin gebeten, beim Management der Spitex Basel nachzufragen. In einem zweiten Telefonat sei ihr bestätigt worden: Mit Home Instead arbeite Spitex Basel nicht zusammen.

Damit stand Patricia Rusch mit ihrem kranken Vater ohne spitalexterne Behandlungspflege da. Denn Home Instead bietet wie viele andere private Anbieter nur die Betreuung und eine einfache Grundpflege, etwa Hilfe beim Aufstehen oder Waschen, an. Nicht aber die Behandlungspflege. «Dafür haben wir vom Kanton keine Bewilligung», sagt Paul Fritz, Geschäftsleiter Schweiz und Österreich bei Home Instead. Denn für die Behandlungspflege braucht es diplomiertes Pflegepersonal, das beispielsweise Spritzen geben oder – wie im konkreten Fall – Katheter setzen und überwachen kann.

Zum Glück für den alten Mann: Seine Tochter kommt aus der Pflege und konnte darum notfallmässig einspringen. Seit dem 17. Januar betreut Home Instead ihren Vater. «Ich bin mit ihren Leistungen sehr zufrieden», sagt Patricia Rusch. Den medizinischen Teil decke zurzeit der Hausarzt durch häufigere Besuche ab. Allerdings müsse sie längerfristig eine andere Lösung suchen, so Patricia Rusch.

«Nicht akzeptables Verhalten»

Bereits früher hatte sie für den Vater und die verstorbene Mutter die Dienste der Spitex Basel in Anspruch genommen. Es sei eine gute Pflege gewesen, betont sie. Nicht akzeptabel sei aber das Verhalten des Spitex-Managements: «Es geht nicht an, dass mir die Spitex vorschreibt, wer meinen Vater betreut – zumal sie im Gegensatz zu Home Instead nicht einmal einen 24-Stunden-Dienst anbietet.» Die Geschäftsführerin von Spitex Basel verteidigt ihr Vorgehen: «Es geht uns in erster Linie um die Qualität der Pflege», sagt Dorothea Zeltner Kamber. Wenn zwei Organisationen dafür verantwortlich seien, fehle die Gesamtübersicht über die Pflegesituation. Diese sei aber notwendig, um Qualität und Sicherheit zu garantieren.

Patricia Rusch lässt dieses Argument nicht gelten: «Mit einer guten Pflege- und Betreuungsplanung können zwei Organisationen sich gut auf einen Patienten einstellen.» Es sei offenkundig, dass hinter dem Verhalten der Spitex Basel «pekuniäre Interessen stehen».

Private als Rosinenpicker

Spitex-Geschäftsführerin Zeltner hebt hervor, dass die «Qualität im Vordergrund steht, ob wir mit einer anderen Organisation zusammenarbeiten oder nicht.» Mit einzelnen Spitexdiensten – beispielsweise mit frei praktizierenden Spitex-Pflegefachkräften oder mit Curavis – sei man auch entsprechende Kooperationsmodelle eingegangen. Allerdings gebe es «verschiedene Organisationen, welche als Rosinenpicker nur die lukrativen Fälle übernehmen». Spitex Basel hingegen leiste zu einem erheblichen Teil kurze Einsätze, welche zeit- und kostenintensiv seien. Darum habe sie ein Interesse daran, Gesamtpackages anzubieten, welche die gesamte Pflege und/oder die gesamte Hauswirtschaft umfassen. Die Kunden hätten die Wahl, welches Angebot welcher Firma sie annehmen wollen. Die Feststellung, die Spitex Basel grenze Home Instead aus, weist Dorothea Zeltner aber zurück. Man prüfe die Situation von Fall zu Fall.

Gegen den Vorwurf der «Rosinenpickerei» setzt sich Home-Instead-Geschäftsleiter Paul Fritz zur Wehr: «Wir weisen keinen Auftrag ab, den wir mit unseren Möglichkeiten erfüllen können.» Es sei die Spitex Basel, die ihre Leistungspflicht nicht erfülle, obwohl sie vom Kanton Basel-Stadt einen Leistungsauftrag erhalten habe und sich diesen finanziell abgelten lasse. Darum erwarte Home Instead von den Basler Behörden, dass sie diesen Missstand beheben.

Versorgungssicherheit gewährleistet

Felix Bader, Leiter der Abteilung Langzeitpflege beim Basler Gesundheitsdepartement hingegen erklärt, dass es keine gesetzliche Grundlage gebe, die ein Einschreiten ermögliche. So lange die Versorgungssicherheit in Basel gewährleistet sei, könne er nicht aktiv werden. Bei gegen hundert Organisationen im Spitex- und Betreuungsbereich sei diese Versorgungssicherheit aber gewährleistet.

Die Wahlfreiheit der Baslerinnen und Basler ist es allerdings nicht. Die BaZ kennt verschiedene Fälle aus dem vergangenen Jahr und aus dem Monat Januar, die aufzeigen, dass Home Instead von Spitex Basel geschnitten wird. Dabei erklären die befragten Sozialdienste der Spitäler, dass es an der Arbeit von Home Instead nichts auszusetzen gebe. Jedenfalls seien keine Reklamationen bekannt geworden. Spitex Basel hat gemäss Geschäftsbericht 2010 vom Kanton Basel-Stadt 15,46 Millionen Franken Subventionen erhalten – das sind rund die Hälfte ihrer Erträge.

Sinkende Kundenzahlen

Inzwischen hat die neue Pflegefinanzierung die Subventionen abgelöst. Doch erhält Spitex Basel laut Felix Bader vom Kanton weiterhin jährlich «mehrere Millionen Franken» zur Erfüllung ihres Leistungsauftrags. Wegen der immer stärkeren Konkurrenz hat Spitex Basel seit 2008 sinkende Kundenzahlen, weniger geleistete Einsatzstunden und einen sinkenden Personalbestand.

Stiftungsratspräsidentin Ursula Lehmann schreibt denn auch im Jahresbericht, dass «gegenüber den auftretenden Mitbewerbern Grenzen gesetzt oder gefunden werden müssen». Da erstaunt es nicht, dass gerade Home Instead ins Fadenkreuz der Spitex gekommen ist: Die weltweit tätige Firma gehört auch in Basel zu den grossen und rasch wachsenden Anbietern. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.02.2012, 07:28 Uhr

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23 Kommentare

Monika Zbinden

07.02.2012, 09:30 Uhr
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Dieser Artikel erstaunt mich überhaupt nicht, denn die Personalpolitik bei der Spitex ist genauso bedenklich wie die Verweigerung von Dienstleistungen. Die Spitex wird mit ihrem arroganten Verhalten nicht nur Kunden sondern auch qualifizierte, kompetente Mitarbeiter verlieren. Antworten


Stefan Weise

07.02.2012, 07:51 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Das gesamte Kranken- und Pflegesystem ist eine einzige Katastrophe. Ich war und bin schon immer ein befuerworter des staalich gelenkten Kranken- und Pflegesystems. Diese Abzocke muss dringend ein Ende finden. Der Staat schreibt vor wieviel er fuer Leistungen bereit ist zu zahlen. Das jetzige System ist total ueberteuert, ineffizient und verfilzt durch Lobbyisten. Antworten



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