Basel

«Staatsanwaltschaft, leckt mich am A****!»

Von Joel Gernet. Aktualisiert am 25.06.2013 105 Kommentare

Eric Weber setzt sich nach Abu Dhabi ab, weil er sich in Basel nicht mehr sicher fühlt. Am Mittwoch will der Rechtspopulist im Grossen Rat seinen Rücktritt bekannt geben. Zuvor äussert er im Interview seine Beweggründe – und zieht blank.

«Schämt euch! Ich verlasse Basel, aber werde wie ein Schatten über euch sein.» Am Tag vor seinem angeblichen Rücktritt poltert Grossrat Eric Weber auf der Mittleren Brücke. (Video: Joël Gernet)

Weber verkündet Rücktritt im Grossen Rat

Um 9:09 Uhr war es am 26. Juni an der Bündelitags-Sitzung im Grossen Rat soweit: Eric Weber verkündet mündlich seinen Rücktritt, den er angeblich auch per eingeschriebenem Brief einreichen will. «Hiermit möchte ich sie erlösen von mir – ich trete zurück. Aber das Sitzungsgeld von heute und morgen nehme ich noch mit.» Als er einmal mehr zu einer Schmährede gegen die Staatsanwaltschaft ansetzt, wird er von Parlamentspräsident Conradin Cramer souverän unterbrochen. Webers Vorschlag, die Donnerstagssitzung zur Feier seines Abschieds abzusagen wurde von sämtlichen Grossräten, ausser dem Antragsteller, abgelehnt.

Hat gemäss eigenen Aussagen gute Connections in den Nahen Osten: Eric Weber mit dem, wie er sagt, «Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate» auf einem Bild aus dem Jahr 2011.

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Eric Weber steht auf dem Käppelijoch und dreht dem Grossbasel den Rücken zu. Die Stimme des Grossrats überschlägt sich. «Ich gehe nie mehr ins Gefängnis (…) – Staatsanwaltschaft, leckt mich am Arsch», sagt er mit rotem Kopf und klopft sich dabei auf das entblösste Hinterteil. Auch einen Tag nach seinem 50. Geburtstag lässt Weber auf der Mittleren Brücke keine Spur von Altersmilde erkennen.

Er wettert über das «Verbrecherparlament», in dem er nicht zu Wort kommt, die «Folter» der Staatsanwaltschaft, die ihn im Oktober 2012 wegen angeblicher Wahlfälschung eine Woche in Untersuchungshaft steckte, und den «Drecksstaat» im Allgemeinen. Gut zwei Stunden zuvor hat er sich bei Grossratspräsident Conradin Cramer per Mail für dessen Geburtstagsbrief bedankt und seinen Wunsch geäussert, dass die Politiker im Grossen Rat «anständig miteinander umgehen und sich nicht beschimpfen». Weber ist beleidigt, weil ihn LDP-Grossrat André Auderset angeblich mit einem Schimpfwort betitelt hat, das der Körpergegend enstammt, die der Rechtspopulist auf dem Käppelijoch in die Kamera streckt.

Mordaufrufe und Schläge

Doch Webers selbst verschuldete Isolation im Basler Parlament ist nicht allein der Grund, dass er sich diesen Freitag nach Abu Dhabi absetzen will. «Die Polizei hat mir gesagt, dass sie mich nicht mehr schützen kann», erklärt der Initiant der «Volks-Aktion gegen zu viele Ausländer und Asylanten in unserer Heimat» (VA). Es gebe Mordaufrufe, im Parlament werde er massiv beschimpft und auf der Strasse von Türken gejagt und zusammengeschlagen. Deshalb will er fortan in Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, im Dienst eines Scheichs als Journalist arbeiten.

«Dort unten lieben die Leute ihr Land noch», sagt Weber. Sekunden später erklärt er, dass in Abu Dhabi 95 Prozent Ausländer leben. Für welchen Scheich er als Botschafter des Emirats arbeitet, möchte Weber nicht sagen. Er habe aber einen Einjahresvertrag unterschrieben, der ihm und den zwei Begleitern seines «Hofstaats» freie Kost und Logis verspricht – und ein monatliches Einkommen von 4000 Dollar. Steuerfrei. «Damit kann ich viel besser Leben als von den 1100 Franken aus dem Grossen Rat», findet Weber.

Skepsis über tatsächlichem Rückzug

Morgen Mittwoch will Weber im Grossen Rat seinen Rücktritt bekannt geben. An seiner Stelle soll VA-Politiker Bernhard Hofer nachrücken. Die allgemeine Skepsis gegenüber seines angekündigten Rücktritts – es ist nicht der erste – und seiner Ausreisepläne will Weber nicht gelten lassen: «Ich flüchte vor der Staatsanwaltschaft, ich habe nichts verbrochen!» Wer ihm nicht glaube, könne am Freitagmorgen seiner Abreise im Badischen Bahnhof beiwohnen. «Dann verlasse ich mit meinem Gefolge Basel.» Webers Zug fährt um 9.15 Uhr mit dem ICE 76 auf Gleis 4 in Richtung Frankfurt.

Allerdings malt sich Weber bereits vor seiner Abreise in den Nahen Osten seine Rückkehr nach Basel aus: Als Begleiter seines Scheichs würde der «Schweiz-Experte» während der nächsten Baselworld gerne im Luxushotel Trois Rois logieren. «Dann müsste Guy Morin kommen und mich begrüssen», sagt er mit einem spitzbübischen Lächeln im Gesicht. Dann muss Weber weiter, der letzte Zahnarzttermin vor der Abreise steht an. Seine letzten Worte zum Journalisten: «Bitte nicht allzu böse.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.06.2013, 17:01 Uhr

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105 Kommentare

Roland Nagler

25.06.2013, 17:39 Uhr
Melden 384 Empfehlung 26

Grossartig! That Video made my day. Es gibt also doch noch was zu lachen in Basel...... Antworten


Christian Schaub

25.06.2013, 18:26 Uhr
Melden 266 Empfehlung 110

schon ein sehr spezieller Grossrat, der ziemlich wirr rüberkommt. Wenn er seine Ansichten bezüglich dem aktuellen Kleinbasel etwas "gemütlicher" formulieren könnte und nicht komplett aus dem Ruder laufen würde, so könnte man ihn zumindest teilweise etwas ernst nehmen. Bezüglich dem Kleinbasel hat er nämlich nicht einmal unrecht. Vermissen wird ihn hier aber wohl niemand... Antworten



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