Basel
Stadt will altersgemischte Klassen
Von Denise Battaglia. Aktualisiert am 03.03.2009 3 Kommentare
Von altersgemischten Klassen halten sowohl die Basler wie die Baselbieter Lehrer nicht viel. Foto Keystone
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Eine der grossen Änderungen, welche die Harmonisierung der bisher unterschiedlichen Schulstrukturen in den vier Nordwestschweizer Kantonen mit sich bringt, ist die Einführung der sogenannten Basisstufe. Diese fasst den Kindergarten und die ersten beiden Primarschuljahre zusammen. Hier sollen Kinder unterschiedlichen Alters zusammenkommen: von den Fünfjährigen bis zu den Achtjährigen. Die Neuankömmlinge werden gemäss Konzept jedes Jahr in eine bestehende Gruppe aufgenommen. Die älteren oder weiterentwickelten Kinder helfen den jüngeren oder noch weniger fortgeschrittenen Kindern, sich zurechtzufinden.
Klassen gemischt weiterführen
Das altersgemischte System will das Erziehungsdepartement Basel-Stadt nicht nur für die Basisstufe, sondern auch in den anschliessenden Primarschulen einführen. Für Pierre Felder, Leiter der Volksschulen im Erziehungsdepartement, ist gerade die Basisstufe ein wichtiger Grund dafür, dass auch in den Anschlussklassen Kinder unterschiedlichen Alters gemeinsam unterrichtet werden. So könnten die Kinder die Fähigkeiten, die sie in der Basisstufe erworben hätten, weiterentwickeln.
Felder denkt dabei insbesondere an die Kooperationsfähigkeit. «In der Basisstufe lernen erstens die stärkeren Kinder die schwächeren zu unterstützen und zweitens fühlen sich die schwächeren nicht ausgegrenzt.» Deshalb wolle man in Basel die altersdurchmischten Klassen an manchen Schulen – jene Schulen, die sich freiwillig dafür melden – beibehalten. Das Erziehungsdepartement plant für die Aufbaustufe zwei Varianten nebeneinander: getrennte Jahrgangsklassen sowie Abteilungen, die zwei Klassen umfassen; hier würden Fünft- und Sechstklässler zusammen unterrichtet, desgleichen Siebent- und Achtklässler.
Ein anderer Weg wird im Baselbiet bevorzugt. Mit den altersgemischten Klassen ist es dort nach der Basisstufe wieder vorbei. Ab der Aufbaustufe sind nur noch Einheitsklassen geplant: In der fünften Klasse sitzen lediglich Fünftklässler, in der sechsten nur Sechstklässler. Das ist erstens kostengünstiger, weil es weniger Lehrer braucht. Zweitens will die Baselbieter Regierung den Lehrerinnen und Lehrern nicht zu viele Änderungen auf einmal zumuten. «Harmos verlangt den Schulen sonst schon viel ab», sagt der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich. Man wolle sich lieber auf die Einführung der neuen Basisstufe konzentrieren und in diesem Bereich Erfahrungen sammeln.
Lehrer sind dagegen
Auch Felder ist sich bewusst, dass «nicht alle Basler Lehrerinnen und Lehrer Freude an den gemischten Klassen haben». Tatsächlich wehren sich die Lehrer in der Stadt wie auf dem Land bereits gegen die Einführung der altersgemischten Basisstufe. Die Basler Schulsynode lehnt sie in ihrem Entwurf zur Stellungnahme im «Rahmen eines Staatsvertrags» schlichtweg ab. Und auch für die Aufbaustufe favorisiert sie «eindeutig» Jahrgangsklassen.
Ablehnend äussern sich auch die Baselbieter Lehrer. Obwohl Bea Fünfschilling, Präsidentin des Baselbieter Lehrervereins, eine Pilotklasse in Umiken (AG) besuchte und dort «strahlende Knaben und Mädchen» sah und mit «begeisterten» Lehrern sprach, bezeichnet sie die altersgemischte Basisstufe in einem Newsletter als «Katastrophe». Sie kritisiert vor allem den Aufwand, den die Basisstufe für die Lehrer mit sich bringt.
Eltern dafür
Im Gegensatz zu den Lehrern scheinen die Eltern von den gemischten Klassen mehr zu halten. In dem von der Erziehungsdirektorenkonferenz Ost (EDK Ost) in Auftrag gegebenen Evaluationsbericht zu den Pilotversuchen mit Basisstufe wurde gerade die Altersdurchmischung positiv hervorgehoben: Die Eltern hätten das Gefühl, dass die älteren Kinder den Lernfortschritt der jüngeren ankurbeln, wie es auch unter Geschwistern der Fall sei. Ein weiterer Vorteil sei, dass jüngere oder weniger schnell entwickelte Kinder nicht lange «Anfänger» blieben: Jedes Jahr kommen neue Anfänger hinzu, für die sie dann die «Profis» sind.
Trotz der ablehnenden Haltung seitens der Lehrer hofft Felder, dass sich ein paar der 30 Basler Primarschulen freiwillig für altersgemischte Klassen in der Aufbaustufe melden, zumal diese Klassen vier Lektionen mehr bezahlt bekommen und die Lehrer von Weiterbildungskursen entlastet werden.
Dass es Probleme mit der Harmonisierung zwischen Basel-Stadt und Baselland geben könnte, wenn es in Basel-Stadt altersgemischte Klassen auch in den höheren Primarstufen gibt, in Baselland aber nicht, glaubt Felder nicht. Wechsle ein Schüler den Kanton, werde dieser vermutlich einfach mal in eine Klassenstufe eingeschult, und wenn er Mühe habe, könne er nach drei Monaten immer noch die Stufe wechseln.
Zudem gebe es den Unterschied zwischen Basel-Stadt und Baselland im Falle eines Ja zum Staatsvertrag «Bildungsraum Nordwestschweiz» nur am Anfang. Der ganze Bildungsraum sei nämlich darauf angelegt, längerfristig bis zur 9. Klasse altersgemischte Klassen zu führen. Aber so weit ist es noch lange nicht: Die Bildungsraum-Vorlagen der beiden Basel sind erst in der Vernehmlassung. Und die Lehrerinnen und Lehrer sind noch nicht einmal von der Basisstufe überzeugt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 03.03.2009, 11:40 Uhr
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3 Kommentare
Vorausgesetzt Mobbing und Nötigung werden von den Lehrpersonen rechtzeitig erkannt und geahndet, kann das schon einen Vorteil und ein besseres Sozialverhalten bringen. Ich erinnere mich aber auch gut an die Schläge in die Magengrube, die mir die Grossen nur so aus langeweile auf dem Heimweg vom Kindergarten verpasst haben. Antworten
Mit der Integration der Kleinklassenkinder in die Regelklassen hat das ED die Lehrkräfte bereits vor riesige Probleme gestellt. Mit sog. altersgemischten Klassen sollen die Lehrkräfte zusätzlich gestresst werden. Gestresste Lehrkräfte können schneller ins Burnout getrieben und durch jüngere, flexiblere und billigere Lehrkräfte ersetzt werden. Sparmassnahmen statt Pädagogik? Antworten
Basel
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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