«Startup Academy» bringt Jungunternehmen zum Fliegen

Der gemeinnützige Verein «Startup Academy» hilft Jungunternehmern auf die Beine. In den seit diesem Jahr angebotenen Büros entstehen kreative Kooperationen zwischen den Startups – eine davon wird bald stadtbekannt sein.

Die beiden Gründer des Jungunternehmens «sHochZwei» stecken in den Räumlichkeiten von «CoworkingBasel» die Köpfe zusammen.

Die beiden Gründer des Jungunternehmens «sHochZwei» stecken in den Räumlichkeiten von «CoworkingBasel» die Köpfe zusammen. Bild: Lukas Bertschmann

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Sich selbständig machen und eine Firma gründen: das ist für Viele ein Traum. Doch bei genauerer Betrachtung schrecken Interessierte immer wieder zurück. Zu komplex erscheint die Materie – etwa die Mehrwertsteuer-Abrechnung oder vielleicht auch nur schon die Frage, welche juristische Gesellschaftsform am besten geeignet ist für das eigene Vorhaben. Genau an diesem Punkt setzt das Modell der «Startup Academy» an: Der gemeinnützige Verein unterstützt seit bald zwei Jahren junge Unternehmer bei der Gründung der eigenen Firma, indem ein breiter Pool an Mentoren und Coaches aus der Praxis zur Seite gestellt werden – und dies für lediglich einen symbolischen Unkostenbeitrag.

Damit junge Unternehmer in den Genuss dieses Angebots kommen, durchleuchten sie die gestanden Berufsleute zuerst gründlich. «Für uns ist entscheidend, ob eine Geschäftsidee realisierbar erscheint. Zudem müssen wir von den Kandidaten überzeugt werden, dass sie das nötige Commitment mitbringen, ihre Unternehmensidee auch zu realisieren», sagt Ute Dehn, Vorstandsmitglied des Vereins. Die 51-jährige Geschäftsfrau ist Mitglied der Geschäftsleitung der Zürcher Niederlassung der internationalen Kommunikationsagentur Burson Marsteller und engagiert sich ehrenamtlich bei der Startup Academy.

400 Quadratmeter Platz für innovative Köpfe

Seit Beginn dieses Jahres hat der Verein sein Angebot noch weiter ausgebaut und rief «CoworkingBasel» ins Leben. Auf dem Dreispitzareal sind damit auf einer Fläche von 400 Quadratmetern 22 Arbeitsplätze zu überaus günstigen Konditionen entstanden: Ein Platz inklusive Büromobiliar, Drucker, Internetzugang und einen benutzbaren Sitzungszimmer kostet 350 Franken. «Das Angebot ist einmalig. Vor allem die fachliche Unterstützung, die wir bei unserer Firmengründung erhielten, war von unschätzbarem Wert», meint der 39-jährige Michele Salvatore. Vom Verein wird die Unterstützungsleistung mit rund 20'000 Franken beziffert. Salvatore, der ehemalige Leiter der mobilen Jugendarbeit Basel, gründete im vergangenen Jahr mit seinem 52-jährigen Geschäftspartner Zeno Steuri das Jungungernehmen «sHochZwei». «Bei uns trifft ‹jung› natürlich hauptsächlich auf das zarte Alter der Firma zu», sagt Steuri schmunzelnd.

Ihr Geschäft ist die Vermittlung bei soziokulturellen Projekten zwischen Behörden, Institutionen und Kinder sowie Jugendlichen. Zu ihren ersten Projekten gehört etwa die Realisierung eines Ferienpasses für das obere Baselbiet. Im Auftrag von Liestal, Gelterkinden und Sissach erarbeiten sie ein Freizeitangebot für die Kleinen in den Sommerferien. «In dieser Gegend war während der Sommerferien bis anhin nichts los für Kinder. Ab diesem Sommer ist das anders», so Steuri, der zuvor das Kinderbüro Basel aufbaute. Die Institution setzt sich für die Rechte der Kids ein.

Bevor die beiden je dreifachen Familienväter den Schritt in die Selbstständigkeit wagten und ihre Stellen kündigten, waren zahlreiche Abklärungen und Schritte nötig. «Hier hat uns die die Startup Academy enorm unterstützt», so Salvatore. Nach Aufnahme ins Programm des Vereins erhielten sie von den ehrenamtlichen Mentoren aus den verschiedenen einschlägigen Feldern Unterstützung: «Mit einem Treuhänder konnten wir die Altersvorsorge- und Mehrwertsteuer-Fragen klären», berichtet Salvatore. Mit einem Anwalt konnten sie ihre AGBs und Auftrags-Musterverträge erarbeiten. Zudem wurden sie von einem Personalberater auf ihre Charakteren untersucht und erhielten wertvolle Hinweise für das Zusammenarbeiten als neue Geschäftspartner. «Als letzten Baustein steht nun noch das knapp eintätige Treffen mit einem Marketingfachmann an», erzählt Steuri.

Nahendes Stadtgespräch

Von einem anderen Projekt der beiden wird man in den nächsten Wochen in Basel mit Sicherheit erfahren: Das Bau- und Verkehrsdepartement sowie die Schweizerischen Rheinhäfen haben ihre Eingabe als eines von acht Siegerprojekten für die Zwischennutzung der Klybeckinsel auserkoren. «Wir können aber nicht viel mehr dazu sagen, da mit der Stadt Stillschweigen vereinbart ist», bremst Steuri die Neugier.

Das Zustandekommen dieses Projekts ist bezeichnend für den Geist von «CoworkingBasel»: der Austausch und die gegenseitige Bereicherung der einzelnen eingemieteten Jungunternehmer. Die beiden holten den 36-jährigen Architekten Pascal Müller mit an Bord. Seine Einmann-Firma «SAPA» ist zehn Meter entfernt an der gegenüberliegenden Seite des hellen Raums ansässig. «Es war super, die bauliche Anlage unseres Projekt mit einem Architekten planen zu können», erzählt Salvatore begeistert.

Altruistischer Unternehmergeist

So hat die Startup Academy indirekt auch etwas für die Zwischennutzung des Ex-Esso-Areals getan im Basler Hafen getan. Dies wiederum wäre ohne die Unterstützung von öffentlicher und privater Seite nicht möglich gewesen. Denn auch seinerseits erfährt der gemeinnützige Verein nebst der erwähnten ehrenamtlichen Tätigkeit der Mentoren und Experten auch finanzielle Beiträge von der Gesellschaft der Basler Betriebsökonomen und der Gebert Rüf Stiftung. Beide Organisationen waren massgeblich an der Gründung beteiligt. Mittlerweile ist auch die Christoph Merian Stiftung sowie von privatwirtschaftlicher Seite die UBS als Sponsoren hinzugekommen. Auch die beiden Basel engagieren sich indirekt via die Wirtschaftsförderungs-Organisation BaselArea an der Startup Academy. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2012, 10:03 Uhr

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