Basel

Stiefvater muss nach Kindsmissbrauch neun Jahre ins Gefängnis

Von Claudia Kocher. Aktualisiert am 14.05.2009

Wegen mehrfacher Vergewaltigung der Stieftochter muss ein Mann für neun Jahre ins Gefängnis. Das Opfer erstattete mit 17 Jahren Anzeige. Zuvor hatte die Mutter des Opfers die Vergewaltigungs-Vorwürfe jahrelang ignoriert.

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Der Mann, der seine Stieftochter vergewaltigt haben soll, erhielt neun Jahre Freiheitsstrafe. Dies entspricht dem Antrag der Basler Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte auf 18 Monate plädiert. Gerichtspräsident Jeremy Stephenson sagte in der Urteilsbegründung, verglichen mit anderen Fällen sei dies sei einer der schlimmsten Fälle des sexuellen Missbrauchs.

Jelena* war neun, als ihre Mutter wieder heiratete. Doch schon vorher wohnte der neue Stiefvater Nikolai D.* bei ihr und der Mutter. 1996 war er als bosnischer Asylbewerber hierhergekommen. Anfangs arbeitete er als Hilfsgärtner. Nach einem Bandscheibenvorfall wurde er arbeitslos und verbrachte viel Zeit zu Hause, während Jelenas Mutter Schicht arbeitete. Als sie sieben oder acht war, habe ihr Stiefvater begonnen, sie sexuell zu berühren, sagt die heute 18-Jährige vor dem Strafgericht.

Bis zu fünfmal wöchentlich vergewaltigt

Jelena erzählte ihrem Vater und seiner neuen Frau von den Vorfällen, die sie Jelenas Mutter berichteten. Das könne nicht sein, habe diese gesagt. Jelena wolle nur ihre Ehe kaputt machen. Und drohte: Sie würde Jelena ins Kinderheim stecken. Daraufhin schwieg das Mädchen. Es dachte, es würde ihr sowieso niemand mehr glauben.

Etwa ein Jahr habe er sie danach in Ruhe gelassen. Dann fing er wieder an. Er sei ins Kinderzimmer gekommen, habe sie ausgezogen, sein Glied an ihrer Vagina gerieben. Jelena ekelte sich. Als sie in die erste Klasse kam, habe Nikolai D. angefangen, sie bis zu fünfmal wöchentlich zu vergewaltigen – immer, wenn die Mutter weg war. «Etwa zweihundert Übergriffe im Jahr», rechnete Gerichtspräsident Jeremy Stephenson vor. Jahrelang. Bis im Winter 2008. Dann erzählte Jelena ihrem neuen Freund davon. Dieser schaltete den Vater ein. Und schliesslich kam auch Jelenas Mutter mit auf den Polizeiposten, wo Anzeige erstattet wurde. Nikolai D. wurde noch am selben Abend festgenommen. Seitdem war er in Untersuchungshaft.

* Namen geändert

Lesen Sie morgen in der BaZ mehr zur Urteilsbegründung. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.05.2009, 09:37 Uhr

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