Basel
Telefonkabinen sind bereits Kulturerbe
Von Patrick Künzle. Aktualisiert am 19.01.2011 4 Kommentare
Das Echo aus der BaZ-Leserschaft war enorm. Am vergangenen Samstag wurde in dieser Zeitung gefordert, dass die Telefonkabinen auf dem Barfüsserplatz unter Denkmalschutz gestellt oder zumindest als Weltkulturerbe vorgeschlagen werden sollten. Der Grund: Sie dienen Basels Teenagern seit Jahrzehnten als Treffpunkt, um von dort anschliessend das Nachtleben der Stadt zu erkunden.
So absurd die Forderung auf den ersten Blick klingen mag – sie ist es keineswegs. BaZ-Leser Heinz Frey-Huonder aus Münchenstein plädiert ebenfalls dafür, dass die Barfi-Telefonkabinen unter Schutz gestellt werden, und führt einen triftigen Grund an. Frey-Huonder schreibt: Für vermutlich Zehntausende von Amerikanern, die den «American Heritage Dictionary of the English Language» besitzen, repräsentieren die blauen Basler Häuschen vom Barfüsserplatz die Telefonkabinen schlechthin. Dies zeige ein Blick in die dritte Auflage des Nachschlagewerks von 1992. Dort sind unter dem Stichwort «telephone booth» zur Illustration tatsächlich die Barfi-Kabinen abgebildet (siehe Foto). Mit anderen Worten: Basels Häuschen sind bereits Kulturerbe – zumindest in den USA. Für Heinz Frey-Huonder steht jedenfalls fest: «Über eine solche Attraktion müsste sich auch das Tourismusbüro um die Ecke freuen.»
Bekannter Fotograf
Wie die Basler Kabinen den Weg ins amerikanische Lexikon fanden, war auf die Schnelle nicht herauszufinden. Klar ist bloss, dass das Foto von Clemens Kalischer stammt, einem bekannten jüdisch-deutschen Fotografen, der seit 60 Jahren in den USA lebt. Bei einer seiner Europareisen muss er die Telefonkabinen abgelichtet haben.
Wie vergänglich der Ruhm der Telefonkabinen jedoch sein kann, zeigt ein Blick in die bislang neueste Ausgabe des «American Heritage Dictionary of the English Language» aus dem Jahr 2000. Dort sind die Barfi-Kabinen nicht mehr zu finden. Allerdings wurden sie nicht ersetzt durch eine andere schmucke Kabine. Der Begriff «telephone booth» wird schlicht nicht mehr durch ein Foto illustriert – womöglich, weil er im Handy-Zeitalter an Bedeutung verloren hat. Ein Grund mehr, die Barfi-Kabinen unter Schutz zu stellen. (Basler Zeitung)
Erstellt: 19.01.2011, 11:31 Uhr
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4 Kommentare
Nur weil vor Jahren mal dies in einem amerikanischen Lexion abgelichtet wurde, dies als Weltkulturerbe vorzuschlagen? Dann müssten ja alle Formen von Telefonkabinen geschützt werden und da gibt es ja einige Varianten. Und wenn man so den Gedanken weiter spinnt, dann müssten wir ja ALLES AUF DER WELT als Schützenswert stehen lassen um für die Nachwelt als Weltkulturebe zur Verfügung stellen. Antworten
Fuer mich haben die telefonkabinen am Barfi auch einen grossen nutzen, zwar fuer hundsgewoehnliche telefongespraeche aber halt an einem besonderen tag: Seit jahren fliege ich jedes jahr von Israel an die Fasnacht, und leider meistens nicht mit all meinen toechtern. Die zuhause gebliebenen bekommen dann vom morgestraich aus einen guten morgen anruf mit den bestern background toenen die es gibt! Antworten
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