Uni Basel entdeckt uralte Erasmus-Übersetzung

Forscher der Uni Basel sind auf eine bisher unbekannte spanische Übersetzung des Werks «Lob der Torheit» von Erasmus von Rotterdam gestossen. Die Handschrift stammt aus der weltweit ältesten jüdischen Bibliothek in Amsterdam.

Älteste Übersetzung von «Lob der Torheit» ins Spanische.

Älteste Übersetzung von «Lob der Torheit» ins Spanische. Bild: Peter Lange / Joods Historisch Museum, Amsterdam

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Der Theologe und Humanist Erasmus von Rotterdam (1465–1536), welcher während mehreren Jahren in Basel wohnte, war bei der spanischen Inquisition ein nicht gern gesehener Autor: 1559 wurden einige seiner Schriften, darunter auch die Satire «Lob der Torheit», auf den Index verbotener Schriften gesetzt. Das lateinische Werk nimmt die Gesellschaft und die Kirche aufs subtil Korn. Erst acht Jahre nach der definitiven Auflösung der Inquisition 1842 konnte das satirische Werk über die Dummheit und Laster der Menschen in spanischer Sprache gedruckt werden.

Ältestes Exemplar in spanischer Sprache

Nun wurde aber eine Handschrift als erste spanische Übersetzung identifiziert. Die beiden Literaturwissenschaftler Harm den Boer und Jorge Ledo von der Uni Basel datieren das bisher unbekannte Dokument auf das 17. Jahrhundert. Sprachliche Eigenschaften lassen die Forscher vermuten, dass das Manuskript auf einen älteren Text aus dem 16. Jahrhunderts zurückgeht, der als verloren gilt. Die beiden Hispanisten entdeckten das aus über 200 Seiten bestehende Dokument in der ältesten noch aktiven jüdischen Bibliothek «Ets Haim – Livraria Montezinos» in Amsterdam. Das Manuskript war in einem gedruckten Katalog der Bibliothek verzeichnet, bisher jedoch nicht als erste spanische Übersetzung des «Lobs der Torheit» erkannt worden. Noch ist unklar, wann die Handschrift in die Bibliothek der portugiesisch-israelitischen Synagoge gelangt ist.

Erasmus' Spuren bei Don Quijote

Erasmus’ Ideen stiessen im Spanien des 16. Jahrhunderts auf grosse Resonanz, gerieten aber nach dem endgültigen Bruch des Reformators Martin Luther mit der katholischen Kirche in ein schlechtes Licht. Über frühe spanischen Übersetzungen von Erasmus’ bekanntestem Werk war viel spekuliert worden, seine Spuren finden sich im Schelmenroman «Lazarillo de Tormes» (um 1522) und in Cervantes’ «Don Quijote» (1605/1615). Allerdings liess sich die Existenz einer zeitgenössischen Übersetzung bis zur Entdeckung der Handschrift durch die beiden Forscher des Basler Instituts für Iberoromanistik nicht nachweisen. (ms)

Erstellt: 16.02.2012, 13:44 Uhr

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