Unterirdisch kommt gigantisch teuer

Die Basler Osttangente soll auf sechs Fahrspuren ausgebaut werden. Zur Debatte steht auch eine Tunnelvariante. Doch diese kostet zwei bis drei Milliarden Franken.

Lärmschutz.
Die Osttangente
soll im Bereich
Gellert einen
Deckel erhalten
und in der Breite
eingehaust
werden. Ebenfalls
diskutiert wird
eine unterirdische
Variante.
Grafik BaZ/reh

Lärmschutz. Die Osttangente soll im Bereich Gellert einen Deckel erhalten und in der Breite eingehaust werden. Ebenfalls diskutiert wird eine unterirdische Variante. Grafik BaZ/reh

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Eine unterirdische Linienführung der Basler Osttangente ist technisch möglich, aber komplex. Die Autobahn tieferzulegen, werde aber Auswirkungen städtebaulicher, verkehrstechnischer und finanzieller Art nach sich ziehen, deren Tragweite noch nicht ganz geklärt sei, sagten das Bundesamt für Strassen (Astra) und das Basler Bau- und Verkehrsdepartement im Juni. Deshalb seien zusätzliche Abklärungen nötig. Bis Ende Jahr sollen weitere Erkenntnisse vorliegen, doch im Prinzip ist heute schon klar, wo der Hund begraben liegt: beim Geld. Denn eine unterirdische Lösung verschlingt einen Milliardenbetrag.

Blenden wir einmal die Frage der Finanzierung aus – dann sind sich eigentlich fast alle einig: Die Osttangente muss erweitert werden, weil sie den vorhandenen Verkehr nicht mehr schlucken kann. Das Nationalstrassenstück vom Gellertdreieck bis zum deutschen Autobahnzoll hat keine Reserve mehr, und dazu ist für die nächsten Jahre mit einer weiteren Zunahme des Verkehrs zu rechnen. Wenn sich auch nur ein einziger Unfall ereignet, ergibt sich sofort eine Stausituation. Wie eng die Verhältnisse sind, hat zuletzt der Lastwagenbrand vom 21. Juni gezeigt.

Basler Petition macht Druck

Das Problem ist nicht nur hierzulande, sondern auch auf Bundesebene längst erkannt worden: Der Bundesrat will die Kapazität der Autobahn A2 im Abschnitt zwischen Gellertdreieck und Badischem Bahnhof erweitern, dies im Rahmen eines Programms, mit dem insgesamt 5,5 Milliarden Franken in die Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz investiert werden sollen. Die heute vierspurige Osttangente soll auf beiden Seiten um je eine Fahrspur verbreitert werden. Dies der Stand vom April 2009.

Basel-Stadt hörte diese Botschaft gerne, sandte jedoch Wünsche nach Bern: Gleichzeitig mit diesem Ausbau solle auch der Lärm reduziert werden. Der Regierungsrat forderte in seiner Vernehmlassung, die A2 im Bereich Gellert einzuhausen und im Bereich Breite zu überdecken. Dabei sollte auch gleich die parallel zur Autobahn verlaufende Eisenbahn einbezogen werden.

Damit nicht genug: Der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels verlangte vom Bundesamt für Strassen, auch unterirdische Variantenführungen zu prüfen. Das fordert auch eine von über 10'000 Baslerinnen und Baslern unterschriebene Petition an Bundesrätin Doris Leuthard mit Nachdruck. Das Wort der Verkehrsministerin wird Gewicht haben, weil für die Erweiterung der Osttangente der Bund zuständig ist und darum auch die Kosten trägt. Unter anderen unterstützen die Bundesparlamentarier Peter Malama (FDP), Anita Fetz (SP), Anita Lachenmeier (Grüne) und Beat Jans (SP) diese Eingabe.

Autobahn der neuen Generation

Abgeklärt wird nun zum Beispiel, inwiefern Veränderungen an der Osttangente in den Stadtraum eingreifen. Besonders bei den Ein- und Ausfahrten ist mit Auswirkungen zu rechnen, egal ob ebenerdig oder unterirdisch erweitert wird. Der Basler Kantonsingenieur Roger Reinauer ist überzeugt, dass die Ein- und Ausfahrten dort belassen werden müssten, wo sie sich heute befinden. Denn das Nationalstrassennetz und das städtische Strassennetz seien aufeinander abgestimmt; werde bei den Ein- und Ausfahrten etwas verändert, könnte sich das Gleichgewicht verschieben. Das ergibt sich nicht zuletzt aufgrund der Verkehrszahlen: Auf der Osttangente gibt es bis zu 70 Prozent städtischen Ziel- und Quellverkehr und nur gerade 30 Prozent Durchgangsverkehr. Wird eine oberirdische Variante gewählt, sollte nicht gegen den Willen der Bevölkerung gebaut werden, müssten die Anliegen der Petition nach Möglichkeit berücksichtigt werden – so weit sind sich Astra und das Baudepartement einig.

Unterirdische Lösungen hätten gemäss Reinauer den Vorteil, dass man Bausünden der Vergangenheit eliminieren könnte. Die Osttangente wurde seinerzeit erstellt wie jede andere Autobahn: auf Stelzen und auf Brücken in die Städte hinein. «Das würde man heute nicht mehr tun, schauen Sie sich die Nordtangente an. Das ist eine ganz neue Generation des Nationalstrassenbaus», meint Reinauer. Die Nordtangente sei nicht nur nach den Gesetzen der Ingenieurtechnik, sondern auch mit städtebaulichem Blickwinkel gebaut worden. Bei und unter der Osttangente seien auch einige Unorte entstanden, zum Beispiel unbeleuchtete, schwer einsehbare Stellen, die nicht zum Bleiben einladen.

Lange Rampen werden nötig

Auch bei einer Tieflage müssten die Ein- und Ausfahrten an den gleichen Orten belassen werden wie heute, sagt Roger Reinauer. Mit dem Tieferlegen könnten Unorte und ästhetische Missetaten zwar eliminiert werden, doch das Bauen werde natürlich nicht einfacher. Und die Tieflage wird vor allem sehr teuer, wegen der Tunnelbauten. Bei jeder Ein- oder Ausfahrt müsste eine Rampe gebaut werden, deren Gefälle oder Steigung sechs Prozent nicht übersteigen darf, weil sie sonst von Lastwagen nicht bewältigt werden kann. Sanft steigende oder abfallende Rampen werden jedoch lang, etwa 350 bis 380 Meter, wie Roger Reinauer heute schätzt. Dazu müsste stellenweise tief in den Boden gebohrt werden: Die Unterquerung des Rheins würde etwa 20 Meter tiefer erfolgen als heute die Überquerung. Eine kritische oder zumindest knifflige Stelle wäre der Bereich Breite.

Was das alles kosten wird, vermag Roger Reinauer nicht genau abzuschätzen, nur so viel: Ein dreistelliger Millionenbetrag reicht auf keinen Fall. Ein oberirdischer Ausbau sei für etwas mehr als 900 Millionen Franken zu haben, liess sich ein Astra-Sprecher kürzlich in den Medien vernehmen, eine unterirdische Variante koste aber wohl mindestens das Doppelte. Also zwei bis drei Milliarden Franken: kein Wunder, dass die Planer des Bundes noch etwas mehr Zeit benötigen. Und verständlich, da ja Basel-Stadt nicht mehr mitzahlen muss. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.07.2011, 07:40 Uhr

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Die Stadtautobahn Osttangente soll auf sechs Fahrspuren ausgebaut werden. Zur Debatte steht auch eine Tunnelvariante. Soll die Osttangente unter den Boden?

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