Vegane Charmeoffensive am Rheinufer

Die Aktion «Grilling without Killing» will Sympathien wecken für eine Ernährung ohne tierische Produkte. Unter anderem auch am Kleinbasler Rheinbord. Bekehren wolle man aber niemanden, versichert ein Aktivist.

«Wollt ihr mal versuchen?» Basler Veganer bieten derzeit rund ums Rheinufer Kostproben vom Grill an – die Reaktionen seien sehr positiv.

«Wollt ihr mal versuchen?» Basler Veganer bieten derzeit rund ums Rheinufer Kostproben vom Grill an – die Reaktionen seien sehr positiv.

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Ein typischer Abend im Juli am Rheinbord: Das letzte Licht taucht den Himmel in kräftiges Pink, die Menschen trinken Cocktails von der Flora-Buvette und werfen, einer nach dem anderen, den Grill an. Sie packen Filets, Pouletspiessli und Bratwürste aus – das gibt einen Gaumenschmaus. Ein Grill unter diesen vielen kommt indes gänzlich ohne Fleisch und tierische Produkte aus.

«Wollt ihr mal versuchen?», fragt ein schlaksiger, langhaariger Mann. Er trägt ein Tablett vor sich her, spaziert von Gruppe zu Gruppe, geht in die Hocke und spricht die sitzenden und liegenden Menschen an. Was ist das denn? «Marinierte Sojamedaillons am Spiess und veganes Cevapcici», erklärt er. Die Leute rümpfen die Nase, sind skeptisch, versuchen aber dennoch. Kauen zunächst vorsichtig, dann zunehmend begeistert. «Ich habe immer gedacht, dass das nach gar nichts schmeckt. Aber das ist richtig fein», sagt eine Frau, und greift sich ein weiteres Medaillon. «Alles ohne tierische Produkte», sagt der junge Mann, fast ein wenig stolz.

Grills in der ganzen Schweiz

Die Vegane Gesellschaft Schweiz (VGS) hat vor wenigen Wochen zusammen mit lokalen Organisationen eine Charmeoffensive in der Schweiz gestartet. An öffentlichen Plätzen und in Parks stellen sie in der ganzen Schweiz ihre Grills auf und geben Neugierigen ein paar Häppchen zur Degustation. «Wir konzentrieren uns auf städtische Gebiete, da hier auf den vielen Plätzen mehr ­Menschen zusammenkommen», sagt ­Cristina Roduner von der VGS zur BaZ. Die Aktion nenne sich «Grilling without Killing». «Wir wollen damit die Begeisterung für veganes Essen wecken und kulinarische Tipps geben.»

Bereits im Juni war der lokale Verein basel-vegan.ch zweimal mit einem Infostand an der Schifflände präsent. «Jetzt verteilen wir immer wieder Tabletts mit gegrillten Leckereien am Rheinufer», sagt Marielle Kappeler von basel-vegan.ch. Die Reaktionen darauf seien positiv, «wir sind selber überrascht, wie gut es läuft». Die Basler seien sehr aufgeschlossen und neugierig. «Und viele Angesprochene sind eben überrascht darüber, wie lecker die Spiessli schmecken.»

Vorurteile abbauen

Kappeler schätzt, dass in Basel derzeit rund 1000 Personen an der Aktion «Grilling without Killing», einer sozialen Bewegung, wie sie sagt, mitmachen. Den Grill also anwerfen, aber nicht für Fleisch und tierische Produkte. Eine Aktion, ausschliesslich, um über den veganen Lebensstil zu informieren – oder doch nicht ganz? Der junge Mann lässt es sich bei seiner Runde am Rheinufer nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass man weiterhin für einen fleischlosen Tag in der Uni-Mensa kämpfe. «Wir sind da auf einem guten Weg», verrät er.

Möchte die VGS möglichst viele Menschen zu veganem Leben «bekehren»? Roduner winkt ab. «Wie schon gesagt, wollen wir damit erste Vorurteile abbauen und vielleicht dazu aufmuntern, einmal einen veganen Tag einzulegen.» Die Umstellung auf vegane Ernährung könne sowieso nicht von heute auf morgen erfolgen. «Langjährige Gewohnheiten zu ändern ist nicht immer einfach.» Mit Missionieren habe die Aktion gar nichts zu tun: «Das machen religiöse Gruppen. Wir bieten den Menschen Hintergrundinformationen an, damit sie sich besser eine eigene Meinung zum Thema bilden können. Auch bauen wir eine Schwelle ab; es bestehen viele Berührungsängste.»

Bald ein veganer Laden in Basel

In der Vergangenheit sei oft Unwahres und Negatives in den Medien berichtet worden, ergänzt Roduner. «Nur wer über alle Informationen verfügt, kann urteilen.» Zudem würden Organisationen wie Swissmilk oder ProViande schon seit Jahrzehnten Kanäle wie den Tag der Pausenmilch oder das Wintergrillfest zu Werbezwecken nutzen, sagt sie. «Dabei sind Schulen ein Ort der Bildung und kein Ort der Werbung.»

Marielle Kappeler und ihr Team wollen in Basel mit der veganen Aktion weitermachen, «solange das Wetter gut ist». Der nächste grössere Event, an dem über den veganen Lebensstil aufgeklärt werden soll, findet am 23. August am Flussufer in der Langen Erlen statt. Und damit noch lange nicht genug: Am 18. August eröffnet der erste vegane Laden in Basel seine Türen, an der Missionsstrasse 15a. Eine geballte vegane Ladung, mitten im Basler Sommer. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.07.2014, 17:57 Uhr

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