Basel
Verkehrsberuhigung beunruhigt Anwohner
Von David Weber. Aktualisiert am 05.07.2011 26 Kommentare
Bald auch auf dem Bruderholz: Weisse Zonen, die gleichzeitig als Verkehrsberuhigung dienen. (Bild: Keystone )
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Vor sieben Jahren wurde auf dem Bruderholz flächendeckend ein Tempo-30-Regime eingeführt. Allerdings ignorierten viele Automobilisten die tiefe Tempolimite, wie eine Wirkungskontrolle des Amts für Mobilität im Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) Anfang 2010 ergeben hatte. Wie viel Prozent der Autofahrer zu schnell unterwegs seien, kann BVD-Sprecher Marc Keller nicht sagen. Aber es seien so viele, dass gemäss «bundesrechtlichen Weisungen» zusätzliche bauliche Massnahmen ergriffen werden müssten.
Nun reagiert der Kanton. Und zwar mit der Markierung von Parkfeldern auf den Strassen des Bruderholz – davon gibt es bis jetzt erst wenige, meist wird frei parkiert. Die neuen weissen Parkfelder ohne Zeitbeschränkungen sollen wechselseitig angebracht werden. Für Keller ist dies eine «einfache, bewährte und kostengünstige Variante», um Autofahrer zu einer langsameren Fahrweise zu bewegen. «Oberstes Ziel ist eine Erhöhung der Verkehrssicherheit», sagt Keller.
Es hagelt Kritik
Der Widerstand gegen die geplante Massnahme ist allerdings massiv. Das mussten auch die vier Fachleute des Amts für Mobilität erleben, die am Donnerstagabend an einer Veranstaltung in der Tituskirche die Quartierbevölkerung über das Projekt informierten. Rund 300 Anwohner kamen – und es hagelte Kritik. Eine Petition wurde lanciert, die das geplante Aufmalen von Parkfeldern auf die Strasse verhindern soll.
Auch der Vorstand des Neutralen Quartiervereins Bruderholz (NQB) lehnt das Vorhaben einstimmig ab. Das erstaunt auf den ersten Blick, denn auf der Homepage www.bruderholz.org fordert der Verein vom Kanton Massnahmen zur Einhaltung von Tempo 30. Explizit wird dort auch die «Markierung von versetzten Parkfeldern» als verkehrsberuhigende Massnahme gefordert. «Aber nur dort, wo es auch nötig ist», präzisiert Hans-Rudolf Roth, Vorstandsmitglied des NQB, «und nicht mit dem Giesskannenprinzip.» Und sinnvoll sei diese Massnahme höchstens auf einigen wenigen Durchgangsstrassen. Die flächendeckende Parkfeldmarkierung «ist absurd, unnötig und gefährlich für Kinder und Velofahrende», kritisiert Roth und verspricht: «Wir werden mit allen Mitteln dagegen kämpfen.» Noch nie habe er, der seit 25 Jahren im NQB-Vorstand ist, eine so starke Opposition gegen eine Massnahme der Behörden erlebt.
Kanton hält an Massnahme fest
Ein vehementer Kritiker der Parkfeldmarkierungen ist auch Anwohner Christophe Haller. Der FDP-Grossrat und TCS-Präsident wurde bereits politisch aktiv. Er fordert mit einer Interpellation von der Regierung den Verzicht auf die «unsinnige» Markierung von Parkfeldern auf dem Bruderholz. «Versetzte Parkfelder erhöhen die Unfallgefahr», ist Haller überzeugt. «Das ist nachweislich falsch», sagt Keller vom BVD, das sich von der Massnahme eine Erhöhung der Verkehrssicherheit verspricht. Haller fordert anstelle neuer Markierungen mehr Tempokontrollen mit mobilen Radargeräten.
Trotz des Widerstands hält das BVD an der Massnahme fest, wie das Departement gestern in einer Medienmitteilung verlauten liess. Es habe zwar sehr viele Zuschriften von Anwohnern erhalten, sagt Keller, aber die wenigsten seien grundsätzlich gegen die Parkplatzmarkierungen. Meistens gehe es um Detailkritik bei der Anordnung der Parkfelder. «Die Abteilung Verkehrstechnik wird die Anregungen – soweit möglich – berücksichtigen», sagt Keller. Wann mit der Markierung begonnen werden soll, ist nicht klar. Im Herbst 2011 soll über den Stand der Arbeiten informiert werden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 05.07.2011, 07:16 Uhr
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Basel
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