Basel
Verkehrsberuhigung oder Verkehrskollaps?
Von Patrick Marcolli und Patrick Künzle. Aktualisiert am 03.09.2009 15 Kommentare
Die Strecke zwischen Nordtangente und Allschwilerstrasse soll umgebaut werden. Grafik: BaZ/reh
Artikel zum Thema
- Wasgenring-Rückbau: Abstimmung im September
- Anwohner sind gegen den Wasgenring-Rückbau
- TCS-Referendum gegen Umbau von Wasgen- und Luzernerring
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Ist es bloss eine «Umgestaltung»? Ist es ein massiver «Rückbau»? Bereits an der Terminologie scheiden sich die Geister. Tatsache ist: Die Umgestaltung des Luzernerrings und des Wasgenrings ist als flankierende Massnahme zum Bau der Nordtangente schon lange ein Thema, bereits 1995 wurde sie vom Regierungsrat beschlossen und vier Jahre später ins Aktionsprogramm Stadtentwicklung aufgenommen. Im Auflageprojekt wurde ausdrücklich festgehalten, dass die Umgestaltung zugunsten des öffentlichen Verkehrs, von Velomassnahmen und Baumpflanzungen zu erfolgen habe. Dies schlägt sich in nackten Zahlen nieder: Die Strassenfläche für Autos wird um über 4000 m2 reduziert, jene für Velos um 3000 m2 erhöht, ebenso die Trottoirfläche um 1300 m2. Zudem sollen über 70 Bäume mehr gepflanzt werden.
Anfang 2006 sprach der Grosse Rat einen Planungs- und Projektierungskredit von 600'000 Franken. Als der Ratschlag der Regierung schliesslich im Dezember vergangenen Jahres vor das Parlament kam, hielt sich die Opposition in engen Grenzen: Nur 16 Grossräte stimmten gegen das Vorhaben. Das Projekt kostet insgesamt 30 Millionen Franken, davon bezahlt der Bund sechs Millionen Franken.
Die vorberatende Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) hatte noch Änderungen am Projekt angebracht, die ebenfalls abgesegnet wurden. So wird die bestehende Unterführung an der Kreuzung Hegenheimerstrasse/Luzernerring/Wasgenring auch für Velofahrende benützbar gemacht. Unter Federführung des TCS formierte sich Ende 2008 aber sehr rasch der Widerstand. Nach einem Monat hatten Automobil- und Wirtschaftsverbände rekordverdächtige 6500 Unterschriften für das Referendum beisammen.
Mehr Staus als heute?
Die Verwaltung und die Befürworter sind überzeugt, dass die baulichen Massnahmen zu einer Verkehrsberuhigung führen. Der Verkehr werde durch die Neugestaltung der Kreuzungen flüssiger. Die Reduktion der Strassenfläche auf dem Wasgenring führe dazu, dass eine «Raserstrecke» eliminiert werde. Velostreifen und breitere Trottoirs würden überdies die Sicherheit der schwachen Verkehrsteilnehmer erhöhen. Insgesamt werde, so die Befürworter, die Wohnqualität im Quartier deutlich erhöht.
Die Gegnerschaft befürchtet dagegen, dass sich mit der geplanten Veränderung der Verkehrsführung und insbesondere der Reduktion der Fahrspuren der Verkehr in Zukunft zu Spitzenzeiten noch mehr stauen wird. Dies würde laut Gegnerschaft das Hegenheimerquartier mit zusätzlichem Suchverkehr belasten und auch zu grösseren Engpässen in Richtung des sich rasant entwickelnden Gewerbegebiets Bachgraben führen.
Lesen Sie mehr zum Thema - heute in der BaZ. (Basler Zeitung)
Erstellt: 03.09.2009, 08:01 Uhr
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15 Kommentare
Die Autofahrer haben für sehr viel Geld die Nordtangente erhalten! Dass der Wasgenring dafür umgebaut wird und dass die Klybeck-Ausfahr normalerweise nicht geöffnet ist, war von Anfang an Bedingung dafür. Wenn das jetzt plötzlich nicht mehr akzeptiert werden soll, dann ist dies nur als Zwängerei bezeichnet werden. Antworten
Ich habe 20 Jahre am Morgartenring gewohnt und garantiere allen Anwohnern vom Wasgen-+Luzernerring eine massive Mehrbelastung in den Quartierstrassen.Irgendwo muss der Verkehr durch.Für das ist eigentlich die "Ringstrasse" gedacht.Weniger Verkehr wirds sicher nicht geben,nur enorm mehr Stau+Anfahrtslärm.Der Stau wird bis in den Tunnel resp. zurück zum Morgartenring gehen.Warum keine Testphase?? Antworten
JA zum zeitgemässen Umbau am Wasgen- und Luzernering als wichtiger Bestandteil der integralen Aufwertung in "Basel Nord" und darüber hinaus.! Ein Blick auf das Ja-Komitee zeigt eine breite politische Allianz, weit über das rot-grüne Lager hinaus, inkl. Präsidium und Vorstand des Neutralen Quartierverein Kannenfeld als Vertretung der betroffenen Bevölkerung. Peter Jossi, Präsident SP St. Johann Antworten
Es scheint, dass in der ganzen Umbau-Euphorie das Verkehrsaufkommen auf dieser Strassen vergessen wird! Die Ringstrasse wurde gebaut um den Verkehr aus den Quartieren zu nehmen. Am Luzernerring besteht neu eine Autobahnzu- und Abfahrt! Und jetzt soll verengt werden!? Kann nicht gut gehen! Warum simuliert man nicht mit Bauabschrankungen das was kommen soll und kann erkennen was dann passiert? Antworten
Ich frage mich, für was hat man einst diese Ringstrassen gebaut? Doch zuallererst zur Entlastung der umliegenden Quartierstrassen! Gilt das alles heute nicht mehr? Mir scheinen 30 Mio Franken zu viel, um das dem Umbau folgenden Fiasko zu finanzieren! Dass nicht einmal an einen Versuch, den man schnellstens rückgängig machen könnte, gedacht wird, zeigt, wes Geistes Kind diese Initianten sind. Antworten
Ich bin Anwohner und beim Plan stört mich eigentlich nur der Kreisel (da gibts von der Hegenheimer kein Durchkommen mehr) und das wieder mal der Veloweg auf der Strasse sein muss. Wieso immer so gefährlich? Die paar Nasen kommen auf dem Trottoir gut aneinander vorbei. Zugegeben, bei den Stosszeiten am Morgen und Abends gibts sicher Probleme, aber die Reduktion auf 3 Spuren scheint mir *machbar*. Antworten
Zu Herr Marco Weber: Wenn die Kalorien (Personenkapazitäten) dank einem anderen Rezept (Busspur/ÖV) auch im kleineren Kuchen enthalten sind, werden trotzdem alle Esser satt. Ein kleinerer Kuchen stinkt zudem weniger und lässt mehr Platz für andere Speisen auf dem Buffet. Etwa für Salate (sauberere Luft), Mousses (kindergerechte öffentliche Räume) oder Brot (sicherere Arbeits-/Schulwege). E Guete! Antworten
Als Anwohner seit über 50 Jahren am Wasgenring staune ich, wie viele Experten sich mehr oder weniger kompetent zu Thema äussern. Gehe davon aus, alle alle diese selbst am Luzerner- Wasgenring wohnen. Was eine Verengung bewirkt, sieht man heute "live" bei der Baustelle Morgartenring/ Allschwilerstrasse. Ein Stau in jede Richtung! Der Bus hat für 1. Station 5-7 Minuten. Wenn das die Zukunft ist! Antworten
Immer, wenn Anwohner vom Verkehrimmissionen geschützt werden, reklamiert die Autolobby. Im Kleinbasel hat jedoch die Wohnqualität durch Verkehrsberuhigung zugenommen, wie ich aus eigener Erfahrung weiss. Deshalb ja zu mehr Wohnqualität am Wasgenring Antworten
Einen Kuchen kann man nicht kleiner backen bei immer mehr Essern. Nur zwei Beispiele: Dorenbachviadukt früher vierspurig ohne Kreisel mit flüssigem Verkehr. Heute einspurig mit Kreisel. Resultat zu Spitzenzeiten Chaos bis Margarethen. Gotthard Einspurig. Resultat kilometerlange Staus. Macht endlich Eure Augen auf. Reduzierungen bringen nichts. Der Verkehr wird nie abnehmen. Im Gegenteil. Antworten
Die Basler Regierung macht einen guten Job!Der heutige Wasgering wird seit dem Autobahn Anschluss sehr Stark befahren was zu einer verschlechterung der Wohnqualität fürs Quartier geführt hat.Die Anwohner haben das Recht auf angemessene Wohnqulität.Der grösste Teil des Verkehr kommt aus dem Leimentahl,deshalb sollte eine Umfahrungsstrasse von der Nordtangente bis nach Therwil gebaut werden. Antworten
Bei der Nordtangende war ein Zubringer Allschwil geplant.Mit diesem wäre dieser Umbau ein kleineres Problem gewesen.Ich kann nicht verstehen,dass der neue Regierungsrat nicht Fehler von früher zugeben kann.Das gleiche gilt für die Ausfahrt Klybeck.Eine Menge Mehrverkehr im St.Johann geht auf den Buckel dieser Sperrung.Viel Spass im zukünftigen Stau und dem enormen Abgasmief im Wasgenring. Antworten
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Hans Becht
Die 20 Millionen v. denen Herr Rg.r. Wessels spricht, (BaZ v, heute 28. 9. 09) für Leitungserneuerungen, die sowieso an fallen , kommen zu den 30 Millionen für die Zerstörung einer intakten, leistungsfähigen Strasse noch hinzu ! Als Stimmbürger sollte man sich halt so informieren, wie dies anscheinend nur 49%der Stimmberechtigten getan haben ! Nach Adam Riese kostet das uns also Fr. 50`000`000 ! Antworten