Basel

Wie die Bevölkerung Sicherheit empfindet

Von Raphael Suter. Aktualisiert am 22.12.2011 31 Kommentare

Die Angst vor Gewalt und Verbrechen ist in Basel grösser als in anderen Städten. Ein Kommentar.

Sichtbar. Die Polizei zeigt sich zwar bei Grossanlässen öfter (Bild: Kasernenstrasse während der Herbstmesse), aber es wird mehr Präsenz gefordert.

Sichtbar. Die Polizei zeigt sich zwar bei Grossanlässen öfter (Bild: Kasernenstrasse während der Herbstmesse), aber es wird mehr Präsenz gefordert.
Bild: Roland Schmid

Die Basler Bevölkerung fühlt sich heute weniger sicher als noch vor vier Jahren. Und auch im Vergleich mit anderen Städten wie Zürich oder Bern ist das Sicherheitsempfinden in Basel am schlechtesten. Dies zeigt eine seriös abgestützte Befragung, deren Resultate jetzt veröffentlicht worden sind.

Ist Basel tatsächlich ein gefährlicheres Pflaster als beispielsweise Zürich, und hat die Sicherheit in den letzten Jahren tatsächlich abgenommen? Die polizeiliche Kriminalstatistik in den Jahren 2008 bis 2010 spricht auf den ersten Blick eine andere Sprache. Sie zeigt, dass die Anzahl aller Straftaten sogar leicht abgenommen hat. Also bilden sich die Baslerinnen und Basler bloss ein, dass ihre Stadt unsicherer geworden ist? Doch die nüchterne Zahl der Straftaten ist für das Empfinden weniger wichtig als die Schwere der begangenen Delikte. So hat die Zahl der Straftaten gegen Leib und Leben in den letzten Jahren zugenommen, die Zahl der Körperverletzungen ist von 423 (2008) auf 562 (2010) gestiegen. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Doch 24 Raubüberfälle in den letzten drei Monaten haben wohl nicht dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung in Basel derzeit wieder sicherer fühlt.

Zu denken gibt, dass die Unsicherheit nicht nur in Quartieren wie dem Kleinbasel mit einem hohen Ausländeranteil und einem Rotlichtdistrikt gestiegen ist, auch in den Wohnvierteln Bachletten, Gotthelf, Iselin und St. Johann ist das subjektive Sicherheitsempfinden fast um zehn Prozentpunkte zurückgegangen. Nachts draussen fühlen sich heute mehr Befragte unsicher als noch vor vier Jahren.

Das Gefühl ist entscheidend

Die Befragung zeigt nur die Wahrnehmung der Bevölkerung auf. Ob sich diese mit den wirklichen Ereignissen und ihrer Häufigkeit deckt, ist auch nicht wichtig. Wer in einer Stadt lebt, will sich hier sicher fühlen. Das Gefühl von Sicherheit ist entscheidend und nicht die nackten Zahlen einer Statistik oder die beschwichtigenden Aussagen von Politikern.

Eine simple Erklärung hat SP-Präsident Martin Lüchinger gefunden. Er meint, dass die Berichterstattung die Aufmerksamkeit auf die Vorfälle fördere und die Unsicherheit schüre. Mit anderen Worten: Wenn die Medien nicht mehr von Raubüberfällen berichten, steigt auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wieder. Dazu müssten Polizei und Staatswanwaltschaft aber erst einmal angewiesen werden, nicht mehr über Straftaten zu informieren. Oder die Medien müssten diese offiziellen Meldungen (wobei längst nicht jedes Delikt auch an die Öffentlichkeit gebracht wird) einfach ignorieren. Aber selbst eine solche Zensur würde das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Stadt nicht zurückbringen. Zu viele haben in den letzten Jahren und Monaten am eigenen Leib einen Einbruch, einen Diebstahl, eine Körperverletzung oder eine Tätlichkeit miterlebt oder in ihrer Umgebung wahrgenommen.

Wo liegt die Lösung? Die Antwort ist einfach: Die Polizei muss ihre sichtbare Präsenz verstärken. Während der vergangenen Herbstmesse ist diese Strategie auf dem Kasernenareal angewandt worden. Dank der grösseren Polizeipräsenz ist es auf diesem sonst für Rangeleien und Diebstähle berüchtigten Platz zu keinen nennenswerten Vorfällen gekommen. Diese Lösung hat nach der SVP nun auch die SP entdeckt. In der Forderung nach mehr Polizeipräsenz sind sich die Parteien inzwischen einig, nicht aber in der Zahl der zusätzlichen Stellen und weiterer Massnahmen. Die Regierung und eine Mehrheit des Grossen Rats spricht sich für 45 neue Stellen im Polizeikorps aus, die vor allem an den sogenannten Hotspots wie dem Barfüsserplatz, dem Rheinufer oder der Steinenvorstadt zum Einsatz kommen sollen. Die Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage zeigen allerdings, dass sich nicht nur die Bewohner der Innerstadt unsicher fühlen. Auch in idyllischen Quartieren wie im Bachletten ist eine stärkere Polizeipräsenz gefragt.

Umfrage ernst nehmen

Falls die Basler Regierung die von ihr selber in Auftrag gegebene Umfrage ernst nimmt, muss sie aufgrund deren Ergebnisse jetzt nochmals über die Bücher gehen. Vor allem auch wegen des Städtevergleichs, der Basel – nicht zuletzt für potenzielle Zuzüger – schlecht aussehen lässt. An der Präsentation wertete Regierungspräsident Guy Morin das geschwundene Sicherheitsempfinden als «Warnsignal». Daraus müssen nun weitere Massnahmen abgeleitet werden. Wie viel Polizei Basel braucht, damit sich die Bewohner wieder sicher fühlen, muss aufgrund der Anforderungen und Aufgaben definiert werden. Mehr Sicherheit verlangt nach mehr Polizisten, und da werden 45 neue Stellen nicht genügen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.12.2011, 16:28 Uhr

31

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

31 Kommentare

Ted Sommer

22.12.2011, 19:32 Uhr
Melden 52 Empfehlung 0

Das ja der Hammer: SP-Präsident Martin Lüchinger politisiert nach dem Motto " Was nicht sein darf, kann nicht sein". Den bösen Medien einen Maulkorb verpassen und schon ist das Problem gelöst. Wenn dass die Art der SP ist, die berechtigten Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen dann gute Nacht. Antworten


Peter Waldner

22.12.2011, 18:22 Uhr
Melden 46 Empfehlung 0

Die Kriminalstatistik ist ein unsinniger Massstab. Es ist zu umständlich, Anzeige zu erstatten. Selbst Ladendiebstähle führen selten zu einem Verfahren, weil bei "Geringfügigkeit" (<500.-?) der Laden eine Anzeige mit viel Papier erstatten muss. Ein Dieb kann von der Polizei abgeholt werden - eine Stunde später ist er wieder "an der Arbeit". Angst vor der Justiz müssen nur Autofahrer haben! Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Umfrage

Die Mitarbeiter der Basler Stadtreinigung müssen trotz hochsommerlicher Temperaturen lange Hosen tragen. Sollen die Stadtreiniger kurze Hosen tragen dürfen?



Die Lehrstellenbörse der BaZ

Arbeit & Stellen

Agenda

Kino


Benegast

Benegast® die erste ganzheitliche Marke für alle Verdauungsprobleme.

Genusswelt

Besuchen Sie unsere Genusswelt und entdecken Sie die Welt des Genuss!